• aktualisiert:

    Unscheinbare Frau, große Künstlerin

    Im Jahre 1912 zieht sich der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur) in das französische Städtchen Senlis zurück, um dem hektischen Leben in Paris zu entfliehen, wo er Picasso und Braque gefördert und eine Galerie betrieben hatte. Als Haushälterin stellt er die verschlossene Séraphine (Yolande Moreau) ein, die sich als äußerst eigenwillige und autodidaktische Malerin herausstellt. Sie malt Blumen, Blätter in einer Art, die an Henri Rousseau und andere Vertreter der „Naiven Malerei“ erinnert.

    Im Jahre 1912 zieht sich der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur) in das französische Städtchen Senlis zurück, um dem hektischen Leben in Paris zu entfliehen, wo er Picasso und Braque gefördert und eine Galerie betrieben hatte. Als Haushälterin stellt er die verschlossene Séraphine (Yolande Moreau) ein, die sich als äußerst eigenwillige und autodidaktische Malerin herausstellt. Sie malt Blumen, Blätter in einer Art, die an Henri Rousseau und andere Vertreter der „Naiven Malerei“ erinnert.

    Uhde beginnt, Séraphines Arbeiten zu sammeln und auszustellen. Er verkauft einige ihrer Bilder, und so gelangt Séraphine zu einem ihr bis dahin unbekannten Wohlstand. Dann bricht jedoch der Erste Weltkrieg aus, und Uhde muss zurück nach Deutschland. Zurück in Frankreich nach dem Krieg, trifft ihn die Wirtschaftskrise so stark, dass er Séraphine nicht mehr helfen kann. Sie wird wiederum immer mehr von Wahnvorstellungen heimgesucht, bis sie schließlich in einer psychiatrischen Klinik die restlichen Jahre ihres Lebens verbringt. Séraphine Louis stirbt im Dezember 1942 im Alter von 78 Jahren.

    Bei der Verleihung des französischen Filmpreises 2009 gewann Martin Provosts „Séraphine“ sieben „Césars“, darunter für den Besten Film, Bestes Drehbuch, Beste Kamera und Beste Hauptdarstellerin. In betont langen Einstellungen findet die Kamera ihren eigenen Rhythmus, den die zurückgenommene Filmmusik hervorragend ergänzt. Dadurch kommen die farbenfrohen Bilder Séraphines besonders zur Geltung. Zur unaufdringlichen Inszenierung passt insbesondere auch, dass Uhdes Homosexualität lediglich angedeutet wird.

    Die Filmbiografie bietet einen aufschlussreichen Einblick in das künstlerischen Schaffen einer fast in Vergessenheit geratenen Malerin. Der Film lebt insbesondere von der Schauspielkunst Yolande Moreaus, die Séraphine als der Wirklichkeit entrückte, zwischen Genie und Wahnsinn changierende Frau darstellt. In diesem Beinahe-Zweipersonenstück bildet Ulrich Tukur einen ebenbürtigen schauspielerischen Kontrapunkt.

    Von José García