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    Wahrheit im Licht des Glaubens

    „Die Erscheinung“ – Ein nichtgläubiger Journalist untersucht eine Marienerscheinung. Von Jean-Marie Dumont

    Der Journalist Jacques (Vincent Lindon) hat die Aufgabe, eine Marienerscheinung zu untersuchen. Foto: AlloCiné

    Seit einigen Jahren taucht der christliche Glaube als Hintergrundthema mehrerer französischen Filme auf. Ein neues Beispiel dieser Tendenz ist in dem letzten Film vom französischen Regisseur Xavier Giannoli „L'Apparition“ (die Erscheinung) zu sehen, der seit jetzt in den französischen Kinos vorgeführt wird. Die Hauptrolle spielt der Schauspieler Vincent Lindon. Die Geschichte wirkt interessant und erstaunlich. Ein Reporter, Jacques, der in verschiedenen Ländern für die französische Tageszeitung „Ouest France“ arbeitet, wird im Rahmen seiner Arbeit verletzt. Sein bester Kollege stirbt bei einem Terroranschlag im Rahmen der Kriege im Nahen Osten. Als Jacques eine existenzielle Krise durchmacht, erhält er einen Telefonanruf des Privatsekretärs eines französischen Bischofs, der in Rom arbeitet. Er sagt ihm, dass der Bischof mit ihm in Rom sprechen möchte und ihm eine spezifische Aufgabe übertragen will. Jacques ist sehr erstaunt, er weiß wenig die Kirche; zwar wurde er zwar als Kind getauft, war aber nie im Vatikan. Nach einigen Minuten der Überlegung nimmt er an und einige Tage später fliegt er nach Rom.

    Im apostolischen Palast trifft er den Prälaten. Nach einem erstaunlichen Gespräch zwischen dem Getauften, der nie zur Messe geht und behauptet, dass die Erscheinungen nicht existieren, und einem römischen Prälaten, der die Qualität der Arbeit des Journalisten bewundert, akzeptiert Jacques diese Arbeit. Der Sekretär des Bischofs erklärt ihm das Verfahren und den Sinn dieser Untersuchungen. Schon bald macht sich Vincent Lindon auf den Weg zu dem Dorf in den Alpen, wo die Erscheinungen stattfinden; andere Mitglieder der Kommission sind schon angekommen.

    Die Kommission besteht aus Personen, die die Kirche sehr gut kennen und die schon eine ihre Erfahrung mit Erscheinungen haben. Einige sind bereits überzeugt, dass die Erscheinungen falsch sind, bevor sie angefangen haben zu arbeiten. Vincent dagegen Lindon ist eher neutral. Er handelt wie ein guter unabhängiger Journalist, stellt viele Fragen ohne Vorurteile und versucht einfach, die Wahrheit zu finden. Sagt Anna die Wahrheit, das Mädchen (Galatea Bellugi), das behauptet, Maria regelmäßig zu sehen? Hat sie am Tag der ersten Erscheinung wirklich geschrien, wie mehrere Zeugen behaupten? Welche Rolle spielt die Gemeinschaft der Schwestern, wo Anna Postulantin nun ist? Warum sind alle Leute im Dorf so misstrauisch gegenüber der Arbeit der Untersuchungskommission, wenn sie ein sauberes Gewissen haben?

    Der Film ist die Erzählung dieser Untersuchung. Diese ist lang – wahrscheinlich zu lang mit zwei Stunden und 17 Minuten –, aber dennoch gelungen. Es gibt keine antiklerikale Anklänge, was für einen französischen Film über den christlichen Glauben und sogar die katholische Kirche außergewöhnlich ist. Der Vatikan ist so dargestellt, dass man die Schönheit des apostolischen Palasts bewundern kann, aber auch die Wärme der Personen und die große Vorsicht der Kirche gegenüber den spektakulären übernatürlichen Phänomenen, die auch vom Teufel kommen könnten. Das Verfahren ist strikt. Die „Kirche bevorzugt es, ein Phänomen, das wirklich vom Himmel kommt, eher beiseite zu lassen, wenn nicht alles sicher ist, als einen Betrug anzuerkennen“, erklärt ihm der Sekretär des Bischofs. Vincent Lindon wie die Zuschauer verstehen, dass Glaube und Vernunft nicht entgegengesetzt sind. Diese Haltung gibt es auch bei den Mitgliedern der Kommission. Auch wenn es nicht ausgesprochen wird, so ist die Untersuchung doch durch die Idee der Wahrheit geleitet.

    Zwar macht der Film gleich zu Beginn neugierig auf die Lösung. Aber gleichzeitig entsteht auch der Eindruck, dass die Untersuchung sehr lang und die Geschichte so kompliziert ist, dass man sich nach zwei Stunden verliert. Das führt auch dazu, dass sich der Zuschauer zunehmend bedrückt durch den Film fühlt. Es ist daher wichtig, die Absicht des Regisseurs Xavier Giannoli (letzter Film: „Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“, 2015) besser zu verstehen. Einen Hinweis auf diese Absicht darauf geben seine Worte: „Seit langem wollte ich wissen, wo ich mich in Bezug auf den Glauben befinde. Ich musste mich auf den innigsten Kern der Themen, mit denen ich mich befasst habe, konzentrieren. Eines Tages habe ich einen Artikel über die kanonischen Untersuchungskommissionen gelesen und dabei entdeckt, dass sie nicht nur aus Ordensleuten bestehen; Ärzte oder Historiker können auch Mitglieder sein. Ihre Aufgabe ist die Erforschung der Wirklichkeit, Aussagen und Fakten zu analysieren, um zu wissen, ob es um einen Betrug geht oder nicht. Das Thema des Films entsprach meiner inneren Lage, meinen existenziellen Zweifeln.“

    „Die Erscheinung“ ist die Frucht eines Mannes, dem der Glauben fehlt, der aber nach der Wahrheit sucht. Die Schwächen des Films kann man als Zeichen des Mangels des Lichtes für die Vernunft und für die Kunst ansehen: es ist das Licht des Glaubens.

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