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    Kunst in gottgefälliger Umgebung

    Das Benediktinerstift Admont in der waldreichen österreichischen Region der Steiermark hat zweimal in seiner über 940-jährigen Geschichte schwere Verluste ertragen müssen: Im Jahre 1865, als im Zuge eines großen Brandes, dem sogenannten „großen Stiftsbrand“, der außer der legendären Stiftsbibliothek (der weltweit größten barocken Klosterbibliothek) fast das gesamte Kloster und mit ihm zahlreiche Kunstschätze des Mittelalters zerstörte und in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren, als man aufgrund der Weltwirtschaftskrise gezwungen war, Notverkäufe aus den kostbaren Sammlungsbeständen zu tätigen – darunter auch unbezahlbare Schätze des Mittelalters wie die Admonter Madonna von 1310. Die beiden einschneidenden Ereignisse haben große Lücken im Bereich der Kunst des Mittelalters des Stiftsschatzes hinterlassen, der ansonsten einen nahezu lückenlosen musealen Bestand an kunsthistorischen, naturhistorischen und kirchengeschichtlichen Schätzen beherbergt. Das Benediktinerstift Admont, das neben alledem auch über die weltweit größte Klosterbibliothek verfügt – mit einer Stiftsbibliothek aus dem Jahre 1776, die von Zeitgenossen als „achtes Weltwunder“ betrachtet wurde und reich ist an mittelalterlichen Handschriften, Frühdrucken und kostbaren Inkunabeln, kann nun seit dem 2. Mai 2017 durch himmlische Fügung die unverschuldet erlittenen Verluste kompensieren und eine historisch entstandene Lücke seiner kostbaren Sammlungsbestände schließen: die Lücke der Gotik. So kehrt die Gotik zurück nach Admont.

    Das vorreformatorische Werk ist eines der Highlights der Sammlung mit typischem Südtiroler Charakter: „Die Taufe Jesu“ d... Foto: Knöbl

    Das Benediktinerstift Admont in der waldreichen österreichischen Region der Steiermark hat zweimal in seiner über 940-jährigen Geschichte schwere Verluste ertragen müssen: Im Jahre 1865, als im Zuge eines großen Brandes, dem sogenannten „großen Stiftsbrand“, der außer der legendären Stiftsbibliothek (der weltweit größten barocken Klosterbibliothek) fast das gesamte Kloster und mit ihm zahlreiche Kunstschätze des Mittelalters zerstörte und in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren, als man aufgrund der Weltwirtschaftskrise gezwungen war, Notverkäufe aus den kostbaren Sammlungsbeständen zu tätigen – darunter auch unbezahlbare Schätze des Mittelalters wie die Admonter Madonna von 1310. Die beiden einschneidenden Ereignisse haben große Lücken im Bereich der Kunst des Mittelalters des Stiftsschatzes hinterlassen, der ansonsten einen nahezu lückenlosen musealen Bestand an kunsthistorischen, naturhistorischen und kirchengeschichtlichen Schätzen beherbergt. Das Benediktinerstift Admont, das neben alledem auch über die weltweit größte Klosterbibliothek verfügt – mit einer Stiftsbibliothek aus dem Jahre 1776, die von Zeitgenossen als „achtes Weltwunder“ betrachtet wurde und reich ist an mittelalterlichen Handschriften, Frühdrucken und kostbaren Inkunabeln, kann nun seit dem 2. Mai 2017 durch himmlische Fügung die unverschuldet erlittenen Verluste kompensieren und eine historisch entstandene Lücke seiner kostbaren Sammlungsbestände schließen: die Lücke der Gotik. So kehrt die Gotik zurück nach Admont.

