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    Kirchenkritik

    Von Christa Meves

    Von Christa Meves

    Wenn ein Talkmaster der ARD einen der zugkräftigsten Renegaten der katholischen Kirche zum Gespräch einlädt und sich dazu einen unbefangenen Laien mit heranholt, was bezweckt er dann mit dieser Runde? Das ließ sich nicht nur vermuten, das zeigte sich auch ganz schnell: Sie sollte einmal mehr infrage gestellt werden, die Mater Ecclesia. Aber offensichtlich hatte Hans Küng Kreide geschluckt. Gelassen und in geschliffenem Hochdeutsch kamen die Antworten auf die Fragen von Moderator Reinhold Beckmann. Und unser ewig junger, durch Unverblümtheit überzeugender Showmaster Thomas Gottschalk untermalte das Ganze mit leichtfüßigen Präludien.

    Beckmann ließ keine der strittigen Fragen aus, mit der der Mainstream an der Glaubwürdigkeit der Kirche zu rütteln sucht. Und Küng beantwortete sie auch genau in diesem Sinne. Schaum vorm Mund war nicht nötig, um einmal mehr das alte Lied anzustimmen, dass diese Institution nun eben hoffnungslos veraltet sei und von diesem Papst auch ausdrücklich weiterhin ihrer starren Verharschtheit ausgeliefert werde.

    Das Verbot der Pille für Katholiken konnte nur mit einem Kopfschütteln abgetan werden. Der Zölibat? Eine zur Erstarrung führende Mauer für Priester. Kein Wort von der brennenden Liebe zu Christus und den Menschen und der Freiheit zum Volleinsatz. Auf die Frage nach Gott angesichts leidvoller Katastrophen meinte Küng, dass es darauf von der Theologie her keine Antwort gäbe. Und während die Frage nach dem ewigen Leben lediglich gestreift wurde, ließ er es in der Schlussrunde nicht an Eindeutigkeit fehlen. Der Mensch müsse die Freiheit haben – so wie Walter Jens es gewollt, aber leider verpasst habe – nach eigener Maßgabe sein Leben zu beenden. Die Frage, wie sich diese Vorstellungen mit den biblischen Aussagen vereinbaren lasse, stand nicht zur Debatte.

    Der liebenswürdige Thomas Gottschalk spielte in dieser faustischen Persiflage den jungen Schüler. Als Kind habe er Priester werden wollen, bekannte der frühere Messdiener, der auch Absolvent der katholischen Journalistenschule „Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses“ (ifp) ist. Gottschalk beklagte, bei Gottesdiensten fehle ihm heute eine geistige Seelsorge. „Ich kann relativ selten irgendetwas nach Hause nehmen, wo man sagt: Donnerwetter, das war jetzt wirklich eine Bereicherung meines intellektuellen und geistigen Suchens.“ Dennoch hänge er bis heute „noch dem katholischen Glauben nach“.

    So gern, bekundete er, würde er seinen Söhnen den katholischen Glauben, in den er hineingeboren worden sei, erklären, und sie davon überzeugen. Aber dafür sei die Speise aus Rom auch für ihn im Erwachsenenalter nun doch zu schwer verständlich geworden. Doch es treibe ihn um, meinte er, den Sinn seines Lebens und die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod plausibel erklärt zu bekommen. Tommi, warst du dafür wirklich in der richtigen Veranstaltung?