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    Lebewohl auf dem Gipfel der Kunst

    Nur einen Moment dauerte es, dann war er da, jener unverwechselbare Alban-Berg-Quartettklang, für den das Ensemble seit nunmehr 37 Jahren berühmt war. Ein konzentrierter, schlanker Ton aus einem Guss, finessenreich in der Dynamik und der tonlichen Feinabstimmung. Das Tempo im ersten Satz von Schuberts „Forellenquintett“ ist quirlig und frisch, aber nicht überdreht. Akzente werden nicht der Schönheit des Klangs geopfert, brechen die Ästhetik der sorgsam gepflegten Linie aber auch nicht auseinander. Weich und lebhaft mischt sich Elisabeth Leonskaja am Flügel mit luftigen Triolen in die Streicherklänge. Die Pianistin nimmt die Impulse der Vier auf und führt sie bruchlos weiter: Ein Wettstreit im schönsten Einverständnis, verbunden im Willen, der Musik Schuberts zu dienen. Das Publikum im Alfried-Krupp-Saal der Essener Philharmonie hielt den Atem an. Wenn sich ein Ensemble, das eine ganze Generation geprägt hat, nach 37 Jahren auflöst, ist es nicht übliche mediale Zuspitzung, vom Ende einer Ära zu sprechen. Am 16. Juli wird das Alban Berg Quartett zum letzten Mal auftreten. Aber warum ausgerechnet in Peking? Die Antwort, die Primarius Günther Pichler in einem Interview gab, dürfte zutreffen: Um nicht zu sentimental zu werden, was den Wahl-Wienern ja naheläge. In Wien hat sich das Quartett bereits verabschiedet, mit einem Auftritt im Konzerthaus. Dort hatte das von Pichler gegründete Ensemble im Oktober 1971 sein Debüt gegeben. Die Presse sprach damals schon von einem Wunder.

    Nur einen Moment dauerte es, dann war er da, jener unverwechselbare Alban-Berg-Quartettklang, für den das Ensemble seit nunmehr 37 Jahren berühmt war. Ein konzentrierter, schlanker Ton aus einem Guss, finessenreich in der Dynamik und der tonlichen Feinabstimmung. Das Tempo im ersten Satz von Schuberts „Forellenquintett“ ist quirlig und frisch, aber nicht überdreht. Akzente werden nicht der Schönheit des Klangs geopfert, brechen die Ästhetik der sorgsam gepflegten Linie aber auch nicht auseinander. Weich und lebhaft mischt sich Elisabeth Leonskaja am Flügel mit luftigen Triolen in die Streicherklänge. Die Pianistin nimmt die Impulse der Vier auf und führt sie bruchlos weiter: Ein Wettstreit im schönsten Einverständnis, verbunden im Willen, der Musik Schuberts zu dienen. Das Publikum im Alfried-Krupp-Saal der Essener Philharmonie hielt den Atem an. Wenn sich ein Ensemble, das eine ganze Generation geprägt hat, nach 37 Jahren auflöst, ist es nicht übliche mediale Zuspitzung, vom Ende einer Ära zu sprechen. Am 16. Juli wird das Alban Berg Quartett zum letzten Mal auftreten. Aber warum ausgerechnet in Peking? Die Antwort, die Primarius Günther Pichler in einem Interview gab, dürfte zutreffen: Um nicht zu sentimental zu werden, was den Wahl-Wienern ja naheläge. In Wien hat sich das Quartett bereits verabschiedet, mit einem Auftritt im Konzerthaus. Dort hatte das von Pichler gegründete Ensemble im Oktober 1971 sein Debüt gegeben. Die Presse sprach damals schon von einem Wunder.

    Die letzten Konzerte in Europa fanden nun in Köln, beim Klavier-Festival Ruhr in Essen und beim Schleswig-Holstein Musik Festival in Kiel statt. Nicht in der Vierer-Formation, sondern gemeinsam mit langjährigen Partnern: der Pianistin Elisabeth Leonskaja, dem Cellisten Heinrich Schiff und dem Kontrabassisten Alois Posch. So stand auch nicht, wie bei den Abschiedskonzerten zu viert, ein Werk des Namensgebers Alban Berg auf dem Programm. Sondern zwei eines anderen Wieners, der sinnbildlich für die Musik der Stadt steht: Franz Schubert. Günther Pichler, Gerhard Schulz, Isabel Charisius und Valentin Erben spielten mit ihren Partnern das Klavierquintett A-Dur und das Streichquintett C-Dur.

    Noch einmal ließ das Alban Berg Quartett erleben, warum es als Gipfel dieser intimen Kunst gerühmt wird, warum von seinen 170 Aufnahmen rund dreißig mit Preisen ausgezeichnet wurden, warum junge Kammermusiker bei den vier alten Hasen in die Lehre gingen. Da ist der schlanke, dennoch markante, nie krampfhaft forcierte Ton, da ist die bewundernswerte Abstimmung bis hinein in feinste Schwebungen. Da berückt das Bewusstsein für Farbe, für die Nuancen der Dynamik. Und in der Kunst der Phrasierung wird das Alban Berg Quartett für seine Nachfolger zur Legende und zur Herausforderung werden.

    Noch einmal war er unmittelbar zu genießen, der vollendete Alban-Berg-Klang: hauchzarte Klänge, abgeklärte Phrasierungen, intim elegante Tongebung im Andante des „Forellenquintetts“. Isabel Charisius, Meisterschülerin des 2005 verstorbenen Bratschers Thomas Kakuska, integriert sich fugenlos in den Klang. Alois Posch am Kontrabaß war anfangs sehr zurückhaltend, stützte dann den Klang mit lockerem Ton. Im herben Fortissimo-Ausbruch der Variationen lassen die Fünf hören, dass es ihnen nicht um polierten Wohllaut geht.

    Im Streichquintett integriert sich Heinrich Schiff als kongenialer Partner. Im ersten Satz schon ist ein Einverständnis erreicht, das die getragenen Piano-Momente des Adagio zum jenseitigen Gesang verklärt. Federndes Esprit im Scherzo und ein tänzerisch fulminantes Finale zeigen noch einmal, zu welcher Charakterisierungskunst das Alban Berg Quartett fähig ist. Herzlicher, dankbarer Beifall für einen unvergesslichen Abend.

    VON WERNER HÄUSSNER