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    Kommentar: Mit allen Mitteln zum Ruhm

    Seine Mutter ist überglücklich. Ihr Plan ist aufgegangen, ihren Sohn David Karp mit 15 Jahren von der Bronx High School in New York zu nehmen, um ihn ganz seiner Leidenschaft zu Computern zu überlassen. Inzwischen ist er 26 Jahre alt, gilt als Internet-Tycoon und hat es geschafft, 1,1 Milliarden Dollar zu verdienen, weil Yahoo seine Bloggseite Tumblr gekauft hat. „Tumblr ist eines der am schnellsten wachsenden Mediennetzwerke in der Welt“, meinte hierzu Yahoo-Chefin Mayer lobend über das Netzwerk.

    Seine Mutter ist überglücklich. Ihr Plan ist aufgegangen, ihren Sohn David Karp mit 15 Jahren von der Bronx High School in New York zu nehmen, um ihn ganz seiner Leidenschaft zu Computern zu überlassen. Inzwischen ist er 26 Jahre alt, gilt als Internet-Tycoon und hat es geschafft, 1,1 Milliarden Dollar zu verdienen, weil Yahoo seine Bloggseite Tumblr gekauft hat. „Tumblr ist eines der am schnellsten wachsenden Mediennetzwerke in der Welt“, meinte hierzu Yahoo-Chefin Mayer lobend über das Netzwerk.

    Was ist dieser ehemalige Schulabgänger und spätere Tumblr-Gründer für ein Typ. Auf den ersten Blick scheint er noch ganz ein Kind der jungen social media-Generation geblieben zu sein. Wenn er spricht, fällt auf, dass er unentwegt das Wort „cool“ benutzt: „Wir haben sehr schnell eine Menge cooler Leute gefunden, die sehr coole Sachen mit Tumblr gemacht haben.“ In diesem Ton geht es immer weiter in einem Interview des „Forbes“-Magazins. Er hat von Anfang an nur seine Sache durchziehen wollen. Ohne Kompromisse. Das ist noch heute so, wenn er sagt, dass er keine Bücher besitzt und nur wenig zum Anziehen: „Ich bin immer so überrascht, wenn Leute ihr Zuhause mit Kram vollstopfen.“ Das klingt symptomatisch für die heutigen Jugendlichen der Generation Internet, die häufig geschichtslos ohne Bücher lebt und keine anderen Wurzeln pflegt als die „coolen Dinge“, die sich gerade bieten. Sicher, Karp lebt das auf höchstem Niveau, sofern der finanzielle Umsatz der Maßstab ist. Er wirkt einsiedlerisch, ruhig, seine Jugend hat er vorwiegend im Schlafzimmer verbracht, immer vor dem Computer. Aber ein Vorbild kann sein Lebenslauf doch nicht sein.

    Karps Mutter Barbara Ackerman sah ihn Tag und Nacht vor dem Bildschirm: „Es wurde klar, dass David Raum brauchte, um seine Leidenschaft auszuleben“ – so begründet sie, dass sie ihren Sohn von der Schule nahm. Auch Karp selbst sieht seine Karriere mit Distanz. Er würde niemandem dazu raten, die Gelegenheit zu ergreifen, wenn sie sich bietet. Und er legt ein gutes Wort für das amerikanische Schulsystem ein, denn heute gäbe es mehr fähige Lehrer auf seinem Gebiet.

    David Karp scheint mehr von seinem Innern preiszugeben als sein Kollege, der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Beide gehören der Generation der Kapuzenpulloverträger an. David Karp umgibt sich mit der typisch angelsächsischen geheimnisvollen Aura der Wunderkinder. Er weiß, dass er ein Einzelfall ist und gibt offen zu, dass er früher das normale Leben vermisst hat, das „Soziale, all die Sachen der Kindheit, die ich definitiv vermisst habe“. Aus dem Blickwinkel des Erfolgs gibt er sich Recht. Und schon wird der Mythos um Karp befestigt, indem der New Yorker Computer-Entwickler Fred Wilson schrieb: „,A beautiful mind‘ ist eine wunderbare Sache“. „A beautiful mind“ ist der Filmtitel über den berühmten Mathematiker John Forbes Nash, ebenfalls ein in sich gekehrtes Wunderkind des amerikanischen Erfindergeistes.

    Dass gerade New York und nicht Silicon Valley in Kalifornien eine zentrale Rolle für Karp spielte, ist eine weitere Besonderheit, die man aus seinem Fall lernen kann. Kalifornien ist ihm zu schnell mit der Realisierung von Erkenntnissen in der Industrie; hier gebe es die „,oh man‘-Paranoia“. Karp verteidigt hingegen den Mythos New York als innovativsten Platz der Welt, besonders für „Kickstarter“, wie er es sei. Verblüffend ist die Ehrlichkeit, mit der Karp sein Lügengebäude zugibt, wie er gegenüber dem „Guardian“ offenbarte. Weil er so jung war, habe er seine Kunden über sein Alter, seine Erfahrung und die Größe seines Teams belogen. Seine Freundin und Psychologiestudentin Rachel Eakley, mit der er in Brooklyn wohnt, scheint es ihm nicht übel zu nehmen.