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    „Vertrauen ist die Währung des Internets“

    Der Grad der Digitalisierung und Vernetzung in allen Lebensbereichen wird noch weiter zunehmen. Untersuchungen zeigen, dass beispielsweise Online-Shopping oder -Banking, unabhängig von der Angst überwacht zu werden, immer stärker genutzt wird. Es scheint, als wäre alles miteinander vernetzt, doch die Digitalisierung wird sich in den nächsten Jahren noch schneller vollziehen. Nicht nur die Leistungsfähigkeit von Chips schreitet in Quantensprüngen voran. Dass in Zukunft Roboter unseren Haushalt versorgen, ist keineswegs mehr nur eine Vision von Science-Fiction-Autoren. Menschen tauchen an vielen Stellen der Wertschöpfungskette immer seltener auf. Längst ist die digitale Revolution zu einer gesellschaftlichen Herausforderung geworden. Doch wer die globale Cyberwelt nur anhand ökonomischer Maßstäbe misst, verkennt, dass das Internet auch gravierende soziale Veränderungen mit sich bringt. Sind wir die Profiteure des Fortschritts oder dessen Sklaven?

    Bundesinnenminister de Maiziere. Foto: dpa

    Der Grad der Digitalisierung und Vernetzung in allen Lebensbereichen wird noch weiter zunehmen. Untersuchungen zeigen, dass beispielsweise Online-Shopping oder -Banking, unabhängig von der Angst überwacht zu werden, immer stärker genutzt wird. Es scheint, als wäre alles miteinander vernetzt, doch die Digitalisierung wird sich in den nächsten Jahren noch schneller vollziehen. Nicht nur die Leistungsfähigkeit von Chips schreitet in Quantensprüngen voran. Dass in Zukunft Roboter unseren Haushalt versorgen, ist keineswegs mehr nur eine Vision von Science-Fiction-Autoren. Menschen tauchen an vielen Stellen der Wertschöpfungskette immer seltener auf. Längst ist die digitale Revolution zu einer gesellschaftlichen Herausforderung geworden. Doch wer die globale Cyberwelt nur anhand ökonomischer Maßstäbe misst, verkennt, dass das Internet auch gravierende soziale Veränderungen mit sich bringt. Sind wir die Profiteure des Fortschritts oder dessen Sklaven?

    Zumindest der amerikanische Präsident Obama musste jetzt einräumen, dass seine Geheimdienste die Terrororganisation „Islamsicher Staat“ falsch eingeschätzt haben. Offenbar ist es doch nicht so, dass die Computer selber ihre Ergebnisse bewerten, sondern das machen immer noch Menschen. Beruhigend ist das dennoch nicht – in diesem Fall sind die Menschen jedenfalls noch nicht Profiteure vom digitalen Fortschritt.

    Schafft das Internet einen größeren Spielraum für die persönliche Freiheit? Zwei Drittel der Deutschen befürchten, dass ihre Daten im Netz nicht geschützt sind und wissen, dass jede Internetnutzung Spuren hinterlässt, von denen die meisten systematisch gesammelt werden. Dass autoritäre Staaten überwachen, wird keinen verwundern, aber auch in Demokratien spionieren Geheimdienste die geschäftliche und private Kommunikation aus, nach dem Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Doch es sind nicht nur die Geheimdienste, globale Plattformen und die Industrie kontrollieren das neue Medium. Sind wir vor Missbrauch ausreichend geschützt?

    Dieser und anderen Fragen ging die von der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und Alfred-Herrhausen-Gesellschaft veranstaltete Berliner Konferenz „Denk ich an Deutschland“ nach. Innenminister de Maiziere sagte hier, der Staat habe im Internet nicht mehr Rechte als in anderen Lebensbereichen. Er betonte die Wichtigkeit des Vertrauens. Dieses sei im Internet ein ökonomischer Faktor, eine „Währung“. In welcher Münze es ausgezahlt werden soll, allerdings angesichts der peinlichen Vorfälle um Snowdon und dem amerikanischen Geheimdienst NSA, blieb jedoch offen. Bei der von de Maiziere angeregten „Versicherungslösung“ dürfte es sich ohnehin mehr um eine Verlegenheitslösung handeln. Wie soll auch nur annähernd ein global wirksamer Datenschutz erfolgen, wenn es keine international verbindliche Rechtsgrundlage gibt. Fakt ist, in der zum globalen Dorf mutierten Welt verlieren nationale Maßstäbe zusehends an Bedeutung. Eine internationale Zusammenarbeit wird trotz aller nationalen Egoismen unausweichlich bleiben. Jedenfalls bringt eine unangemessen hysterisch geführte Diskussion über Datenschutzprobleme keine nachhaltigen Lösungen.

    Derweil spielen die Amerikaner bei der „Digitalisierung“ machtvoll ihre Trümpfe aus, vor allem, wenn es um ihre wirtschaftliche Vormachtstellung geht. Sie verfügen zudem über eine beneidenswert hohe Anzahl an Risikokapitalgebern, die neue Ideen mit zig Millionen Dollars alimentieren, als läge das Geld in unbegrenzter Menge auf den amerikanischen Datenautobahnen. Cisco, ein US-Netzwerkkonzern, finanziert ganz nebenbei in Berlin mit 30 Millionen Dollar ein neues Forschungszentrum – das ist dreieinhalb mal so viel Geld, wie das Land Baden-Württemberg für Forschungsprojekte in diesem Bereich für die nächsten zwei Jahre bereitstellt. Solange die deutsche Politik keine High-Tech-Strategien entwickelt, bleibt der digitale Wachstumsmarkt anderen überlassen, was zwangsläufig einen großen Schaden für die bundesdeutsche Wirtschaft nach sich zieht. Doch es wird höchste Zeit, wenn die Zukunftsmärkte nicht verschlafen werden sollen – auch dazu sollte die Berliner Konferenz „Denk ich an Deutschland“ gedient haben.