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    Sündenbock Kirche

    Nicht erst die völlig unsachlichen Interviewäußerungen der deutschen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) haben in diesen Tagen gezeigt, dass im Zuge der Aufdeckung an Kindern und Jugendlichen begangenen Missbrauchsverbrechen ein von den Medien genüsslich verstärktes Kesseltreiben gegen die katholische Kirche eingesetzt hat. Es findet innerhalb wie außerhalb der Kirche statt. Katholische Gruppierungen wie Einzelpersonen reden von einer verklemmten Sexualmoral der Kirche (Zölibat, kein Sex vor der Ehe, Ablehnung homosexueller Praktiken), die sich dann in Vergehen an Minderjährigen entlade. Von außen wird der Vorwurf der Scheinheiligkeit an die Kirche herangetragen und der Eindruck erweckt, nur sie allein sei ein Hort an Kindesmissbrauch.

    Nicht erst die völlig unsachlichen Interviewäußerungen der deutschen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) haben in diesen Tagen gezeigt, dass im Zuge der Aufdeckung an Kindern und Jugendlichen begangenen Missbrauchsverbrechen ein von den Medien genüsslich verstärktes Kesseltreiben gegen die katholische Kirche eingesetzt hat. Es findet innerhalb wie außerhalb der Kirche statt. Katholische Gruppierungen wie Einzelpersonen reden von einer verklemmten Sexualmoral der Kirche (Zölibat, kein Sex vor der Ehe, Ablehnung homosexueller Praktiken), die sich dann in Vergehen an Minderjährigen entlade. Von außen wird der Vorwurf der Scheinheiligkeit an die Kirche herangetragen und der Eindruck erweckt, nur sie allein sei ein Hort an Kindesmissbrauch.

    Richtig ist stattdessen zweierlei: Die Kirche spricht in dieser Sache eine ganz klare Sprache. Papst und Bischöfe wiederholen immer wieder, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen nicht nur ein abscheuliches Verbrechen, sondern auch eine schwere Sünde sei, die Gott beleidige und die Würde der nach seinem Abbild geschaffenen Menschen verletze. Das möchte man mal von den Politikern hören, die vor Jahren noch von der Entkriminalisierung der Pädophilie faselten oder über ihre sexuellen Erfahrungen in Kindergärten schrieben. Und zum anderen geht die Kirche nach einer Zeit der Laxheit und Vertuschungen in der Vergangenheit heute sehr wohl energisch gegen den Kindesmissbrauch in ihren Reihen vor. Bis hin zum Papst hat sie diese Verbrechen zum Thema gemacht. Kann man das auch für alle Sportverbände oder öffentliche Schulen sagen?

    Denn richtig ist auch Folgendes: Kindesmissbrauch ist ein gesellschaftliches Problem. Seit 1995 hat es in Deutschland etwa 210 000 polizeilich erfasste Fälle von Kindesmissbrauch gegeben. Im Vergleich dazu ist die vom Nachrichtenmagazin „Spiegel“ ermittelte Zahl von 94 Verdächtigen innerhalb der katholischen Kirche verschwindend gering. Dennoch wird so getan, als habe nur sie in ihren Reihen ein Missbrauchsproblem. Wieder einmal muss die katholische Kirche als Sündenbock herhalten: diesmal für die Verfehlungen einer Gesellschaft an den unschuldigen Kindern, seien sie sexueller Art oder die Folge von Scheidungen, zerstörten Ehen und Patchworkfamilien.

    Wieder einmal. Denn der Mechanismus ist bekannt. Ein ganzes Volk hat über die Reichskristallnacht geschwiegen und weitgehend die Klappe gehalten, als es den Juden an den Kragen ging. Als Sündenbock musste dann ausgerechnet Papst Pius XII. herhalten, der zur Judenverfolgung nicht geschwiegen, dafür aber unglaublich viel getan hat, um die Verfolgten zu retten.

    Und denen, die in der Kirche und ihren Orden über eine veraltete Sexualmoral klagen, ist ebenfalls entschieden zu widersprechen. Es waren doch gerade die Vertreter der nachkonziliaren autonomen Moral, die die Worte „Keuschheit“ und „Reinheit“ nicht mehr über die Lippen bekamen. Von ihnen hat man nicht mehr gehört, dass es in sich schlechte Taten gibt, die immer und in jedem Fall zu unterlassen sind. Die regelmäßige Beichte und ein intensives Gebetsleben waren früher die Mittel, um in den Tugenden der Keuschheit und Reinheit zu wachsen und sich nicht – mit oder ohne Kinder – dagegen zu versündigen. Diejenigen, die das alles für vormodern und überholt erklärt haben, jammern jetzt – und suchen sich wieder die Päpste und das kirchliche Lehramt mit ihrer glasklaren Morallehre als Sündenbock. Ein leicht durchschaubares Spiel.

    Von Guido Horst