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    "Jetzt bist Du großer Bruder"

    Erziehung zur Liebe: Bücher und Anregungen zur Familien- und Sexualerziehung in heutiger Zeit - Teil II der Reihe Von Cornelia Huber

    In diesem zweiten Teil der Bücherschau geht es um die Begleitung von Kindern vom Kleinkindalter bis in die Vorpubertät. Diese Altersgruppe umfasst eine große Spanne. Insofern sind die Altersempfehlungen bei den einzelnen Büchern immer als Vorschlag zu sehen, den die Eltern auf die konkrete familiäre Situation hin anpassen können. Eltern kennen ihr Kind selbst am besten und können meist gut einschätzen, wie viel das Kind bereits versteht.

    Wenn sich ein Geschwisterchen ankündigt oder in der Umgebung Nachwuchs kommt, stellen Kinder von sich aus viele Fragen. Es ist wichtig, in einer Atmosphäre der Geborgenheit mit ihnen zu sprechen. Jüngere Kinder suchen gerne die körperliche Nähe der Eltern beim Vorlesen, Grundschulkinder freuen sich über eine ungeteilte exklusive Zeit mit Mutter oder Vater. Als Christen dürfen wir dabei auch auf Gottes gute Schöpfung verweisen: von Ihm kommt alles Leben, und jedes Kind ist von Ihm gewollt.

    Ganz einfach in der Sprache und mit ansprechenden Illustrationen gestaltet sind die beiden Bücher von Miriam Cordes/ Sonja Fiedler-Tresp: „Jetzt bist du große Schwester!“ und „Jetzt bist du großer Bruder!“ Aus stabiler Pappe hergestellt, halten sie auch tapsige Kinderhände aus. Im Vordergrund steht hier die Freude am neuen Geschwisterchen: das Staunen über den kleinen Menschen und die Bestätigung für das große Kind durch die Eltern. Das Buch zeigt anschaulich, wie das ältere Kind bei der Versorgung des Babys mithelfen kann und sich weiterhin geborgen bei Mama und Papa erlebt.

    Schon etwas älter, aber immer noch empfehlenswert ist das Buch „Ich will auch Geschwister haben“ von Astrid Lindgren. Die bekannte Autorin erzählt, wie der kleine Peter eines Tages einen Jungen trifft, der stolz den Kinderwagen mit dem Brüderchen schiebt. Peter überlegt sich, dass er auch gerne Geschwister haben möchte. Als Peters Schwester Lena geboren ist, ändert sich sehr viel für Peter. Aber als er durch die liebevolle Zuwendung der Mutter versteht, dass auch er als kleines Kind genauso von der Mutter versorgt wurde wie jetzt die kleine Schwester und die Mutter ihn um seine Hilfe bittet, freut er sich, nun großer Bruder zu sein. Schließlich kommt noch der kleine Bruder Nils dazu. Peter ist nun ganz sicher, dass er seine Schwester nicht mehr gegen ein Dreirad umtauschen möchte, denn sie haben viel Spaß miteinander.

    „Wenn ein Kind heranwächst, ist von außen erst mal nichts zu sehen. Doch was da drinnen passiert, ist spannender als jeder Krimi“, so beginnt das Buch „Ein Baby im Bauch“ des Kinderarztes Holm Schneider. Er beschreibt in kindgerechter Sprache die verschiedenen Entwicklungsphasen des Kindes im Mutterleib. Wann beginnt das Herz zu schlagen? Wann wiegt es etwa soviel wie ein Brief? Wann macht es die ersten Purzelbäume? Wann hört es, dass jemand spricht? Lebendig wird das Buch durch die fröhlichen Illustrationen von Peter Guckes. Auch für Kinder im Grundschulalter, die Fragen zur Entwicklung des Kindes in der Schwangerschaft haben, ist dieses Buch gut geeignet.

    In der Vorpubertät interessieren sich die Kinder dafür, was auf sie zukommt, wenn sie älter werden. Vielleicht haben sie schon die ersten Anzeichen an sich selbst bemerkt. In erster Linie möchten sie Bescheid wissen: über sich, ihren Körper und das Wunder des Lebens. Auch in der Grundschule beinhalten Lehrpläne diese Themen. Wenn Aufklärung in der Klassenstufe des Kindes ansteht, sollten Eltern frühzeitig aktiv werden und das persönliche Gespräch mit dem Lehrer suchen, um sich zu informieren. Gleichzeitig ist dies eine Gelegenheit, dem Lehrer gute Materialien wie die folgenden Bücher zu empfehlen, die auch für den Einsatz in der Schule konzipiert sind.

