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    Medienmenschen: Über die Stille nachdenken

    Pressefreiheit sehe ich in unseren Breiten nicht bedroht, bisweilen ideologisch eingebremst. Von Josef Bordat

    Herr Pfarrer Schätzle, worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

    In der Flut an Themen und Ereignissen, Schlagworten und Leuchtreklamen, in die unsere Welt getaucht ist, einen guten und ehrlichen Boden gewinnen. Bisweilen wird man mehr gehört, wenn man schweigt, als wenn man redet. Wie kann diese Zurückhaltung spürbar gemacht werden? Zweite Herausforderung: eine redliche Recherche in schnelllebiger, gehetzter Zeit.

    Sehen Sie die Pressefreiheit bedroht? Wenn ja, durch wen?

    Pressefreiheit sehe ich in unseren Breiten nicht bedroht, bisweilen ideologisch eingebremst. Weltweit aber gibt es viele Länder, in denen es sie noch nicht oder nicht mehr gibt. Zu allen Zeiten braucht es Mut. Maximilian Kolbe kommt mir hier – auch als Patron der Journalisten – in den Sinn.

    Worüber berichten die Medien zu wenig?

    Über gewöhnliche Menschen, die Außergewöhnliches tun. Über die vielen hoffnungsstarken Aufbrüche in der Kirche. Zum Beispiel feiert Jean Vanier, der Begründer der Arche, in diesen Tagen seinen 90. Geburtstag.

    Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Kirche und Medien verbessern?

    Journalisten sind ein Teil der Öffentlichkeit; Kirche muss durch ihre Taten überzeugen. Berührungsängste überwinden und Freundschaften bauen. It?s all about friendship.

    Streaming statt Fernsehen, Online statt Print: Welche Rolle werden „klassische“ Medien wie TV, Radio oder Zeitungen in Zukunft spielen?

    (Gute) Zeitungen lesen entschleunigt. Printmedien werden vielleicht mehr personalisiert werden im Sinne von „Porträts und Lebenszeugnissen“, oder auch spezialisierter in „Special interests“-Magazinen. Gratis U-Bahn-Zeitungen werden auch heute massenweise gelesen. Radio behält allein schon durch das Auto hohe Bedeutung.

    Welche Rolle spielt der weltanschauliche Hintergrund für die journalistische Arbeit?

    Die Weltanschauung spielt sicher eine Hauptrolle, sowohl für den Autor als auch für den Rezipienten. Sie lässt sich nicht ausblenden. Sie bringt in gewisser Weise Farbe ins Bild. Zugleich kann mich die Sichtweise des Anderen bereichern.

    Der Papst richtet jedes Jahr zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel eine Botschaft an die Welt. Wenn Sie Papst wären, womit würden Sie sich in dieser Botschaft befassen?

    Für einen Radiomenschen mutet es vielleicht paradox an; ich würde über den Wert der Stille nachdenken. Stille, in der tieferes Erfassen möglich ist, Stille, die das Wort gebiert und die ein Zeichen der Demut gegenüber den Dingen und Menschen ist.

    Andreas Schätzle ist Programmdirektor von Radio Maria Österreich, das in diesen Tagen seinen 20. Geburtstag feiert.

    Bearbeitet von Dr. Josef Bordat

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