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    Männerurlaub als Selbstfindungsreise

    Die Midlife-Crisis gehört zu den bevorzugten komödiantischen Sujets der letzten Jahre. So gesehen ist der Stoff, aus dem der Fernsehfilm „Freilaufende Männer“ besteht, keineswegs neu. Dennoch: Auf der Grundlage des gleichnamigen Erfolgsromans von Gernot Gricksch, der auch das Drehbuch verfasste, gelingt Regisseur Matthias Tiefenbacher eine teils amüsante, teils nachdenklich stimmende Komödie über Männer um die Vierzig, die nicht richtig erwachsen werden können oder wollen.

    Die drei Freunde Thomas (Wotan Wilke Möhring), Malte (Fritz Karl) und Jens (Mark Waschke, v.l.n.r.) möchten mit dem Männ... Foto: WDR

    Die Midlife-Crisis gehört zu den bevorzugten komödiantischen Sujets der letzten Jahre. So gesehen ist der Stoff, aus dem der Fernsehfilm „Freilaufende Männer“ besteht, keineswegs neu. Dennoch: Auf der Grundlage des gleichnamigen Erfolgsromans von Gernot Gricksch, der auch das Drehbuch verfasste, gelingt Regisseur Matthias Tiefenbacher eine teils amüsante, teils nachdenklich stimmende Komödie über Männer um die Vierzig, die nicht richtig erwachsen werden können oder wollen.

    Thomas (Wotan Wilke Möhring) wollte schon immer einen Roman schreiben. Stattdessen übersetzt der Kettenraucher und an Panikattacken leidende Hypochonder jedoch Gebrauchsanweisungen für Luxuswagen. Mit seinem Liebesleben ist es nicht besser bestellt – seine Freundin hat ihn gerade verlassen. Um einfach auf andere Gedanken zu kommen, plant er mit seinem Freund Jens (Mark Waschke) einen Schweden-Urlaub. Auch Jens hatte einmal Träume, beispielsweise an der Rallye Paris-Dakar teilzunehmen, muss sich aber als Fahrlehrer mit Teenagern herumplagen, denen er verzweifelt das Einparken beizubringen versucht. Jens liebt seine drei Kinder sehr, seine Frau Marion (Claudia Mehnert) aber nicht mehr so wie früher. Jedenfalls kann er sich zwischen ihr und seiner Freundin Karin (Jördis Triebel) nicht entscheiden. Kurz vor der Abfahrt gen Norden gesellt sich Malte (Fritz Karl) dazu. Jens passt dies zwar nicht, aber Thomas kann nicht widersprechen. Schließlich ist der Autohändler sein Auftraggeber. Der in Designerklamotten großspurig auftretende Malte hat allen Grund, seine Jugendlichkeit unter Beweis stellen zu wollen. Denn er wird bald Großvater. Der Männerurlaub soll außerdem verdrängen helfen, dass seiner Firma der Konkurs droht.

    Nachdem die drei Hauptcharaktere schnell etabliert sind, beginnt ein zunächst ausgelassener Männerurlaub mit reichlich fließendem Alkohol am Lagerfeuer. Ein Bootsausflug hätte beinahe katastrophale Folgen gehabt, wäre den drei Urlaubern nicht der undurchsichtige Deutsche Max (Filip Peeters) zur Hilfe geeilt. Erste Irritationen tauchen auf, als sich sowohl Malte als auch Thomas für die hübsche Schwedin Malin (Lisa Werlinder) zu interessieren beginnen, was zu einem offenen Konkurrenzkampf zwischen den beiden Freunden führt. Als die resolute Karin unangemeldet in den Urlaub hineinplatzt und eine unmissverständliche Entscheidung von Jens verlangt, wird die Männerfreundschaft auf eine harte Probe gestellt.

    Figuren verkommen nicht zu Karikaturen

    Die Kamera von Klaus Merkel entlockt dem schwedischen Sommer mit seinem unvergleichlichen Licht wunderschöne Bilder, bleibt insgesamt jedoch wohltuend unauffällig. Im Vordergrund stehen die drei Hauptcharaktere, denen trotz dramaturgischer Vereinfachung die drei bestens aufgelegten Schauspieler Wotan Wilke Möhring, Mark Waschke und Fritz Karl so viel Leben einflößen, dass diese Figuren nicht zu Karikaturen geraten. Ihre schauspielerische Leistung und die sichere Schauspielerführung von Regisseur Tiefenbacher führen dazu, dass der Zuschauer nicht über die krisengeschüttelten Männer, sondern mit ihnen lacht.

    Was als Flucht vor sich selbst begonnen hatte, offenbart sich als Selbstfindungsreise. Die drei Urlauber in der Midlife-Crisis scheinen desorientiert, ohne ein klares Ziel für ihr Leben. Neben Themen wie Freundschaft und Liebe stellt „Freilaufende Männer“ immer wieder die Frage nach einem Sinn, der solchen Menschen „in der Mitte ihres Lebens“ eine Orientierung geben könnte. Trotz einer Inszenierung, die den komödiantischen Ton unterstreicht, trotz des sichtlich aufgesetzten Happy Ends spricht „Freilaufende Männer“ sehr aktuelle Fragen an. Dazu führt Regisseur Matthias Tiefenbacher aus: „Wenn es ums Lachen geht, dann geht es ,nur‘ um Unterhaltung. Für mich ist das aber nicht nur ein unterhaltender, sondern vor allem ein im besten Sinn erheiternder und erhellender Film. Er setzt sich mit manchen der Nöte, Desorientiertheiten und Verwirrungen der Generation auseinander, der ich auch angehöre, und beleuchtet diese besonders hellsichtig, weil er sich diesen Nöten über ihre komische Seite annähert.“

    Das auf seinem eigenen Buch beruhende Drehbuch von Gernot Gricksch und die kongeniale Inszenierung von Regisseur Matthias Tiefenbacher setzen einen durchgängigen Humor ein, der vor Slapstick nicht zurückschreckt, um das Drama einer Generation bloßzulegen: Unter seiner komödiantischen Oberfläche prangert der Fernsehfilm „Freilaufende Männer“ die Entscheidungs- und Bindungslosigkeit an, die eine ganze Generation zu lähmen scheint.

    „Freilaufende Männer“, 30. März,

    20.15 Uhr, ARD. Der Film erscheint am 1. April als DVD (EAN 4047179567480, ab 11,99 €).