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    Vatikanstadt / Paris / Reims

    Tod Vincent Lamberts: Trauer und Aufrufe zum Schutz des Lebens

    „Jedes Leben ist wertvoll, immer“, so Papst Franziskus zum Tod des französischen Wachkoma-Patienten. Die Bischöfe sprechen von „tiefer Trauer“ und einem Drama, das eine Familie zerrissen habe. Und auch Kurienkardinal Sarah äußert sich.

    Paris: Teilnehmer einer Kundgebung gegen den Behandlungsstopp von Wachkomapatient Vincent Lambert sitzen vor der katholi... Foto: Julien Mattia (Le Pictorium Agency via ZUMA)

    Nach dem Tod des französischen Wachkoma-Patienten Vincent Lambert hat Papst Franziskus an den unbedingten Wert menschlichen Lebens erinnert. „Wir dürfen keine Zivilisation aufbauen, die Menschen beseitigt, deren Leben unserer Meinung nach nicht mehr lebenswert ist: Jedes Leben ist wertvoll, immer“, schrieb Franziskus auf Twitter. Gott der Vater möge Vincent Lambert in seinen Armen empfangen.

    Pflicht, das menschliche Leben vom Anfan bis zum Ende zu bewahren

    Zuvor hatte bereits Vatikan-Sprecher Alessandro Gisotti bestürzt auf den Tod des 42-Jährigen reagiert, und sprach von einem „schmerzhaften Fall“. Es sei Pflicht, das menschliche Leben immer vom Anfang bis zum natürlichen Ende zu bewahren und keiner „Wegwerfkultur“ zu erliegen. Im Vatikan bete man für den Verstorbenen und seine Familie, sowie für alle „die sich bis zum Schluss mit Liebe und Entschiedenheit um ihn kümmerten“, erklärte Gisotti.

    Der ehemalige Krankenpfleger Vincent Lambert war 2008 schwer mit dem Motorrad verunglückt und seitdem querschnittsgelähmt. In den vergangenen Jahren lieferten sich seine Frau und seine Eltern einen erbitterten Rechtsstreit, der bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ging. Während die Eltern stets für eine Weiterbehandlung gekämpft hatten, sprachen sich die Frau des im Alter von 42 Jahren Verstorbenen sowie einige seiner Schwestern und Brüder gegen jegliche lebenserhaltenden Maßnahmen aus. Vor gut einer Woche hatten die behandelnden Ärzte die künstliche Versorgung endgültig eingestellt. Ein Kassationsgericht hatte dies endgültig erlaubt.

    Generalsekretär der französischen Bischöfe erinnert an Größe menschlichen Lebens

    Auch die französischen Bischöfe äußerten sich zum Tod Lamberts. Der Generalsekretär der französischen Bischofskonferenz, Thierry Magnin, erklärte im Interview mit der Tageszeitung „La Croix“, er gedenke eines Menschen, der „schwer getroffen wurde von einem schrecklichen Unfall“. Gleichzeitig erinnerte Magnin an die Größe menschlichen Lebens, gleich unter welchen Bedingungen, „eine Größe, die über all die Argumente für oder gegen die Entscheidung der Ärzte und der Justiz hinausgeht, dem ein Ende zu bereiten“.

    Der Generalsekretär der französischen Bischöfe sprach auch von „tiefer Trauer“, da sich neben dem dramatischen Unfall auch das Drama des Zerreißens einer Familie abgespielt habe. „Ich denke an die Eltern Vincent Lamberts, die ihr Leben für ihren Sohn aufgeopfert und ihn bis zuletzt verteidigt haben. Ich denke auch an seine Ehefrau. Sie hat eine Entscheidung treffen müssen und wollte nur das Richtige tun.“

    Kardinal Sarah: Lambert ist Märtyrer und Opfer eines furchterregenden Wahnsinns

    Zudem äußerten sich mehrere Bischöfe nach Lamberts Tod auf Twitter: Der Bischof von Limoges, Pierre-Antoine Bozo, mahnte Zurückhaltung und Respekt an. „Wir müssen weiterhin unser Verhältnis zu Krankheit, Tod und Menschenwürde in Frage stellen.“ Man solle „nicht die verschiedenen Akteure dieser langen und schmerzhaften Angelegenheit beurteilen, nur Gott ist Richter“. Die Frage laute, was „ein lebenswertes Leben“ sei und wie mit Betroffenen umzugehen sei. Kurienkardinal Robert Sarah schrieb auf dem Kurzmittelungsdienst, Lambert sei „als Märtyrer und Opfer des furchterregenden Wahnsinns der Menschen unserer Zeit“ gestorben.

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    DT/mlu

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