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    Kosmos theologischer Bezüge

    Bachfest Leipzig 2019
    Blick auf das Denkmal für Johann Sebastian Bach vor der Thomaskirche in Leipzig. Foto: Hendrik Schmidt (dpa-Zentralbild)

    Die Orgelwerke von Johann Sebastian Bach zu spielen gehört zu den Kernaufgaben jedes Kirchenmusikers, egal ob evangelisch oder katholisch. Denn in den Werken, die der Thomaskantor für die Königin der Instrumente schieb, ist ein ganzer Kosmos theologischer und musikalischer Bezüge verborgen, deren Subtexte und Tiefenschichten sich beim mehrmaligen Hören Stück für Stück erschließen. Darum ist es nicht nur eine große Leistung, sondern ein ebensolches Geschenk, wenn Domorganist Prof. Markus Willinger seinem ersten, im Jahr 2012 erklungenen Bachzyklus einen zweiten folgen lässt. Wer Willinger kennt weiß: Hier wird nicht einfach einmal Geübtes wieder aus dem Notenregal geholt. Der Musiker präsentiert vielmehr die Ergebnisse seiner forschenden, den Notentext je neu befragenden Beschäftigung mit dem Werk Johann Sebastian Bachs. Und er kontextualisiert dessen Orgelwerke dort, wo deren Einsatzfeld in der Liturgie dies nahelegen. Etwa dann, wenn er die Choralvorspiele aus dem Orgelbüchlein präsentiert und die Sopranistin Theresia Groß dazu jeweils den Choral erklingen lässt. Überhaupt lässt die gesamte Programmgestaltung die untrennbar enge Verbindung des Bach'schen Orgelwerkes mit dem Kirchenjahr erkennen. Denn beginnend mit dem ersten Konzert am 19. Dezember 2018 folgen dessen Inhalte jener liturgischen Ordnung, die im Advent ihren Anfang nimmt und sich über den gesamten Festkreis erstreckt.

    Dass es sich bei einem mit der Kirche so verbundenen Musiker wie Bach anbietet, auch dessen eigenes Leben und Sterben mit der Ordnung des Kirchenjahres zu verflechten macht Willinger pointiert deutlich, indem er am 24. Juli ein Konzert anlässlich von Bachs Todestag anbietet.

    Erklingen wird bei dieser zweiten Aufführung des Zyklus nicht nur das Gesamt der Bach'schen Orgelwerke, sondern auch die Kunst der Fuge (BWV 1080) und das Musikalische Opfer (BWV 1079). Beide sind nicht ausdrücklich für Orgel konzipiert, können aber selbstverständlich auf diesem Instrument dargestellt werden. Willinger erweitert durch die Präsentation dieser anspruchsvollen Werke das facettenreiche, aus Praeludien, Toccaten, Fugen, Sonaten und einer Vielfalt von Choralbearbeitungen in den unterschiedlichsten Formen bestehende Programm durch Kompositionen, in denen Bach seine ganze Kunstfertigkeit zeigte. Wer den Interpreten Willinger kennt, weiß, dass seine Konzerte den Dom mühelos füllen. Zu Recht. Denn dessen brillante, stilsichere Darstellungen überzeugen.

    Die Konzerte des Bachzyklusses, der noch bis Mitte 2020 läuft, finden jeweils mittwochs um 19.30 Uhr statt. Einzelkarten kosten 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Sie können an der Abendkasse und im Vorverkauf beim bvd Kartenservice Bamberg erworben werden. Zu den Konzerten besteht Parkmöglichkeit auf dem Domplatz von 18.30 bis 21.30 Uhr.

    Informationen unter bamberger-dommusik.de

    Von Barbara Stühlmeyer

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