    Zu verdanken hat es das Kloster einem Ehepaar aus Vorarlberg, das über Jahrzehnte hinweg eine Sammlung von Meisterwerken der Spätgotik aufbaute, die weltweit einmalig sein dürfte. Zurück geht die Sammlung auf die Ministrantentätigkeit von Kuno Mayer in einer kleinen gotischen Dorfkirche, in der er während seiner zahlreichen Kirchendienste ausgiebig die dort befindlichen Kunstwerke betrachtete und lieben lernte. Die Exponate aus der Sammlung Mayer, die dem Kloster durch Schenkung überlassen wurden, sind in Form einer Dauerausstellung ansprechend und modern in der Säulenhalle des in zwei Gebäudetrakten auf vier Stockwerken untergebrachten Stiftsmuseums arrangiert.

    Und doch sind es nicht die Superlative von Kloster Admont, mit dem es seit einigen Jahren ganz im Sinne der aktuellen Mode Besucher anzulocken versteht, sondern die große Ruhe und Geborgenheit, die aus den von allen Ereignissen unbeeindruckten Klostermauern, der sagenhaft schönen Berglandschaft rund um das Kloster und den frohen Gesichtern der Mönche sich so überzeugend der Seele eines jeden Menschen darbietet. Eine die Zeiten überdauernde Ruhe und Geborgenheit, die auch aus den einzelnen Figuren, Tafelbildern und sakralen Objekten der Ausstellung spricht und am besten vermittelt, was der Ausstellungstitel verspricht: „Dem Himmel nahe“ fühlt man sich nämlich, wenn man in dieser wunderschön gottgefälligen Umgebung die in liebevoller Kunstfertigkeit in einem tiefen Bewusstsein über die Wirklichkeit des Heiligen und des Göttlichen entstandenen und über die Jahrhunderte geretteten, zwischen 1390 und 1520 entstandenen vorreformatorischen Werke erblickt. Die ausdrucksstarken und ergreifenden Ausdrucksformen dieser Kunstwerke sind es, die den Betrachter daran erinnern, woraufhin alles Leben ausgerichtet ist und wo Schönheit, Ruhe und Geborgenheit über alle historischen und persönlichen Zeitwenden hinweg zu finden sind – lieblich und zart, tröstend und erhebend.

    Die „Schönen Madonnen“ und des sogenannten Weichen Stils der Sammlung Mayer von den Jahren um 1400, aber auch die Werke der Ulmer Schule des frühen 16. Jahrhunderts verdeutlichen dies ebenso wie die zahlreichen kostbar gearbeiteten Marienleben, Interzessionsszenen, Heiligendarstellungen (insbesondere Johannes? des Täufers, aber auch des heiligen Georg, Thomas, Sebastian und Leonhard) sowie Passionsabbildungen, Taufe Jesu, Geburt Jesu, Anna Selbdritt-, Kreuzigungs- und Auferstehungsbildnisse. Ein liebevoll und ansprechend gestalteter Katalog erlaubt es, diese Freuden auch zu Hause noch zu genießen und sie auch anderen zugänglich zu machen. Vor Ort ergänzt ein Audioguide in sechs Sprachen mit Erläuterungen zu den Werkstätten, geographischen Verortungen, Kommentaren zum theologischen Gehalt des Gezeigten sowie künstlerischen und kunsthistorischen Besonderheiten und Einbettung in den Kontext auch anderer Museen, durch die Neulinge wie auch Experten gotischer Kunst auf ihre Kosten kommen, das gehaltvolle Angebot des Stiftsmuseums. Besonders beeindruckend: Der dem Menschen der Neuzeit so nahe „Christus in der Rast“ des Landshuter Meisters Hans Leinberger – eine Skulptur, die durch Bezugnahme auf einen Stich Abrecht Dürers zeitlich eingebettet und als Sonderform der Passionsdarstellungen in ihrer Modernität nicht nur zum Betrachten, sondern zum unmittelbaren Nachempfinden und tieferen Verständnis des Heilsgeschehens erschaffen scheint.

    „Dem Himmel nahe – Sammlung Mayer“, bis 5.11.2017, täglich 10 bis 17 Uhr, Benediktinerstift Admont, A-8911 Admont 1, www.stiftadmont.at