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    Nicht falsch, aber zu einfach

    Die Wiege der modernen westlichen Demokratien steht in Griechenland, das ist allgemein bekannt. Aber als die Republiken der Neuzeit sich konstituierten, diente ein anderes antikes Staatswesen viel stärker als direktes Modell, da es sich historisch als erfolgreicher erwiesen hatte als die kleinen, untereinander zerstrittenen griechischen Stadtstaaten: die römische Republik (circa 510 bis 31 v. Chr.), die sich bis zu ihrem Untergang den gesamten Mittelmeerraum untertan gemacht hatte. Daher gibt es etwa in Washington auch heute noch einen „Senat“ und ein „Kapitol“ nach antikem Vorbild. Die Gründungsväter der amerikanischen Republik hatten in der Regel auch soziologisch mit den Senatoren, dem politischen Führungspersonal der alten römischen Republik, viel gemeinsam (wohlhabende Gutsbesitzer hier wie dort), so dass eine solche Orientierung sich geradezu anbot.

    Cicero – einer der großen Gestalten des alten Roms. Foto: IN

    Die Wiege der modernen westlichen Demokratien steht in Griechenland, das ist allgemein bekannt. Aber als die Republiken der Neuzeit sich konstituierten, diente ein anderes antikes Staatswesen viel stärker als direktes Modell, da es sich historisch als erfolgreicher erwiesen hatte als die kleinen, untereinander zerstrittenen griechischen Stadtstaaten: die römische Republik (circa 510 bis 31 v. Chr.), die sich bis zu ihrem Untergang den gesamten Mittelmeerraum untertan gemacht hatte. Daher gibt es etwa in Washington auch heute noch einen „Senat“ und ein „Kapitol“ nach antikem Vorbild. Die Gründungsväter der amerikanischen Republik hatten in der Regel auch soziologisch mit den Senatoren, dem politischen Führungspersonal der alten römischen Republik, viel gemeinsam (wohlhabende Gutsbesitzer hier wie dort), so dass eine solche Orientierung sich geradezu anbot.

    Eine Einführung in die Geschichte und die Kultur dieser vorbildhaft gewordenen antiken Republik möchte der Band „Rom. Aufstieg einer antiken Weltmacht“ geben. Der Titel des Buches ist unklug gewählt, da er nicht klar erkennen lässt, dass die römische Geschichte hier nur bis Augustus behandelt wird, die Kaiserzeit also unberücksichtigt bleibt. Das Buch besteht aus 32 Einzelbeiträgen, die im Umfang zwischen zwei und zehn Seiten schwanken. Die meisten wurden von Redakteuren des „Spiegel“ verfasst, einer von dem Münchener Latinisten Wilfried Stroh, bei einem anderen handelt es sich um ein Interview mit dem Althistoriker Wolfgang Blösel. Herausgeber sind die beiden Spiegel-Redakteure Dietmar Pieper und Johannes Saltzwedel. Das Spektrum der 32 Beiträge ist breit und umfasst wichtige Szenen der römischen Geschichte ebenso wie allgemeine kulturelle Phänomene der römischen Zivilisation. Dabei kommen alle relevanten Aspekte mehr oder weniger zur Sprache, die Anordnung der Themen erscheint jedoch an manchen Stellen recht willkürlich und führt zu brutalen Sprüngen. Von Cicero geht es direkt zur römischen Kochkunst, von dort plötzlich wieder zur Literatur (Vergil). Die einzelnen Kurzessays sind lebendig geschrieben und orientieren sich an den gängigen modernen Forschungsmeinungen. Wirklich falsch ist nichts, oberflächlich das meiste, vieles stark vereinfacht. Das fällt besonders dort auf, wo es um Urteile über historische Persönlichkeiten geht. Am besten sind daher die Beiträge gelungen, die sich mit Sachfragen beschäftigen, die wenig Interpretationsspielraum lassen: so etwa der Beitrag zum Beton, der daran erinnert, dass diese „moderne“ Bauweise schon im alten Rom (unter anderem auch im berühmten Pantheon) praktiziert wurde. Einige der Beiträge sind deutlich zu kurz geraten und gehen über einen mittellangen Lexikonartikel nicht hinaus (so etwa der Beitrag über die Hafenstadt Ostia, mit dem verglichen Wikipedia wesentlich inhaltsreicher ist).

    Einige der Autoren gehen ihr Thema mit einem aufklärerischen Gestus an, der in diesem Buch jedoch öfters ins Leere greift. Die Verbindung von Sachinformation und Darstellung der wissenschaftlichen Forschungsmeinungen mit einer politisch links-liberal orientierten Ideologiekritik am Selbstbild der Römer misslingt in diesen Fällen deutlich.

    Ergeben die vielen verschiedenen Beiträge ein stimmiges Gesamtbild? Das ist leider nicht der Fall: ein Synthesekapitel hätte dem Buch gut getan. Die Buchhinweise auf weiterführende Literatur am Ende sind arg kurz geraten. Aber jeder der dort aufgeführten Titel ist mehr zu empfehlen als der vorliegende Band. Denn für diesen gilt insgesamt betrachtet: zwar kein wirklich schlechtes Buch – schließlich sind die mitgeteilten Informationen korrekt und werden meist in ansprechender Weise mitgeteilt –, aber auch kein besonders gutes. Es gibt wesentlich bessere populärwissenschaftliche Einführungen in die Geschichte Roms oder auch nur der römischen Republik, neueren und älteren Datums.

    In anderer Hinsicht problematisch ist es, dass die in diesem Band enthaltenen Beiträge bereits kompakt gesammelt an anderer Stelle erschienen sind und es sich bei dem vorliegenden Buch nur um eine Zweitverwertung handelt. Das macht das ganze Projekt fragwürdig. Denn weshalb sich der potenzielle Käufer die gesammelten Texte eines für 7,80 Euro noch immer im Handel erhältlichen„Spiegel Geschichte“-Heftes (5/2015, mit vermutlich deutlich mehr und dazu noch farbigen Illustrationen) in Buchform für 19,99 Euro anschaffen soll, bleibt ein Geheimnis des Verlags und der Herausgeber. Bei dem „Spiegel Geschichte“-Heft hatte die Kosten-Nutzen-Relation noch gestimmt, bei der Buchversion ist das im Ganzen betrachtet fraglich.

    Dietmar Pieper/Johannes Saltzwedel (Hg.): Rom. Aufstieg einer antiken Weltmacht. Deutsche Verlagsanstalt, München 2016, 256 Seiten, ISBN 978-3-

    421-04736-6, EUR 19,99