• aktualisiert:

    Vergöttertes Geld

    Deutschlands Chefzyniker hat wohl seine Paraderolle gefunden: Entertainer Harald Schmidt spielt am Stuttgarter Theater den kränkelnden Geizhals „Volpone“ – eine Rolle, die ihm jede Menge Raum lässt, nach Herzenslust über das deutsche Gesundheitswesen und Rechtssystem herzuziehen. Dieser Volpone ist ein stinkreicher, aber von seinem Beruf gelangweilter Mann, der sich zu seiner Unterhaltung groteskes Theater vorspielen lässt. 750 Zuschauer quittierten die Premiere von „Volpone oder Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg“ am Samstagabend mit langem Applaus. Die Vorstellungen im Juni sind bereits ausverkauft.

    Deutschlands Chefzyniker hat wohl seine Paraderolle gefunden: Entertainer Harald Schmidt spielt am Stuttgarter Theater den kränkelnden Geizhals „Volpone“ – eine Rolle, die ihm jede Menge Raum lässt, nach Herzenslust über das deutsche Gesundheitswesen und Rechtssystem herzuziehen. Dieser Volpone ist ein stinkreicher, aber von seinem Beruf gelangweilter Mann, der sich zu seiner Unterhaltung groteskes Theater vorspielen lässt. 750 Zuschauer quittierten die Premiere von „Volpone oder Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg“ am Samstagabend mit langem Applaus. Die Vorstellungen im Juni sind bereits ausverkauft.

    Als so eine Art menschlicher Dagobert Duck spielt der 52-Jährige – im hellblauen Pyjama und zumeist im Krankenbett liegend – den Geschäftsmann, der nur eins lieber macht als Millionen im Discounter-Geschäft zu verdienen: seine ums Erbe buhlenden Mitmenschen übers Ohr hauen. Er ergötzt sich geradezu daran, die potenziellen Erben gegeneinander auszuspielen. Und er erfreut sich daran, über die Schulmedizin zu wettern: Längst habe die sich ja auf das „Zu-Tode-Pflegen“ verlegt. „Das ist natürlich bei weitem wirtschaftlicher als das Heilen.“ Die Komödie des Autorenteams Soeren Voima macht Spaß. Sie entstand nach Motiven des britischen Dichters Ben Jonson (1572–1637) aus dem frühen 17. Jahrhundert. Es geht um Habgier, Intrigen und Manipulation. „Das Original habe ich ehrlich gesagt nach zwanzig, dreißig Seiten aus der Hand gelegt“, räumt Schmidt im Theater-Journal ein. Trotzdem ist es aktueller denn je, was Soeren Voima und Regisseur Christian Brey beweisen. „Der Glaube an das Geld ist so inflationär geworden“, dass man sich wieder nach dem Katholizismus sehnt, wettert Volpone.

    Schmidts zynische Monologe bestimmen das Stück in jeder Hinsicht. Mit Ausnahme der stets korrekten Frau Dr. Fliegel (Minna Wündrich) hat es der Rest des Ensembles schwer. Schmidt will man sehen. Und zwar so: „Der geheilte Patient ist vom wirtschaftlichen Standpunkt aus geradezu gestorben.“ Sarkastisch eben. Das Stück scheine „wie geschrieben für Schmidt“, hatte Regisseur Brey vorher schon angekündigt. Sätze wie „Ich war mit 20 Millionen nicht glücklicher als mit zehn“, klingen aus seinem Mund anders. Seit der Spielzeit 2008/2009 gehört Schmidt zum Ensemble des Staatstheaters und feierte zuletzt mit einem Hamlet-Musical, einem Elvis-Presley-Abend und einer René-Pollesch-Produktion Erfolge. „Ich versuche, die Kunstfigur Harald Schmidt möglichst effektiv in die jeweilige Produktion einzubringen.“

    Von Roland Böhm