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    Vatikan erklärt Journalisten die Kirche

    „The Church Up Close“ – Die Kirche aus der Nähe betrachtet: So lautete der Titel eines Studienseminars, das vom 6. bis zum 12. September an der Universität vom Heiligen Kreuz in Rom stattfand und an dem etwa 30 professionelle Journalisten aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Etwa die Hälfte von ihnen kam aus den Vereinigten Staaten, andere aus Singapur, Kanada, Südafrika, Indien, Costa Rica, Australien, Großbritannien und Deutschland. Jeder von ihnen war mit dem Wunsch nach Rom gekommen, die katholische Kirche, ihre Strukturen und ihre Lehre tiefer zu erfassen sowie über Herausforderungen und Probleme der Kirchenberichterstattung in der heutigen Zeit informiert zu werden und zu diskutieren. Die überwiegende Mehrheit war von kirchlichen Organen entsandt – wie zum Beispiel dem „First Things Magazine“ (USA), „Our Sunday Visitor“ (USA) „Jeevanaadam Weekly“ (Indien), „The Record“ (Australien), und „Eco Católico“ (Costa Rica), jedoch nahmen auch einige Vertreter säkularer Medien wie der britischen „BBC“ Website, dem südafrikanischen „The Witness Newspaper“ und der kanadischen „National Post“ teil.

    „The Church Up Close“ – Die Kirche aus der Nähe betrachtet: So lautete der Titel eines Studienseminars, das vom 6. bis zum 12. September an der Universität vom Heiligen Kreuz in Rom stattfand und an dem etwa 30 professionelle Journalisten aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Etwa die Hälfte von ihnen kam aus den Vereinigten Staaten, andere aus Singapur, Kanada, Südafrika, Indien, Costa Rica, Australien, Großbritannien und Deutschland. Jeder von ihnen war mit dem Wunsch nach Rom gekommen, die katholische Kirche, ihre Strukturen und ihre Lehre tiefer zu erfassen sowie über Herausforderungen und Probleme der Kirchenberichterstattung in der heutigen Zeit informiert zu werden und zu diskutieren. Die überwiegende Mehrheit war von kirchlichen Organen entsandt – wie zum Beispiel dem „First Things Magazine“ (USA), „Our Sunday Visitor“ (USA) „Jeevanaadam Weekly“ (Indien), „The Record“ (Australien), und „Eco Católico“ (Costa Rica), jedoch nahmen auch einige Vertreter säkularer Medien wie der britischen „BBC“ Website, dem südafrikanischen „The Witness Newspaper“ und der kanadischen „National Post“ teil.

    Die ersten drei Tage des Seminars waren darauf ausgerichtet, die Kenntnis der Kirche in Rom zu vertiefen. So referierte Paul O'Callaghan, Professor an der Universität vom Heiligen Kreuz, über das Thema „Wesen und Sendung der Kirche: Was ist die katholische Kirche?“. Er stellte das von Karl Barth postulierte protestantische Kirchenverständnis (Kirche ist dort, wo Christen sind) dem katholischen Kirchenverständnis gegenüber, dem zufolge die Kirche aus den Christen (dem „Gottesvolk“) hervorgeht, gleichzeitig aber die Christen hervorbringt (als „Heilige Mutter Kirche“). Es folgte eine Übersicht über den strukturellen Aufbau der Kirche (hierarchische Struktur, Römische Kurie, Zirkumskriptionen, Dikasterien, Bischofskonferenzen), dann sprach Monsignore Oscar Neves über die diplomatische Mission des Staatssekretariats. Monsignore Charles Scicluna gab eine Einführung in die Praxis der kanonischen Prozesse, besonders im Hinblick auf schwerwiegende Delikte (delicta graviora), zu denen Häresie und Profanation der eucharistischen Gestalten ebenso gehören wie sexueller Missbrauch durch Priester.

    Langjährige Vatikanisti sprechen über ihre Arbeit

    Dieser theoretische Teil wurde ergänzt durch Besuche beim Presseamt des Heiligen Stuhls und bei der Glaubenskongregation sowie durch eine Begegnung mit den in Rom tätigen Journalisten Patricia Thomas (Associated Press) und John Travis (Catholic News Service), die über ihre langjährigen Erfahrungen als Vatikanisten sprachen.

    In der Generalaudienz am Mittwoch richtete Papst Benedikt XVI. ein Grußwort an die Teilnehmer des Studienseminars, die anschließend an einer Führung in den Grabungen unter dem Petersdom teilnehmen konnten. Am Vortag hatten sie diesen sowie die Sixtinische Kapelle besucht.