    Von Annett Arnold und Elisabeth Pesahl zum Beispiel stammt ein Arbeitsbuch für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 12 Jahren (etwa 4. bis 6. Klasse); bei der Ausgabe für die Jungen hat Dr. Martin Feichtinger mitgearbeitet. Das Buch heißt „Ich und mein Körper – für Mädchen“ beziehungsweise „Ich und mein Körper – für Jungs“; zu beziehen sind sie beim Herausgeber (www.teen-star.de/service/kursbuch).

    Das Arbeitsbuch ist ein persönliches Buch für die Mädchen beziehungsweise Jungen und befasst sich mit den Themen, die an der Schwelle zur Pubertät wichtig sind: die körperlichen Veränderungen und die Reifung der Fruchtbarkeit beim Mädchen und beim Jungen, die Entstehung und Entwicklung eines neuen Menschen und der eigene Entwicklungsweg von der Kindheit über die Jugendzeit bis zum Erwachsenenalter.

    Liebe, Geschlechtlichkeit und neues Leben werden in ihren Sinnzusammenhängen dargestellt. Wie ein roter Faden zieht sich die Wertschätzung des Junge-Seins und Mädchen-Seins durch. Die Informationen sind sachlich gehalten und können auch später immer wieder nachgelesen werden. Die Darstellung ist übersichtlich, die Gestaltung ausdrucksvoll und ästhetisch. Manche Seiten sind zum Ausfüllen oder Einkleben vorbereiteter Ausschneideblätter gedacht (zum Beispiel: wer bin ich? Was sind meine Stärken? Was ist gesunde oder ungesunde Freundschaft?). Andere Seiten laden dazu ein, sie gemeinsam mit der Mutter oder dem Vater zu lesen und auszufüllen. Die Eltern haben ein ansprechendes Medium an der Hand, um ins Gespräch mit Sohn oder Tochter zu kommen. Dadurch wächst das Vertrauen und die Beziehung wird gestärkt. Es entsteht ein Raum für die individuellen Fragen des Kindes.

    Regula Lehmann und Dr. Pascal Gläser sind die Autoren von zwei witzig illustrierten Aufklärungsbüchern für Jungen und Mädchen im Alter von 10–13 Jahren: „Wir Powergirls – Das schlaue Mädchenbuch“ beziehungsweise „Rakete startklar! Wie aus Jungs echte Kerle werden“. Sie laden im Schlusskapitel dazu ein, den Lebensweg mit Gott zu gehen. Die Ausgabe als Cool School Edition ist im Hinblick auf den Schulunterricht weltanschaulich neutral. Inhaltlich geht es um die Veränderungen bei Jungen und Mädchen durch die Pubertät, den Umgang mit Gefühlen, Grenzen setzen und Mobbing, Lebensziele und echte Vorbilder. Der sprechende Begriff „Innenweltverschmutzung“ sensibilisiert für einen verantwortungsvollen Umgang mit Videoclips und Zeitschriften. Eingebettet sind die Themen in Erlebnisse von zwei Mädchen beziehungsweise Jungen, die in jugend- und altersgerechter Sprache erzählt werden.

    Tessy geht ziemlich unmotiviert zu einem Mädchenworkshop, zu dem sie ihre Mutter angemeldet hat. Eigentlich hat sie überhaupt keine Lust auf „Pickel, Pubertät und andere komische Sachen.“ Aber der Kurs gefällt ihr total gut, und nach jedem Treffen bespricht sie alles mit ihrer Freundin Anja. Die beiden Freunde Toby und Tim machen sich auf eine virtuelle Abenteuerreise in die Welt des Erwachsenwerdens und unternehmen einen Planetentrip. Zutrittsberechtigt: nur Jungs zwischen 10 und 13 Jahren. Nach vielen spannenden Erlebnissen und neuen Erkenntnissen zum Treibstoff Testosteron freuen sich die Freunde auf „das Abenteuer, einmal ein durch und durch echter Kerl zu werden“.

    Cornelia Huber ist Beraterin bei INER (Institut für natürliche Empfängnisregelung)und Mutter einer Großfamilie.

    Von Cornelia Huber

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