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    Balderschwang

    Tagesposting: Mission Impossible

    Der Autor ist Pfarrer von Balderschwang (Oberallgäu) und Programmdirektor von "Radio Horeb".

    Der Autor ist Pfarrer von Balderschwang (Oberallgäu) und Programmdirektor des bundesweiten Senders „Radio Horeb“, der üb... Foto: Archiv

    Bei einem tragischen Unglück am 13. Juli wurden in Balderschwang zwei Kinder im Alter von zehn und 13 Jahren von einem Traktor überfahren. Der Fahrer, der das Unglück verursachte, war erst 13 Jahre alt. Seine Familie und ihn kenne ich gut, weil ich jedes Jahr bei der Segnung der Almen bei ihnen bin.

    Als die Sirene am Abend dieses Tages heulte und ein Hubschrauber landete, ahnte ich schon, dass etwas Schlimmes passiert war. Meine Haushälterin war 37 Jahre in der Krisenstation einer großen psychiatrischen Klinik tätig. Sie und ich waren rasch vor Ort und haben die ganze Wucht dieses Geschehens mitbekommen. Eine nähere Schilderung der Einzelheiten erspare ich Ihnen und mir … Ich betete mit den Eltern, gab die Absolution in der Sterbestunde und spendete die Krankensalbung, während meine Haushälterin mit großer Kompetenz und Einfühlsamkeit die Gespräche führte.

    Wie selten zuvor in meinem Leben war meine priesterliche Präsenz hier notwendig. Einfach da sein, still das Unfassbare mittragen und nur wenige Worte machen. Ich spürte trotz allem eine tiefe innere Ruhe und ein Getragensein. Über diese eigenartige Erfahrung habe ich anschließend viel nachgedacht; ich empfand sie als ein Geschenk des Heiligen Geistes. Erst später, als die Spannung nachließ, war mir übel …

    Gott hat sich Mose am brennenden Dornbusch (vgl. Ex 3, 14) als der „Ich bin, der ich bin“ geoffenbart. Dies ist eine Zusage seiner helfenden Nähe, seiner rettenden Gegenwart: Ich bin da, wenn du mich brauchst. Wir würden heute sagen, dass diese Aussage nicht nur informativ ist, sondern auch performativ: Sie bewirkt, was sie beinhaltet. Jahrhunderte später wird Israel noch beten: „Errette uns um deines Namens willen!“ (Ps 79, 9).

    Mose bekam den ihn überfordernden Auftrag, das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei herauszuführen. Er wusste genau, dass der Pharao dieses Vorhaben niemals genehmigen würde: mission impossible! Wieso sollte er Sklaven, die unentgeltlich für ihn arbeiteten, ziehen lassen?

    Mose konnte diese Anweisung nur dann umsetzen, wenn Gott mit ihm war und seine Zusage einlöste. Unsere Aufgabe als Christen und Priester ist genau das: da sein und den Herrn bitten, dass er durch uns wirkt und nicht allzu sehr durch unsere Begrenztheit, Schwachheit und Sünden behindert wird; zur Stelle sein, wenn wir gebraucht werden und nicht einfach weitergehen. Dadurch erfüllen wir das Gesetz Christi, indem einer des anderen Last trägt (vgl. Gal 6, 2).

    Jeden Tag bekomme ich viele Briefe und Emails, in denen mir mitgeteilt wird, dass Radio Horeb für viele Menschen ein wertvoller Lebensbegleiter ist: diskret und unaufdringlich; man kann auf ihn zurückgreifen, muss es aber nicht, doch wenn man ihn braucht, ist er da. Ich betrachte dies als ein Privileg, aber auch als eine große Verantwortung, denn auf einen Lebensbegleiter muss man sich verlassen können, gerade in schwierigen Zeiten.

     

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