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    In den Fängen der Drogenmafia

    Seit Jahren werden Kinder und Jugendliche in Mexiko in den Drogenkrieg hineingezogen – als Auftragskiller oder Spitzel. Die Stadt Monterrey will ihnen neue Perspektiven aufzeigen.

    Seit Jahren werden Kinder und Jugendliche in Mexiko in den Drogenkrieg hineingezogen – als Auftragskiller oder Spitzel. Die Stadt Monterrey will ihnen neue Perspektiven aufzeigen.

    Bisher war Francisco ein „Falke“, ein Spion für die mexikanischen Drogenbanden. Der Junge beobachtete die Polizei oder rivalisierende Gruppen und informierte seine Auftraggeber, wenn etwas Verdächtiges passierte. Jetzt hat der 16-Jährige ein neues Leben angefangen – fern der Kriminalität. In einem Gemeindezentrum der Stadt Monterrey im Nordosten Mexikos hat er wieder mit der Schule begonnen, besucht Spanischstunden, spielt Fußball und hat die Musik für sich entdeckt. Francisco nimmt an einem Programm teil, das die Regierung des Bundesstaates Nuevo León gestartet hat – für Jugendliche wie ihn, damit sie aus den Klauen der Drogenbanden entkommen.

    Das Zentrum liegt in der berüchtigten „Colonia Independencia“, einem sozialen Brennpunkt Monterreys. Rund 70 000 Menschen leben in dem Viertel. Jahrelang wurden die Straßen von Drogenbanden kontrolliert, sodass sich nicht einmal die Polizei hineinwagte. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Francisco in das Milieu abrutschte. Seine Freunde drängten ihn dazu, sie waren schließlich auch drin.

    Etwa 23 000 Kinder und Jugendliche in Mexiko sind in den vergangenen fünf Jahren in die Fänge von organisierten Banden geraten, schätzt der Ausschuss für öffentliche Sicherheit des Abgeordnetenhauses in einem im vergangenen Jahr vorgelegten Bericht. Francisco hat ein Stipendium und belegt Vorbereitungskurse für den angestrebten Schulabschluss. „Ich bin sehr glücklich, weil ich lernen werde, ohne Ausgaben zu haben. Das hat mich vorher davon abgehalten. Und nun kann ich sogar Musikklassen belegen.“ Vor allem liebt er Vallenato, eine kolumbianische Musikform, die in einem Ensemble aus Akkordeon, Trommel und Schlaginstrument gespielt wird.

    Auf einem Freigelände sind zwei Gebäude errichtet worden, in denen die Kurse angeboten werden. Sporthallen, ein Kinosaal, Klassenzimmer und andere Einrichtungen für pädagogische Zwecke sind dort entstanden. Gefördert wurde das Ganze vom Ministerium für Soziales im Bundesstaat Nuevo León.