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    Medien -ABC: A wie Agentur

    A wie Agentur - Mutter der Lückenpresse. Von Josef Bordat

    Technik  von morgen: Weiterhin nützlich: Videokonferenzen
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    Nachrichtenagenturen gibt es viele. Ihre Aufgabe ist es, das Geschehen in der Welt in kurze, informative Texte zu fassen, um damit den Journalisten die Arbeit zu erleichtern. Darin wiederum besteht das große Problem: Agenturen treffen die Vorauswahl dessen, was berichtenswert ist – und haben damit eine große Verantwortung. Was wird erwähnt, was nicht? Was ist überhaupt berichtenswert, was nicht? Die Entscheidung darüber trifft die Agentur. Der Vorwurf der „Lückenpresse“ schlägt bis hierhin durch, gerade im Zusammenhang mit kontrovers diskutierten Themen.

    Im Zusammenhang mit der Finanzkrise wurde der Deutschen Presse Agentur (dpa) „Desorientierung“ vorgeworfen (Studie der Otto Brenner Stiftung, 2010). Im Kontext der Meldung über ein Gutachten von Wirtschaftsexperten der „Euro Task Force“ fragte Michalis Pantelouris in einem Beitrag auf seinem Blog („Lehnt dpa die Realität eigentlich ab, oder hält sie sie nur für nicht notwendig?“, 2012), warum die dpa „interpretiert“ – anstatt einfach zu berichten.

    Agenturen geben zudem eine bestimmte Diktion vor, die oft den Sprung in die redaktionell verarbeitete Meldung schafft. Viele Nachrichtenseiten übernehmen gar die Agenturmeldungen im Wortlaut auf einem dafür eigens eingerichteten „News-Ticker“. Das strahlt Objektivität aus – obgleich es das glatte Gegenteil ist. Nachrichtenagenturen bilden damit so etwas wie ein „Meta-Medium“, nach dessen Pfeife die Presse tanzt. Das gilt sowohl für säkulare Agenturen (wie AP, Reuters oder dpa) als auch für die katholischen (wie KNA, CNA, kath-press, AsiaNews et cetera). Was nicht auf den Schirm der Agentur gerät, das gibt es nicht.

    Besonders bei den Meldungen aus der katholischen Welt ist die Auswahl entscheidend. Zu fast allen Fragen der Kirchenpolitik, der theologischen Forschung, der Morallehre oder der Liturgie gibt es mindestens zwei Meinungen. Wie wird die eine Seite ausgeleuchtet, wie die andere? Wer sich hier bei der Agentur bedient, ohne eigene Recherche, wird die Themen oft unterkomplex abhandeln. Gerade in säkularen Medien, die in Fragen von Religion und Kirche auch mal auf katholische Nachrichtenagenturen zurückgreifen, besteht so die Gefahr der Einseitigkeit – man verlässt sich „blind“ auf die Agentur. Führende deutschsprachige katholische Nachrichtenagentur ist die KNA, ein im Jahre 1952 gegründetes Unternehmen mit Sitz in Bonn. Sie versteht sich als Fachagentur für Nachrichten für katholische und säkulare Medien und sieht sich an der Nahtstelle zwischen Kirche und Gesellschaft. Dabei ist die KNA wirtschaftlich nicht unabhängig: Derzeit ist der Verband der Diözesen Deutschlands über die „medienhaus GmbH“ Hauptgesellschafter. Ein kritischer Unterton gegenüber den „Diözesen Deutschlands“ wird so zwar nicht unmöglich, aber doch erheblich erschwert.

    Daneben gibt es katholische Medien- und Kreativagenturen, die keine Nachrichten generieren, sondern die katholische Publizistik in Fragen des Designs, der Technik und der Vermarktung unterstützen. Ein Beispiel ist die Agentur „Kampanile“, eine 100-prozentige Tochter des Bistums Münster. Sie ist etwa für die Internet-Auftritte des Bistums sowie die Online-Ausgabe der größten deutschen Bistumszeitung („Kirche und Leben“) zuständig.

    Sowohl Nachrichten- als auch Medien- und Kreativagenturen sind aus der Publizistik nicht mehr wegzudenken, zu komplex ist das Weltgeschehen, zu diffizil sind Einzelfragen der gelungenen Gestaltung von Presseerzeugnissen – gedruckt oder online. Dass sie nicht zu einflussreich werden, ist Aufgabe der Journalisten in den Redaktionen. Sonst fällt der Vorwurf der „Lückenpresse“ ganz schnell wieder auf sie zurück.

    Bearbeitet von Dr. Josef Bordat

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