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    Mein Tagesposting: Zwischen den Jahren

    Ist es nur mein Eindruck, oder waren die Kirchen zu Weihnachten besonders voll? Dass der Heilige Abend und der erste Weihnachtsfeiertag zu den Festen gehören, an denen auch Leute zur Kirche gehen, denen das sonst nie in den Sinn käme, ist kein Geheimnis. Wenn aber heuer vielerorts berichtet wurde, dass schon Stunden vor Beginn der Messen kein Stehplatz mehr zu bekommen war, war das doch ungewöhnlich. Und wenn sogar am zweiten Weihnachtstag, den mancher Pfarrer sonst gern verschmitzt mit dem Spruch „So, nun sind wir ja wieder unter uns“ beginnt, die Kirche derart rappelvoll ist, dass höchstens noch auf den steinernen Stufen vor der Krippe ein eisiges Plätzchen zu finden ist, ist das neu. Neu, erfreulich und schön. Und zwar auch und gerade dann, wenn es der bösartige Terroranschlag kurz vor Weihnachten in Berlin gewesen sein sollte, der viel mehr Menschen als sonst in die Kirchen drängen ließ.

    Tagesposting: Schutzraum für die Kinder Gottes
    Monika Metternich ist eine katholische Publizistin und Autorin. Foto: Archiv

    Ist es nur mein Eindruck, oder waren die Kirchen zu Weihnachten besonders voll? Dass der Heilige Abend und der erste Weihnachtsfeiertag zu den Festen gehören, an denen auch Leute zur Kirche gehen, denen das sonst nie in den Sinn käme, ist kein Geheimnis. Wenn aber heuer vielerorts berichtet wurde, dass schon Stunden vor Beginn der Messen kein Stehplatz mehr zu bekommen war, war das doch ungewöhnlich. Und wenn sogar am zweiten Weihnachtstag, den mancher Pfarrer sonst gern verschmitzt mit dem Spruch „So, nun sind wir ja wieder unter uns“ beginnt, die Kirche derart rappelvoll ist, dass höchstens noch auf den steinernen Stufen vor der Krippe ein eisiges Plätzchen zu finden ist, ist das neu. Neu, erfreulich und schön. Und zwar auch und gerade dann, wenn es der bösartige Terroranschlag kurz vor Weihnachten in Berlin gewesen sein sollte, der viel mehr Menschen als sonst in die Kirchen drängen ließ.

    So bekamen auch bedeutend mehr Christen als in den vergangenen Jahren diesen abrupten Stimmungswechsel mit, von besinnlichen Hirten- und Krippenszenen zur grausigen Steinigung von Diakon Stephanus. Für viele eine völlig neue Note von Weihnachten: Dass dem Bekenntnis zum Kind in der Krippe nicht unbedingt Frieden und Freude folgen, sondern oft genug Schwierigkeiten und Bewährungsproben, zuweilen sogar Verfolgung und Tod. Und plötzlich stehen die wegen ihres Glaubens verfolgten und ermordeten Christen in Syrien, dem Irak, Nigeria, Eritrea, Nordkorea und an all den vielen anderen Orten der Christenverfolgung zwischen den Jahren 2016 und 2017 an der Seite des heiligen Stephanus, dessen die Kirche am 26. Dezember gedenkt, des von Kaiser Diokletian verfolgten und verbannten Apostels Johannes am 27. Dezember, des nur zehnjährigen Märtyrers Julius von Rom am 28. Dezember, des für seine Überzeugung ermordeten Thomas Becket am 29. Dezember und jenes heiligen Sabinus am 30. Dezember, von dem man nicht einmal genau weiß, ob er nun Bischof von Assisi, von Faenza oder von Spoleto war: Sicher ist, dass auch er für seinen Glauben ermordet wurde. Den Märtyrern und den Christen aller Zeiten galt die Botschaft der Weihnacht ebenso, wie sie den betroffenen, geschockten und verunsicherten Menschen nach dem Terroranschlag in Berlin entgegenruft: „Fürchtet euch nicht!“

    Dass der christliche Glauben nicht nur theoretisch zu trösten vermag, sondern wunderbarerweise auch sehr handfest und unerwartet, bezeugt dann am letzten Tag des Jahres der heilige Silvester: Dieser wurde kurz vor der letzten grausamen Christenverfolgung der Antike zum Priester geweiht, bekannte sich in der Verfolgung standhaft zum Glauben, wurde am Vorabend der „konstantinischen Wende“ zum Papst gewählt und erlebte hautnah, wie das Christentum aus Angst, Terror, brutaler Verfolgung und Tod zur Weltreligion aufstieg, wie der erste Petersdom gebaut wurde und unser Glaubensbekenntnis entstand. Und so sind es nicht nur fromme Worte, die wir Heutigen, gemeinsam mit den Gläubigen, Heiligen und Märtyrern aller Zeiten, zum Jahresschluss singen: „Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen.“