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    Symposium für das Kindeswohl

    Eine mutige wissenschaftliche Initiative sucht Lösungen für den Krippen-Notstand Von Jürgen Liminski

    Kindeswohl
    Kinder spielen in einem Bällebad in einer Kindertagesstätte. Foto: Friso Gentsch (dpa)

    Im Bereich Familie, Erziehung, Krippen hört man in der Politik selten ehrliche, das heißt ideologiefreie Worte. Deshalb wolle die „Deutsche Gesellschaft für Kinder-und Jugendlichenpsychotherapie und Familientherapie e.V.“ (dgkjf) das „in seltener Eintracht totgeschwiegene Politikum“ der Fremdbetreuung „auf den Tisch bringen“. Das Politikum reiche „von der nachhaltigen Schädigung des Kindes in unqualifizierten Krippen bis zum derzeit unlösbaren Konflikt zwischen Selbstverwirklichung und Elternschaft“. Während Ministerin Giffey sich mit ihrem Gute-Kita-Gesetz feiern lasse, erlitten „unzählige Kinder Stressschäden, die die Entwicklung des Gehirns bremsen“. Und während „Politiker aller Parteien den Neubau tausender Kinderkrippen bejubeln, ist der Arbeitstag der viel zu wenigen Erzieherinnen so strapaziös, dass sie den Kindern gegenüber kein gutes Gewissen mehr haben können“. Die Wirtschaft locke Frauen mit Prämien nach vier bis sechs Monaten an den Arbeitsplatz zurück, weshalb „immer weniger Kinder eine sichere Bindung zu ihren Eltern erfahren“. Krippen hätten bis 22 oder gar 24 Uhr geöffnet, damit die Eltern sich stressfrei vom Arbeitstag erholen oder ins Konzert gehen könnten, derweil die Kinder „bei wechselndem Personal aufbewahrt werden, die das Kind noch nie gesehen haben“.

    Die Wissenschaft habe, so sagt der Geschäftsführer des dgkjf, Professor Serge Sulz, „zahlreiche Maximen des Umgangs mit Kinder in den ersten drei Lebensjahren“ erarbeitet, „angefangen von der Säuglingsforschung über die Bindungsforschung und die Stressforschung bis zur wissenschaftlichen Entwicklungspsychologie“. Diese Maximen würden „einfach beiseite geschoben“. Denn sie „stören das allgemeine gesellschaftliche Bestreben um eine Lebensoptimierung jenseits von Familie und Kindern“. Das gehe sogar so weit, „dass Muttersein und Vatersein zur Identitätskrise führen“. Damit will sich die dgkjf „nicht abfinden, sondern nach Lösungen suchen“. Einige werden bei dem Symposium des dgkjf am 12. Juli in München (info@dgkjf.de) vorgestellt, andere sollen in der Diskussion mit dem Publikum gefunden werden. Die Initiative ist bemerkenswert. Sie ist unabhängig von Konfessionen und Parteien, von Ideologien und politischer Korrektheit. Es wird wohl nicht lange dauern, bis die Jakobiner des Mainstreams sie entdecken und ihre publizistischen Guillotinen errichten. Aber ohne Mut, auch und gerade in der Wissenschaft, wird es keine gedeihliche Zukunft für die Kinder in diesem Land geben.

    Von Jürgen Liminski

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