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    Mit Chorälen nach dem Paradies streben

    Pater Karl beschäftigt sich neuerdings mit Madonna und Amy Winehouse. Der Pater aus dem österreichischen Kloster Heiligenkreuz hat Nachholbedarf in Sachen Popmusik, seit seine Mitbrüder mit ihren gregorianischen Gesängen die Pop-Charts erobert haben. Madonna und Winehouse ließen sie in den englischen Charts locker hinter sich. Platz sieben hat das Album „Chant – Music For Paradise“ kürzlich erklommen. Pater Karl hat gelernt: „Madonna ist hübsch, für eine Popsängerin aber schon alt.“

    Pater Karl beschäftigt sich neuerdings mit Madonna und Amy Winehouse. Der Pater aus dem österreichischen Kloster Heiligenkreuz hat Nachholbedarf in Sachen Popmusik, seit seine Mitbrüder mit ihren gregorianischen Gesängen die Pop-Charts erobert haben. Madonna und Winehouse ließen sie in den englischen Charts locker hinter sich. Platz sieben hat das Album „Chant – Music For Paradise“ kürzlich erklommen. Pater Karl hat gelernt: „Madonna ist hübsch, für eine Popsängerin aber schon alt.“

    Über Amy Winehouse mochte sich der Mönch eher im Vergleich äußern. „Der gregorianische Gesang ist ein Medikament, Winehouse eine Droge.“ Die Sängerin mache ja auch eher durch Einlieferungen in Kliniken von sich reden. Eigentlich redet Pater Karl lieber über seine Gebetsmusik. „Das ist die älteste Form der christlichen, gesungenen Meditation. Es ist das Streben nach dem Paradies.“

    „Machen sie das öfter?“, wurde der Mönche einmal gefragt. Die Antwort überraschte den Fragenden. „Wir machen das täglich, ab 5.15 Uhr morgens“. „Beten und Arbeiten“, heißt der Tagesablauf der Mönche. Weil sie ihre Choräle weiter in die Welt tragen wollten, haben die Mönche ein Video gemacht und in die Internetplattform YouTube eingestellt, mit Zugriffszahlen im sechsstelligen Bereich.

    Im vergangenen Jahr wollten sie bereits eine neue CD aufnehmen, weil so viele schöne junge und harmonische Stimmen im Kloster hinzugekommen waren. Da kam aber Papst Benedikt XVI. und das Projekt wurde verschoben. Dann passierte alles Schlag auf Schlag. Ein Freund hatte auf einen Wettbewerb des großen Musikproduzenten Universal hingewiesen. Der Sieger sollte eine CD-Aufnahme bekommen. Pater Karl schickte einen Link zum YouTube-Video. Dabei sei es ihm eher peinlich gewesen, sich mit Chorälen zu bewerben. Universal war jedoch begeistert und ernannte die Zisterzienser aus dem Wienerwald zum Sieger. „Ich wollte eigentlich nur die 7 000 Euro für die Aufnahme der CD sparen“, sagt Pater Karl. „Dass wir jetzt auch noch Geld bekommen, ist umso schöner.“ Universal rückte im Stift an, nahm die Choräle auf und brachte sie auf den Markt. Nach wenigen Wochen waren 200 000 CDs verkauft. Pro Platte bekommen die Mönche 55 Cent. Das Geld fließt in die Hochschule, der größten ihrer Art im deutschsprachigen Raum mit 180 Studenten, darunter 120 Priesteranwärtern. „Der Medienhype war gigantisch“, meint Pater Karl. Vor allem nach England musste er zu Interviews reisen, weil es dort die CD in die Top Ten schaffte. „Das hatten bis dahin nur zwei Österreicher geschafft, DJ Ötzi und Falco.“

    Von Wolfgang Dahlmann