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    Schwierige Aufbauarbeit

    Im Jahr 1961 kam Karl Kuppelwieser das erste Mal nach Südafrika – und das Land am Kap der Guten Hoffnung ist auch heute noch seine Wirkungsstätte. Schon in frühen Jugendjahren hatte Kuppelwieser in seiner Heimat Südtirol davon geträumt, einmal Missionar zu werden. Kirchen, Schulen, Waisen- und Kinderheime hat er in den vergangenen Jahrzehnten als Comboni-Missionar bauen lassen, so manches Anliegen kompromisslos und wenig diplomatisch durchgefochten. So auch sein bislang letztes Projekt: ein Altersheim in Phumula. In der Nähe der Provinzhauptstadt Bronkhorstspruit in der Provinz Gauteng, etwa 100 Kilometer von Johannesburg entfernt, liegt mitten in verödetem Grasland eine grüne Oase: ein Pflegeheim mit Gästehäusern, umgeben von Gärten mit Bäumen und Rosensträuchern. Mit Unterstützung zahlreicher Spenderinnen und Spender aus dem Ausland konnte das Pflegeheim für betagte, mittellose Menschen errichtet werden. Hier leben pflegebedürftige Personen, darunter auch Weiße. Phumula ist aber nicht nur ein Altersheim, sondern auch ein Ausbildungszentrum für Agrarwirtschaft für schwarze Jugendliche.

    Ein vertrocknetes Feld in afrikanischen Malawi. Foto: dpa

    Im Jahr 1961 kam Karl Kuppelwieser das erste Mal nach Südafrika – und das Land am Kap der Guten Hoffnung ist auch heute noch seine Wirkungsstätte. Schon in frühen Jugendjahren hatte Kuppelwieser in seiner Heimat Südtirol davon geträumt, einmal Missionar zu werden. Kirchen, Schulen, Waisen- und Kinderheime hat er in den vergangenen Jahrzehnten als Comboni-Missionar bauen lassen, so manches Anliegen kompromisslos und wenig diplomatisch durchgefochten. So auch sein bislang letztes Projekt: ein Altersheim in Phumula. In der Nähe der Provinzhauptstadt Bronkhorstspruit in der Provinz Gauteng, etwa 100 Kilometer von Johannesburg entfernt, liegt mitten in verödetem Grasland eine grüne Oase: ein Pflegeheim mit Gästehäusern, umgeben von Gärten mit Bäumen und Rosensträuchern. Mit Unterstützung zahlreicher Spenderinnen und Spender aus dem Ausland konnte das Pflegeheim für betagte, mittellose Menschen errichtet werden. Hier leben pflegebedürftige Personen, darunter auch Weiße. Phumula ist aber nicht nur ein Altersheim, sondern auch ein Ausbildungszentrum für Agrarwirtschaft für schwarze Jugendliche.

    Rolf Ackermann, den der Wiener Dom-Verlag im Klappentext des Buches „Brennpunkt Südafrika – Karl Kuppelwieser: Mission zwischen Macht, Realität und Magie“ als „versierten Afrika-Kenner“ vorstellt, fängt hier die Lebensgeschichte des aus Südtirol stammenden einstigen Bergbauernbubs ein, der als Comboni-Missionar nach Südafrika ging. Die Kongregation der Comboni-Missionare (MCCI) wurde 1867 von Daniele Comboni gegründet (1831–1881), der von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde. Die Mitglieder der Kongregation sind in den verschiedensten Bereichen der Mission tätig.

    Gegensätze prägen das Leben von Karl Kuppelwieser. Der Gegensatz zwischen Mission und afrikanischer Realität, zwischen Apartheid und Transformation, zwischen Gottesfrömmigkeit und Ahnenkult, zwischen Reichtum und Armut. Kuppelwieser kennt das Land seit einem halben Jahrhundert, er hat die politische Veränderung vom Apartheidsystem zur – wie er sagt – „sogenannten Demokratie“ miterlebt. Südafrika ist ein reiches Land, aber neben den mondänen Großstädten Johannesburg, Pretoria und Kapstadt gibt es auch den Alltag der „kleinen“ Leute. Er besteht aus Armut, Kriminalität, Aids-Epidemien, Korruption und einer Arbeitslosigkeit von teilweise 60 Prozent. Während der Apartheid, Bezeichnung für die Politik der Rassentrennung in der Republik Südafrika bis 1991 (formell abgeschafft mit der Übergangsverfassung von 1994), leistete er unter schwierigsten Bedingungen Aufbauarbeit, wurde in Ausübung seiner Tätigkeit mehrfach überfallen, bis zur Bewusstlosigkeit malträtiert und musste im Laufe der Zeit sogar den Tod befreundeter Glaubensbrüder beklagen. Die schwarze Bevölkerungsmehrheit von der politischen und wirtschaftlichen Macht auszuschließen, sie auf Dauer zu Bürgern zweiter Klasse zu machen, wurde mit allen erdenklichen Mitteln der Gewalt durchzusetzen versucht.

    Das Buch ist eine Art Biographie in Interview-Form, in der Kuppelwieser sehr offen über seine jugendliche Vision, Missionar zur werden, über die Jahre der Priester- und Missionarsausbildung und die vorkonziliare Kirche, und über den Schock, als er zum ersten Mal nach Afrika kam und alles ganz anders war, als er es erwartet hatte, redet. So musste er frühzeitig die alten Vorstellungen von Mission („Heiden zum Christentum zu bekehren und seelenlose Afrikaner durch die Taufe vor der Hölle zu erretten“) über Bord werfen, kam auch in Konflikt mit der sogenannten Amtskirche: „Heute weiß ich, dass Afrika anders ist, dass ich als Priester nicht bekehren kann, sondern nur entwickeln, bilden, aufklären und helfen. Der Glaube an Gott, der erwächst schon alleine.“ (Seite 118). Karl Kuppelwieser ist jetzt Priester der Diözese Pretoria und Pfarrer in Bronkhostspruit.

    So lesenswert dieses Buch auch ist, widersprechen muss man dem Autor Ralf Ackermann mit seiner Behauptung, die Kirche sei mit dem Apartheid-Regime verflochten gewesen. (Seite 15). Das trifft auf die neo-calvinistische Nederduitse Gereformeerde Kerk (NGK) zu, nicht aber auf die katholische Kirche. Im Widerstand gegen die Apartheid arbeitete die Südafrikanische Katholische Bischofskonferenz eng mit der ökumenischen Gemeinschaft der Kirchen zusammen und ist seit 1995 nicht mehr nur beobachtendes, sondern Vollmitglied im SACC, dem Südafrikanischen Kirchenrat. Die katholische Kirche war die erste Kirche, die Schulen und Kindergärten für Menschen aller Hautfarben öffnete. Der Erzbischof von Durban, Denis Hurley, war einer der Führer im Kampf gegen das Apartheid-Regime, er war die kritische Stimme der katholischen Kirche. Geboren am 9. November 1915 in Kapstadt, starb Hurley im Alter von 88 Jahren am 13. Februar 2004 in Durban.

    Rolf Ackermann: Brennpunkt Südafrika – Karl Kuppelwieser: Mission zwischen Macht, Realität und Magie. Wiener Dom-Verlag, 139 Seiten mit zahlreichen Fotos. ISBN: 978-3-85351-207-4,

    EUR 19,90