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    Kommentar: Arte, Bild und der Film

    Es ist eine unheilige Allianz aus Nazis, Verschwörungstheoretikern, Teilen der Linkspartei, Kirchenvertretern und Islamisten, die von den Autoren Joachim Schroeder und Sophie Hafner im Film „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ beleuchtet wird. Der blanke Hass gegen Juden, der mittlerweile nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Mitteleuropa auf den Straßen zu spüren ist, belegt, dass Antisemitismus noch längst kein altes Relikt aus dunkler Zeit ist. Wenn es aber nach dem Fernsehsender „arte“ gegangen wäre, dann hätte dieser Film schnell in den Giftschränken des Senders ein ungezeigtes Dasein gefristet.

    Es ist eine unheilige Allianz aus Nazis, Verschwörungstheoretikern, Teilen der Linkspartei, Kirchenvertretern und Islamisten, die von den Autoren Joachim Schroeder und Sophie Hafner im Film „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ beleuchtet wird. Der blanke Hass gegen Juden, der mittlerweile nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Mitteleuropa auf den Straßen zu spüren ist, belegt, dass Antisemitismus noch längst kein altes Relikt aus dunkler Zeit ist. Wenn es aber nach dem Fernsehsender „arte“ gegangen wäre, dann hätte dieser Film schnell in den Giftschränken des Senders ein ungezeigtes Dasein gefristet.

    Der Bild-Zeitung ist es zu verdanken, dass der Film, der mittlerweile auch bei youtube zu sehen ist, nun doch den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Aus meiner Sicht eine mutige und notwendige Entscheidung. Und um einen der vielen Kritikpunkte, die seltsamerweise in manchen deutschen Leitmedien nun artikuliert werden, gleich zu entkräften: Natürlich ist der Film tendenziös. Ein Film, der sich mit Antisemitismus auseinandersetzt, kann überhaupt nicht anders sein als pro-jüdisch.

    Und ja, wie anders, wenn nicht so, wie der Film es tut, kann man denn den Antisemitismus in der islamischen Community Europas angemessen darstellen? Die tiefgreifenden Konflikte im Nahen Osten sind ein anderes Thema und können – und dürfen – keine entschuldigende Erklärung für Gewalt gegen Juden in Europa und woanders auf der Welt sein. Der Publizist Henryk M. Broder nimmt diese verlangte Quadratur des Kreises in einer Kolumne auf der „Achse des Guten“ völlig zu Recht auf die Schippe, wenn er schreibt: „Und wenn arte demnächst einen Film über Rinderwahn (BSE) in Auftrag gibt, sollten die Produzenten darauf achten, dass nur Allgäuer Bauern und Kühe zu Wort kommen, aber keine aus England, wo die Seuche ausgebrochen ist.“

    Sicher, der Film offenbart auch journalistische Mängel. So ist man über manche Vereinfachungen und Nichtwissen verärgert. Von der Kirche zum Beispiel als die „Mutter des Antisemitismus“ zu sprechen, erscheint mehr als weit hergeholt. Selbstverständlich gab es zwischen Juden und Christen menschliche Unzulänglichkeit. Nur beinhaltete das Christentum selber keinen Antisemitismus, da seine ersten Protagonisten selber Juden gewesen sind.

    Formfehler hätten sich beheben lassen. Vielmehr scheint es der Inhalt gewesen zu sein, der verunsicherte. Wenn Muslime Adolf Hitler huldigen und „Juden ins Gas“ brüllen. Wenn in Frankreich junge Juden an öffentlichen Schulen Angst vor körperlicher Repression haben, dann muss man sich über die Verfasstheit Europas Fragen stellen. Wer gesteht, dass er diesen zionistischen Staat und seine Gesellschaft ohne Vorbehalte liebt und diese Sympathie nicht vom Wohlverhalten israelischer Regierungschefs abhängig machen möchte, wer bekundet, dass er auch gerade in Zeiten, in denen man das Regierungshandeln kritisch sieht, zu diesem Land steht, der hat in Europa einen schweren Stand. Falls ihm nicht gleich offene Ablehnung entgegenschlägt, erlebt er vielleicht die etwas freundlichere Variante. Lauernd wird ihm in mitleidigem Ton die Frage gestellt: „Sie sind doch sicher selbst auch Jude, nicht wahr?“ Wer würde sich denn sonst noch für Juden einsetzen, wenn nicht die Juden selbst? Genau die Geisteshaltung, die zu einer solchen Frage antreibt, ist ein gefährliches Problem und nicht der Film.

    Juden haben in Europa wieder Angst. Darüber müssen wir reden. Das ist nicht hinnehmbar. Arte wollte sich dieser Debatte durch das Blocken des Films entziehen. Ein Versagen des öffentlich-rechtlichen Journalismus.