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    Was ist denn konservativ?

    Konservatives Profil – dass die Christenunion dieses schärft, hat zuletzt der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) nach den herben Verlusten seiner Partei bei der Landtagswahl an Rhein und Ruhr gefordert. Das klingt gut und in jüngster Zeit sehr vertraut. Nur: Wer dann von Politikern, Intellektuellen, Publizisten, kirchlich engagierten Bürgern und auch kirchlichen Würdenträgern hierzuland wissen will, welche Inhalte ein konservatives Profil ihrer Meinung nach im Einzelnen haben muss, mit welcher Logik diese Inhalte verbunden sein sollten, damit sie zum stimmigen Programm werden, wird enttäuscht. Es gibt kein solches Konzept. Durch die Undeutlichkeit, mit der über ein konservatives Profil gesprochen wird, ist nicht zu erkennen, welche Probleme in Deutschland damit besser gelöst werden als mit einer Politik, die aus einer anderen als solchen konservativen Haltung motiviert ist – abgesehen davon, wie dieses unklare Profil Inhumanität in der Gesellschaft verhindern soll.

    Konservatives Profil – dass die Christenunion dieses schärft, hat zuletzt der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) nach den herben Verlusten seiner Partei bei der Landtagswahl an Rhein und Ruhr gefordert. Das klingt gut und in jüngster Zeit sehr vertraut. Nur: Wer dann von Politikern, Intellektuellen, Publizisten, kirchlich engagierten Bürgern und auch kirchlichen Würdenträgern hierzuland wissen will, welche Inhalte ein konservatives Profil ihrer Meinung nach im Einzelnen haben muss, mit welcher Logik diese Inhalte verbunden sein sollten, damit sie zum stimmigen Programm werden, wird enttäuscht. Es gibt kein solches Konzept. Durch die Undeutlichkeit, mit der über ein konservatives Profil gesprochen wird, ist nicht zu erkennen, welche Probleme in Deutschland damit besser gelöst werden als mit einer Politik, die aus einer anderen als solchen konservativen Haltung motiviert ist – abgesehen davon, wie dieses unklare Profil Inhumanität in der Gesellschaft verhindern soll.

    Allein schon, dass Mappus die Rede vom konservativen Profil mit einer energiepolitischen Volte gegen Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) verbunden hat, die auch der eigenen Profilierung dient, zeigt die Misere: Was hat denn ein konservatives Profil mit Energiepolitik zu tun? Es gibt richtige und falsche Energiepolitik – und dafür gibt es sachliche Gründe. Aber es gibt keine konservative oder liberale Energiepolitik. Da werden schlicht die Begriffsebenen verwechselt.

    Das wiederum hat etwas mit den sogenannten Wieselwörtern zu tun: Wiesel saugen Eier aus, ohne dass sie dabei die Hülle zerstören, so dass manche Vögel sie sogar noch bebrüten wollen. Der Anblick der Eier gaukelt einen Inhalt vor, den sie gar nicht mehr haben. Der Sozialphilosoph Friedrich August von Hayek, der über den Zusammenhang von Marktwirtschaft und Freiheit nachdachte, bezeichnete das Wort „sozial“ in „sozialer Gerechtigkeit“ als Wieselwort – durch seinen inflationären, ritualisierten Gebrauch wird es inhaltlich leergesaugt.

    Dem Begriff des Konservativen droht ein ähnliches Schicksal, wenn es weiterhin allein taktisch benützt wird, um sich etwa in der CDU gegen Angela Merkel zu profilieren oder Menschen hinter einem diffusen Lebensgefühl zu versammeln, das in Deutschland kaum jemand tatsächlich beschreiben kann. Die bloß äußerliche Forderung nach konservativem Profil überzeugt auf Dauer nicht, wie jüngste Initiativen in der Union zeigen, die schon überholt sind.

    Was ist heute konservativ? Wer und was gibt dem in Deutschland ein Gesicht? Antworten stehen aus. Wer jedoch mehr konservatives Profil fordert, muss zuerst auf diese Fragen antworten.

    Von Johannes Seibel