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    "Manchen waren wir sicher zu konservativ"

    IT-College in Putbus geschlossen
    Paradox, aber wahr: Das Überleben privater Hochschulen ist in den letzten Jahren trotz steigender Abiturientenzahlen nic... Foto: Symbolbild

    Sie ist eine jener im deutschen Sprachraum nicht allzu dicht gesäten Hochschulen, in denen katholische Theologie aus kirchlicher Gesinnung und ganz bewusst treu zur Lehre der Kirche doziert wird: die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten, die 1791 – vor 228 Jahren also – als Hauslehranstalt begann.

    Seit 1971 bietet sie neben dem Vollstudium der Fachtheologie auch ein Studium der Religionspädagogik an. Am 1. Oktober beginnt sie ihr Wintersemester, ihr letztes allerdings, denn der Bischof von St. Pölten, Alois Schwarz, hat nach einem einstimmigen Beschluss seines Domkapitels die Stilllegung der Hochschule verfügt. Die vatikanische Bildungskongregation habe die Schließung bereits geprüft und genehmigt, heißt es seitens der Diözese.

    „Unumgänglich“ nennt der seit einem Jahr in St. Pölten amtierende Diözesanbischof, der zuvor 17 Jahre die Kärntner Diözese Gurk-Klagenfurt leitete, seine Entscheidung, die „auf Basis der Empfehlung des Wirtschaftsrates“ getroffen worden sei. „Schweren Herzens“ habe er sie getroffen, nach „umfangreichen und intensiven Gesprächen und Überlegungen“.

    Das Ergebnis all dieser Gespräche und Bemühungen ist jedenfalls, dass eine Hochschule geschlossen wird, deren Professorenkollegium mit Josef Kreiml (Fundamentaltheologie), Michael Stickelbroeck (Dogmatik), Reinhard Knittel (Kirchenrecht), Josef Spindelböck (Moraltheologie), Veit Neumann (Pastoraltheologie), Thomas Stark (Philosophie) und anderen einen theologisch profunden und zugleich stets lehramtstreuen Kurs steuerte. Profil zeigte die Hochschule seit 2010 auch mit einer mittlerweile auf 13 Bände angewachsenen Schriftenreihe. In den im Regensburger Pustet-Verlag veröffentlichten Bänden ging es etwa um „Grundlinien der Theologie Papst Benedikts XVI.“, um „Papst Benedikt XVI. und das Projekt der Neuevangelisierung“, um „Das Heil des Menschen aus Gnade“, „Katechesen zum Credo“, „Die Eucharistie als Lebensprinzip der Kirche“ sowie um die Philosophie Robert Spaemanns.

    „Manchen waren wir sicher zu konservativ“, meint der Rektor der Hochschule, Josef Kreiml, nun gegenüber dieser Zeitung. Der seit 2003 in St. Pölten lehrende Regensburger Diözesanpriester bedauert, dass die Hochschule aus finanziellen Gründen nicht weitergeführt werden soll. Gegenüber der „Tagespost“ verweist er darauf, dass die von ihm geleitete Hochschule in St. Pölten mit derzeit 120 Studierenden, darunter etwa 70 im Bereich Religionspädagogik, keineswegs die kleinste philosophisch-theologische Hochschule in Österreich sei.

    Seinen Studentinnen und Studenten schieb Rektor Kreiml vor wenigen Tagen, dass „ein reguläres Studium der beiden Fächer (Fachtheologie und Katholische Religionspädagogik) im kommenden Studienjahr 2019/20 (Winter- und Sommersemester) noch möglich ist“. Bei Bedarf könnten einzelne Prüfungen auch über das Sommersemester 2020 hinaus noch abgelegt werden.

    Und weiter: „Ihnen, den Studierenden unserer Hochschule, müssen wir leider nahelegen, Ihr Studium ab Oktober 2020 an einer anderen Hochschule oder Universität fortzusetzen.“ Als Grund für die baldige Schließung nennt Kreimls Schreiben, dass „die Mittel, die für die Hochschule in Zukunft aufzubringen wären, den finanziellen Rahmen des diözesanen Haushalts übersteigen würden“. Gescheitert sei auch ein Versuch, die Hochschule in einem kleineren Gebäude unterzubringen.

    Er referiert damit die Argumentation der Diözese St. Pölten, die ebenfalls finanzielle Erwägungen als Begründung heranzieht. „Wir als Diözese müssen in Zukunft ganz genau hinschauen, ob und welche Angebote der Kirche weiter sinnvoll sind, und verantwortungsvoll mit dem diözesanen Haushalt umgehen“, wird Bischof Alois Schwarz in einer diözesanen Pressemeldung zitiert. Schwarz wörtlich: „Es ist sinnvoll, Synergien in der Bildungslandschaft zu heben und zu nutzen. Es gilt auch darüber nachzudenken, ob jede Diözese alles anbieten muss.“ Letzteres ist längst nicht der Fall, wenngleich es in Österreich tatsächlich eine hohe Dichte an theologischen Lehranstalten gibt.

    Bereits der Vorgänger von Schwarz, Bischof Klaus Küng, veranlasste die Zusammenlegung der Priesterseminare in Wien, so dass St. Pöltener Priesteramtskandidaten seit Herbst 2012 unter der Führung des Wiener Regens Richard Tatzreiter im Priesterseminar der Erzdiözese Wien wohnen und an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien studieren. Die derzeit gut 40 Studenten der Fachtheologie könnten künftig von St. Pölten ins nahe gelegene Heiligenkreuz wechseln, wo die „Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ mit aktuell etwas mehr als 300 Studierenden einen wahren Boom erlebt.

    Keine Option ist Heiligenkreuz aufgrund seiner Studienabschlüsse derzeit für die Studierenden der Religionspädagogik, die nach dem Sommersemester 2020 wohl nach Wien oder Linz ausweichen müssten.

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