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    Internetattacke auf das Smartphone

    Überfüllte Arztzimmer, die Angst vor eingeschalteten Herdplatten im Urlaub oder dem Dieb, der die Wohnung ausräumt. In Zukunft wird es das alles nicht mehr geben – vorausgesetzt, man benutzt ein Smartphone. Auf der Computermesse Cebit stand das Handy mit Internetzugang in diesem Jahr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Doch die neue Technik birgt Gefahren, denn wo das Internet ist, dort tauchen auch Viren und Hackerprogramme auf.

    Virenjäger Eugene Kaspersky. Foto: dpa

    Überfüllte Arztzimmer, die Angst vor eingeschalteten Herdplatten im Urlaub oder dem Dieb, der die Wohnung ausräumt. In Zukunft wird es das alles nicht mehr geben – vorausgesetzt, man benutzt ein Smartphone. Auf der Computermesse Cebit stand das Handy mit Internetzugang in diesem Jahr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Doch die neue Technik birgt Gefahren, denn wo das Internet ist, dort tauchen auch Viren und Hackerprogramme auf.

    Was einmal ein Handy war, ist heute ein Multifunktionsgerät. Wie kleine PCs sind die neuesten Smartphones mittlerweile ausgebaut – nur handlicher im Gebrauch und wesentlich kleiner. Man kann damit im Internet surfen, Emails schreiben, Online-Banking nutzen und vieles mehr. Für diese Dienste gibt es die „Apps“ – Anwendungen, die sich jeder Nutzer für sein Smartphone kaufen kann. Da gibt es zum Beispiel ein App für die Tageszeitung auf dem Handy, ein App für Übersetzungen, eines für die neueste Musik; im Jahr 2010 gab es weltweit bereits mehr als 500 000 verschiedene Apps. So praktisch diese kleinen Anwendungen auch sind, in jüngster Zeit gab es immer wieder Sicherheitsprobleme. Vergangene Woche war das Google-Betriebssystem mit bösartigen Apps attackiert worden. Ziel des Angriffs war, Daten von Nutzern auszuspionieren. Angeblich hatten bereits 50 000 bis 200 000 diese falschen Apps heruntergeladen, bevor Google die Panne bemerkte und die Apps auf den betroffenen Handys durch Säuberungsprogramme löschen ließ. Google betonte, den Angreifern sei es höchstens gelungen, die Identifizierungsnummer des Telefons herauszufinden und welche Android-Version auf dem Gerät läuft. „Viele Smartphonenutzer machen sich über Sicherheit auf ihrem mobilen Endgerät überhaupt keine Gedanken. Aber leider gibt es sie, die bösen Jungs, die auch für Handys Schadsoftware entwickeln, etwa um vertrauliche Daten auszuspionieren. Immer wieder sind Kunden dann überrascht, dass ihr Handy infiziert ist“, sagte Eugene Kaspersky, Virenexperte und Gründer der gleichnamigen Softwarefirma im Deutschlandfunk. Eine Schutzsoftware für das Handy, die funktioniert wie eine Firewall auf dem PC, gibt es bereits, jedoch wird die von den Verbrauchern viel zu wenig genutzt.

    Doch die Möglichkeiten der Smartphones werden immer größer und damit auch die Gefahr, Daten ungewollt preiszugeben. Wie am PC ist es mittlerweile auch über das Handy schon möglich, Online-Banking zu machen. Bei einem ungesicherten Smartphone ist dies aber gefährlich, da sich Hacker speziell auf das Abwickeln von Geldgeschäften über das Handy spezialisiert haben. Deshalb warnt nun auch das Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor einer Angriffswelle auf Smartphones. Ziel der Angriffe sind dabei aber nicht die Handys der Verbraucher, sondern die Onlinebanking-Seiten der Banken. Dabei wird die Homepage einer Bank täuschend ähnlich nachgebaut und der Nutzer darauf umgelenkt. Gibt der Nutzer seine Handydaten dann auf dieser Homepage ein, installiert sich eine Spionage-Software auf dem Smartphone, das die mTAN-Nummer des Onlinebankings auslesen kann.

    Bei der Computermesse Cebit standen das Smartphone und dessen neueste Entwicklungen im Mittelpunkt – und dabei auch die Sicherheit der neuen Technik. Viele verschiedene Anbieter haben schon Sicherheitsprogramme für Handys. Lutz Labs vom Computer-Magazin c't rät allerdings, nur Programme namhafter Antiviren-Spezialisten herunterzuladen. Dazu gehören beispielsweise Symantec, Kaspersky, McAfee, Avira oder AVG: „Wenn man nicht weiß, wo das Programm herkommt – also von etablierten Antivirenherstellern – wenn das aus irgendwelchen dubiosen Quellen kommt, dann kann diese Software eher Schädlinge transportieren oder selbst als Virus arbeiten.“

    Was man mit dem Smartphone der Zukunft machen kann, das testen die Einwohner von Friedrichshafen schon heute. Seit 2007 ist die Stadt am Bodensee „Zukunftswerkstatt“ der Deutschen Telekom. Dort wird das getestet, was auf der Cebit noch wie Zukunftsmusik klingt: Horrorvorstellungen wie „Bügeleisen vergessen“ oder „Herdplatte nicht ausgeschaltet“ könnten bald ein Ende haben. Denn über Smartphones oder Tabletcomputer kann man dann von unterwegs Elektrogeräte ein- oder ausschalten. Solle es zu Hause einmal brennen, dann übernimmt das System sogar Funktionen eines Feuermelders: Eine Rauchentwicklung zeigt „HomeNetwork 2.0“ direkt auf dem eigenen Smartphone an. Wer in den Urlaub fährt und trotzdem gerne Anwesenheit simulieren möchte, soll das in Zukunft ebenfalls übers Handy steuern können. Zu bestimmten Zeiten gehen Licht oder Musik an, die Rollläden fahren hoch oder herunter. Auch für die Gesundheit wird das Smartphone förderlich sein. Denn anstatt die freie Zeit im Wartezimmer des Arztes zu verbringen, soll man seine Körperdaten wie Blutzucker, Blutdruck und Gewicht dann per Smartphone an den Hausarzt schicken können. Nicht auszudenken ist jedoch was passiert, wenn der Sicherheitsschutz nicht auch stetig weiterentwickelt wird. Denn was würde geschehen, wenn falsche Gesundheitsdaten beim Arzt ankämen, oder statt dem eingeschalteten Bügeleisen das ausgeschaltete Bügeleisen eingeschaltet würde?

    Diese Gefahr schreckt jedoch nur Wenige ab; das Smartphone ist so beliebt wie nie. Vom einstmals seltenen Luxus ist es inzwischen zum notwendigen Accessoire geworden. Es ist nicht mehr nur einfach wichtig, immer und überall telefonisch erreichbar zu sein, sondern vielmehr auch selbst mobil auf das Internet zugreifen zu können. Für Geschäftsreisende mag dies sicher einen Nutzen bringen, der normale Verbraucher jedoch ist zumeist überfordert. Die Ansprüche an ein Handy – nämlich telefonieren und SMS verschicken zu können – haben sich noch nicht großartig geändert. Das zeigen auch Studien in Friedrichshafen: Nur jeder Vierte der über 60 000 Einwohner nutzt die vielen Möglichkeiten.