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    Kommentar: Aufklärung der Aufklärung

    Die Europäische Union (EU) verstehe sich nicht bloß als eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch als eine Wertegemeinschaft. So hört und liest man immer wieder. Und wer die Unbestechlichkeit zur Kenntnis nimmt, mit der derzeit die Verhandlungen über einen Beitritt des NATO-Partners Türkei geführt werden, wird auch konstatieren müssen, dass solche Formulierungen mehr sind als hübsch klingende Sonntagsreden. Dass sich die Europäische Union zu Recht als Wertegemeinschaft betrachtet, heißt freilich nicht, dass bei ihren Repräsentanten auch schon immer Einigkeit darüber bestünde, welche Werte man gemeinsam habe. Auch EU-Parlamentarier sind Kinder ihrer Zeit und anfällig für die Ideologien, die in unseren Tagen oft hässliche Blüten treiben.

    Die Europäische Union (EU) verstehe sich nicht bloß als eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch als eine Wertegemeinschaft. So hört und liest man immer wieder. Und wer die Unbestechlichkeit zur Kenntnis nimmt, mit der derzeit die Verhandlungen über einen Beitritt des NATO-Partners Türkei geführt werden, wird auch konstatieren müssen, dass solche Formulierungen mehr sind als hübsch klingende Sonntagsreden. Dass sich die Europäische Union zu Recht als Wertegemeinschaft betrachtet, heißt freilich nicht, dass bei ihren Repräsentanten auch schon immer Einigkeit darüber bestünde, welche Werte man gemeinsam habe. Auch EU-Parlamentarier sind Kinder ihrer Zeit und anfällig für die Ideologien, die in unseren Tagen oft hässliche Blüten treiben.

    Kein Abgeordneter bekommt, wenn er seine Diensträume bezieht, eine Rüstung ausgehändigt, die ihn vor Einflüsterungen des Relativismus, des Säkularismus, des Naturalismus, des Gen- oder des Gender-Mainstreamings schützt, um nur einige zu nennen. Keiner erhält ein Flammenhemd, das ihn gegen das Feuer immunisierte, das Neo-Malthusianer, Chicago-Boys oder die Jünger des Prometheus in ihrem Wahn stets neu zu entfachen verstehen. Schlimmer noch. Oft sitzen die Ideologen mitten unter ihnen, bisweilen nur eine Stuhllehne entfernt.

    Daher wundert es nicht, dass das Europäische Parlament kürzlich zwei Berichte annahm, in denen jene, die sich die Umwertung aller Werte auf die Fahnen schreiben, wieder einmal ganze Arbeit geleistet haben. In der „Entschließung zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten“, die der Ausschuss für Umwelt und Gesundheit verabschiedet hat, konnte etwa die portugiesische Sozialistin Edith Estrela das Parlament dafür gewinnen, mehrheitlich den Zugang zu künstlicher Befruchtung auch für Lesben zu fordern. Unter Punkt 29 werden die Mitgliedstaaten der EU aufgefordert, „in Bezug auf unterstützte Reproduktionstechnologien die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Diskriminierung von Frauen aufgrund des Familienstands, der sexuellen Ausrichtung bzw. der ethnischen oder kulturellen Herkunft zu beseitigen“. Der ursprünglich vorgesehene Zusatz „Diskriminierung aufgrund des Alters“ konnte dank des Einsatzes christlicher Parlamentarier, die ihren Kollegen glaubhaft vermitteln konnten, dass dies erhebliche Auswirkungen auf den vom Parlament abgelehnten Handel mit Eizellen hätte, immerhin verhindert werden.

    Nicht verhindert werden konnte dagegen, dass in dieser und einer weiteren Entschließung vorgeburtliche Kindstötungen und Verhütung auf eine Stufe gestellt wurden. So nahm etwa das Parlament auch eine Passage an, in der es heißt: „Das Europäische Parlament, (...) ist der Ansicht, dass die EU und die Mitgliedstaaten dafür sorgen müssen, dass Frauen sich problemlos Empfängnisverhütungsmittel besorgen können und ein Recht auf einen sicheren Schwangerschaftsabbruch haben.“ Wenngleich sich aus beiden Berichten keine Rechtsfolgen für die Mitgliedstaaten ergeben, unter anderem weil dem Europäischen Parlament hier jegliche Kompetenz fehlt, zeigen solche Entschließungen doch, welcher Ungeist im Europäischen Parlament sein Unwesen treibt. Christen haben hier genau zwei Möglichkeiten: Sie können sich weiter zurückziehen und einer Europaverdrossenheit frönen oder den Kampf annehmen und – wie es unlängst der Münchner Erzbischof Reinhard Marx forderte – sich der „Aufklärung der Aufklärung“ verschreiben. Letzteres scheint überdies alternativlos. Denn das real existierende Europa mag zwar Vielen derzeit zu Recht nicht gefallen. Dummerweise gibt es aber kein anderes.