    Von Donnerstag bis Samstag wurden in einem sehr dichten Programm einzelne Themen vertieft, die in den Medien in Bezug auf die Kirche immer wieder zur Sprache kommen: Stammzellforschung (Angelo L. Vescovi, Universität Bicocca in Mailand), Armut und Dritte Welt (Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden), Pius XII. und die Juden (David Jaeger OFM, Päpstliche Universität „Antonianum“), Naturwissenschaft und Glaube (Rafael Martínez, Päpstliche Universität vom Heiligen Kreuz), Katholische Kirche und ökonomische Gerechtigkeit (Stefano Zamagni, Universität Bologna), Katholische Identität und öffentliches Leben (Kardinal James Stafford).

    Das Bibelverständnis der Kirche sowie die Frage nach dem historischen Jesus – der nach katholischer Auffassung nicht vom theologischen Jesus getrennt werden kann – erläuterte Bernardo Estrada, Professor an der Universität vom Heiligen Kreuz. Besondere Aktualität hatte der Beitrag von Jack Valero über die bevorstehende Seligsprechung von Kardinal Newman und den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Großbritannien. Aktualitätsbedingt war auch die Vorstellung des kürzlich auf dem italienischen Markt erschienenen Buches „Attacco a Ratzinger“ (Angriff auf Ratzinger) durch die Autoren, die italienischen Journalisten Paolo Rodari und Andrea Tornelli, die sich darin mit der Kritik der Medien an Benedikt XVI. auseinandersetzen (DT vom 2. September).

    Das Mittagessen nahmen die Teilnehmer in diesen Tagen gemeinsam in einem römischen Restaurant in Form eines Arbeitsessens ein, bei dem es weitere Vorträge zu verschiedenen Themen gab: Monsignore Fortunatus Nwachukwu, Protokollchef des Vatikanischen Staatssekretariats, sprach über die Kirche in Afrika, Michele Zanzucchi, Herausgeber der Zeitschrift der Fokolar-Bewegung „Citta Nuova“, über christliche Minderheiten in schwierigen Ländern und Monsignore Lucio Ruiz, Leiter des Vatikanischen Internetbüros, über die katholische Kirche und die digitale Welt.

    Abgeschlossen wurde das Studienseminar am Sonntag mit einem Besuch in Subiaco, wo der hl. Benedikt drei Jahre lang in einer Höhle lebte, bevor er den Orden gründete, der später maßgeblich war für die Evangelisierung Europas. Yago De La Cierva, der verantwortliche Direktor des Weltjugendtags in Madrid 2011, hielt hier den letzten Vortrag der Tagung: Kommunikation für Weltkirchenereignisse.

    Gelegenheit, um Klischees zu bereinigen

    Das Seminar fand bei den Teilnehmern durchweg eine positive Resonanz, nicht zuletzt aufgrund des hohen akademischen Standards und der hervorragenden Organisation, von der Auswahl der Referenten bis hin zur Zeiteinteilung, die genug Raum ließ für Fragen und Diskussionen. Der Opus-Dei-Priester und Vorsitzende des Organisationskomitees John Wauck sagte über das Studienseminar: „Wir versuchen damit, Journalisten aus aller Welt den Vatikan näherzubringen. Das ist für uns auch eine wunderbare Gelegenheit, das Ziel der Universität voranzutragen: die Förderung der Wahrheit über die Kirche. Vor uns liegt eine enorme Herausforderung, aber sie gibt uns auch große Hoffnung, durch modernste Technik den Christen in aller Welt die Botschaft Christi zu vermitteln.“

    Man könnte hinzufügen: und nicht nur den Christen. Denn auch die säkularen Medien müssen sich mit der Kirche auseinandersetzen und versuchen, ihre Inhalte und Anliegen den Menschen zu vermitteln. Ein Teilnehmer der Tagung, der als Katholik für eine weltliche Zeitung schreibt, drückte es folgendermaßen aus: In der katholischen Zeitung steht „An Ostern ist Christus auferstanden“. In der weltlichen Zeitung heißt es, „Die Christen glauben, dass Christus an Ostern auferstanden ist“. Trotz der unterschiedlichen Formulierung müssen beide den Lesern den Zusammenhang von Christus und Ostern vermitteln.

    Für die Kirchenberichterstattung bedarf es der Grundlagen, um Klischees und Halbwahrheiten – die letztlich Unwahrheiten sind – auszuschließen. Dazu diente dieses Studienseminar, das deutlich machte: „Aus der Nähe betrachtet“ sieht die Kirche oft ganz anders aus als durch den medialen Blick über Länder und Kontinente hinweg.