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    Lernen, dem eigenen Gefühl zu vertrauen

    Ein schöner Sommer am glitzernden Rhein, die großen Ferien haben gerade begonnen. Sabrina ist die Tochter einer alleinerziehenden Winzerin – kein einfaches Dasein, wenn man sechzehn ist und sich wegträumt von der Schule und der Arbeit im Weinberg, den sie einmal übernehmen soll. Ihre achtzehnjährige attraktive Freundin Amelie sehnt sich nach Abenteuern in fernen Ländern und möchte am liebsten mit einem der großen Rheinfrachter verschwinden aus ihrer kleinen Stadt und ihrem deprimierenden Familienleben mit einer ess- und fernsehsüchtigen Mutter und einem arbeitslosen Vater, der seine Tage in der Kneipe verbringt. Die Mädchen sitzen stundenlang am Rheinufer und reden über ihr Fernweh und die Sehnsucht nach der großen Welt, nach Freiheit und Unabhängigkeit.

    Ein schöner Sommer am glitzernden Rhein, die großen Ferien haben gerade begonnen. Sabrina ist die Tochter einer alleinerziehenden Winzerin – kein einfaches Dasein, wenn man sechzehn ist und sich wegträumt von der Schule und der Arbeit im Weinberg, den sie einmal übernehmen soll. Ihre achtzehnjährige attraktive Freundin Amelie sehnt sich nach Abenteuern in fernen Ländern und möchte am liebsten mit einem der großen Rheinfrachter verschwinden aus ihrer kleinen Stadt und ihrem deprimierenden Familienleben mit einer ess- und fernsehsüchtigen Mutter und einem arbeitslosen Vater, der seine Tage in der Kneipe verbringt. Die Mädchen sitzen stundenlang am Rheinufer und reden über ihr Fernweh und die Sehnsucht nach der großen Welt, nach Freiheit und Unabhängigkeit.

    All das scheint der neunzehnjährige Kilian zu verkörpern, der wie aus dem Nichts auftaucht mit seinem alten Kahn, auf dem er lebt. Er ist anders als die Jungen im Ort. Beide Mädchen spüren die starke Anziehungskraft, die er ausstrahlt und das dunkle Geheimnis, das ihn umgibt und das möglicherweise etwas zu tun hat mit dem mysteriösen „toten Fluss“, an dem früher einmal etwas Schlimmes geschehen sein muss.

    Die erfahrenere Amelie verfällt dem wilden Charme des Jungen und wittert ihre Chance, mit ihm dem ungeliebten Dasein zu entfliehen. Am nächsten Tag wird ihre Leiche gefunden und Kilian ist mitsamt seinem Schiff verschwunden. Sabrina, die von ihrer eigenen besonderen Verbindung zu Kilian mehr ahnt, als sie sich zu diesem Zeitpunkt eingestehen will, begibt sich auf die Suche nach dem Mörder ihrer besten Freundin.

    Unterstützt wird sie dabei von der klugen und unangepassten Beate, die gerne ihre neue Freundin werden möchte und von Lukas, dem Sohn des wohlhabenden Weinbauern, der in Amelie verliebt war. Ein gefährliches Abenteuer, das Sabrina zurück in die Vergangenheit und zu einem weiteren, bisher ungeklärten Verbrechen führt und immer wieder zu der Frage: wem kann und darf ich wirklich trauen?

    Elisabeth Herrmann, Jahrgang 1959, schreibt spannende Kriminalromane für Erwachsene („Das Kindermädchen“, „Die siebte Stunde“, „Die letzte Instanz“). Allen ihren Büchern ist gemeinsam, dass der jeweilige aktuelle Fall weit zurückreicht in die Vergangenheit, in der Ursache und Motiv für das Verbrechen zu finden sind und somit jede scheinbar offensichtliche Erklärung ad absurdum führt.

    Exzellente Recherchen zeichnen alle Romane der im Hauptberuf als Journalistin tätigen Schriftstellerin aus, historische Ereignisse verbindet sie elegant mit fiktiver Personage und verknüpft gekonnt am Ende alle losen Fäden miteinander.

    Lilienblut ist der erste Jugendkrimi von Elisabeth Herrmann, der aber keineswegs nur für Jugendliche geeignet ist – packend erzählt von der ersten bis zur letzten Seite zeugt er von einem tiefen Verständnis für die Nöte und Seelenqualen junger Menschen und von deren Sehnsüchten und Träumen. Sie weiß um den schwierigen Prozess des Erwachsenwerdens. Altmodisch im positivsten Sinn geht es nicht nur um die Aufklärung eines Mordes und die Hinterfragung vordergründiger Augenscheinlichkeiten, sondern auch um Vertrauen, Versprechen, Freundschaft und Loyalität, um Mut, Würde und Respekt vor Menschen, die das Schicksal aus der Bahn geworfen hat. Und darum, in entscheidenden Situationen den eigenen Instinkten zu vertrauen und nicht dem äußeren Schein: „Du fühlst es, wenn es richtig ist. Dann gibt es keine Zweifel und kein Zögern. Du fühlst es einfach. Und du weißt, welchen Weg du gehen musst.“ Sabrina braucht lange, um zu erkennen, dass sie ihren Gefühlen trauen darf; immer wieder bringen verwirrende Umstände das junge Mädchen zum Zweifeln – bis sich alles zum guten Ende fügt und alle Mosaiksteinchen ein vollständiges Bild ergeben. Empfohlen ab 13 Jahren.

    Elisabeth Herrmann: Lilienblut. Cbt – Verlag München, 2010, 448 Seiten,

    EUR 18,50