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    Mein Tagesposting: Was die Welt wirklich spaltet

    Paris, Berlin, Manchester, London – die Serie islamistischer Attentate reißt nicht ab. Grund genug, eine Talkshowrunde zum Thema „Spaltet Religion die Welt?“ einzuberufen, diesmal bei Sandra Maischberger. Die Runde war besetzt mit drei Christen – der früheren evangelischen Bischöfin Margot Käßmann, dem katholischen Publizisten Martin Lohmann und dem ehemaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geissler, mit zwei Atheisten – der Psychologin Angelika Kallweiss und Philipp Möller von der Giordano-Bruno-Stiftung, sowie als einziger Vertreterin des muslimischen Glaubens mit der Journalistin Marjam Hübsch.

    Tagesposting: Schutzraum für die Kinder Gottes
    Monika Metternich ist eine katholische Publizistin und Autorin. Foto: Archiv

    Paris, Berlin, Manchester, London – die Serie islamistischer Attentate reißt nicht ab. Grund genug, eine Talkshowrunde zum Thema „Spaltet Religion die Welt?“ einzuberufen, diesmal bei Sandra Maischberger. Die Runde war besetzt mit drei Christen – der früheren evangelischen Bischöfin Margot Käßmann, dem katholischen Publizisten Martin Lohmann und dem ehemaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geissler, mit zwei Atheisten – der Psychologin Angelika Kallweiss und Philipp Möller von der Giordano-Bruno-Stiftung, sowie als einziger Vertreterin des muslimischen Glaubens mit der Journalistin Marjam Hübsch.

    Die Frage der Sendung wurde erwartungsgemäß nicht beantwortet. Zum nahezu einzigen zentralen Punkt der religiösen „Spaltung der Welt“ wurde aber interessanterweise das Thema Abtreibung. So verblüffend das angesichts islamistischen Terrors war, so spannend und letztlich aufschlussreich machte diese unerwartete Wendung die Sendung. Denn hier trat eine so wohl nicht intendierte Spaltung zutage, die sich vor allem in himmelschreienden Widersprüchen äußerte. Als einziger Teilnehmer vertrat Martin Lohmann ein klares Bekenntnis zum Schutz eines jeden menschlichen Lebens, von der Zeugung bis zur Bahre. Seine Begründung hätte klarer nicht sein können: Er verwies auf das Tötungsverbot in den Zehn Geboten. Dass der Atheist Philipp Möller empört auf ein angeblich ebenso im Dekalog enthaltenes Gebot „Du sollst die Hexen nicht am Leben lassen“ bestand und sich auch nicht vom Gegenteil überzeugen lassen wollte, konnte zumindest noch als vorurteilszerfressenes Bildungsloch durchgehen. Interessanter war Angelika Kallweiss' Bezeichnung des menschlichen Embryos als „intra-uterines Geschöpf“, was ihrem „Mein Bauch gehört mir“-Argument sinnfällig widersprach, obwohl sie es nicht einmal merkte. Dass es auch widersprüchlich ist, die religiös begründete Beschneidung von Kindern als himmelschreiendes Unrecht anzuprangern, sich gleichzeitig aber für ein Recht auf die Tötung (!) von ungeborenen Kindern stark zu machen, fiel weder den beiden Atheisten noch Heiner Geissler auf. Dass Letzerer ein flammendes Plädoyer für das christliche Menschenbild abgab, nachdem er sich gerade noch empört hatte, die Kirche nehme „Gott in Anspruch“ für das Abtreibungsverbot, enthüllte nur eine von weiteren inneren Spaltungen, die nach seinen Worten letztlich aus der unlösbaren Frage resultieren, wie ein guter und gerechter Gott Plattentektonik und Schlupfwespen zulassen könne.

    Was aber tut dem Menschen eigentlich gut am Glauben, fragte Frau Maischberger sichtlich neugierig, und ermöglichte so einige der schönsten Antworten des Abends: Der Glaube mache ihn frei, sagte Martin Lohmann, und man glaubte es ihm aufs Wort. Das freimütige Bekenntnis der Muslimin Mariam Hübsch hätte er sicher auch unterschreiben können: Man könne Gott, so sagte sie, persönlich erfahren, seine Hilfe, seinen Beistand, sein Dabeisein. Und dann: „Der Leidende, aus religiöser Perspektive, erfährt Erlösung im Jenseits. Aus nichtreligiöser Perspektive leidet er umsonst.“ Die Reaktion der Atheistin Kallweiss, die Religion sei eben letztlich Antwort auf die menschlichen Ängste, zumal vor dem Tod, blieb da seltsam blass. Denn was die Welt spaltet, ist Hass. Dieser äußert sich in der expliziten Negierung der Würde eines jeden Menschen.