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    Immer überraschend, immer außergewöhnlich

    „Man hat im vorigen Jahr alle Sinfonien von Herrn Haydn aufgeführt. Jeden Tag versteht man sie besser, und aus diesem Grunde bewundert man die Werke dieses vielseitigen Genies jeden Tag mehr. Jedes seiner Stücke ist sehr gut gemacht, von einmaligem Inhalt und zeigt die reichsten und verschiedenartigsten Entwicklungen“, berichtet im Jahr 1788 die französische Zeitschrift „Mercure de France“ über die Aufführung der sechs Pariser Symphonien von Joseph Haydn (1732 bis 1809). Der Rezensent ordnet die sechs Werke aus der Feder des Wiener Klassikers mit den Worten ein: „Sie unterscheiden sich sehr von jenen unfruchtbaren Komponisten, die fortwährend von einem Gedanken zum anderen schweifen und mechanisch Effekte auf Effekte häufen, ohne inneren Zusammenhang und ohne Geschmack.“

    „Man hat im vorigen Jahr alle Sinfonien von Herrn Haydn aufgeführt. Jeden Tag versteht man sie besser, und aus diesem Grunde bewundert man die Werke dieses vielseitigen Genies jeden Tag mehr. Jedes seiner Stücke ist sehr gut gemacht, von einmaligem Inhalt und zeigt die reichsten und verschiedenartigsten Entwicklungen“, berichtet im Jahr 1788 die französische Zeitschrift „Mercure de France“ über die Aufführung der sechs Pariser Symphonien von Joseph Haydn (1732 bis 1809). Der Rezensent ordnet die sechs Werke aus der Feder des Wiener Klassikers mit den Worten ein: „Sie unterscheiden sich sehr von jenen unfruchtbaren Komponisten, die fortwährend von einem Gedanken zum anderen schweifen und mechanisch Effekte auf Effekte häufen, ohne inneren Zusammenhang und ohne Geschmack.“

    In der Tat markieren die in den Jahren 1785 und 1786 im Auftrag eines wohlhabenden Pariser Freimaurers für die nicht-öffentlichen Konzerte der damals bedeutenden Konzertreihe „Concert de la Loge Olympique“ komponierten Sinfonien in zweifacher Hinsicht ein musikgeschichtlich bedeutendes Datum. Zum einen in Bezug auf das Schaffen des Komponisten Haydn selbst. Denn mit den als Nummer 82 bis 87 gezählten Pariser Sinfonien, die den Übergang in das Spätwerk Haydns darstellen, komponierte er erstmals einen zusammenhängenden Zyklus in seinem riesigen Oeuvre – später sollten noch die zwölf sogenannten Londoner Sinfonien folgen. Es war der erste Auftrag aus dem Ausland, den der Kapellmeister des Fürsten Esterhazy seinerzeit erhielt – und es war erstmals Musik, die er für ein großes weltstädtisches Publikum verfasste. Was aber nicht bedeutet, dass die bisherigen Sinfonien am Hofe Esterhazy so etwas wie Repräsentationsmusiken waren, im Gegenteil: Haydn konnte in den fast drei Jahrzehnten am Hofe der ungarischen Adelsfamilie seinen Kompositionsstil formen und variieren, da er günstige Rahmenbedingungen und das notwendige Umfeld für die eigene künstlerischen Entwicklung nutzen konnte. Andererseits wird mit den Pariser Sinfonien, nicht zuletzt aufgrund ihrer großen und reichhaltigen sinfonischen Form und Instrumentierung sowie ihren zahlreichen neuen musikalischen Elementen und kontrapunktischen Formen in der Orchesterbehandlung die Gattung Sinfonie als solche entscheidend und nachhaltig etabliert.

    „Nicht zuletzt Beethoven ist es, der als Sinfoniker gerade hieran anknüpfen wird“, sagt Andras Spering, für den Haydn zu einem der bedeutendsten Komponisten aller Zeiten zählt. „Haydn ist immer im Fluss, seine Werke immer überraschend, immer außerordentlich“, sagt der Dirigent und Cembalist. Der Spezialist für Alte Musik hat zudem aber auch beobachtet, dass das Schaffen Haydns vielfach unterschätzt wird. „Als ich mit dem Haydn-Festival begann, wurde mir dafür von vielen Seiten wenig Erfolg vorhergesagt.“ Es kam anders: Spering begann vor 15 Jahren seine Bewunderung und Leidenschaft für Haydn mit einem eigenen Schwerpunkt innerhalb der von ihm seit 1996 künstlerisch verantworteten Brühler Schlosskonzerte zu implementieren. Die ersten Konzerte in den Jahren 2002 und 2003 mit der von Spering eigens gegründeten Capella Clementina fanden bei weiteren Interpreten und beim Publikum so viel Zuspruch, dass das Haydn-Festival seit nunmehr 15 Jahren eine feste Koordinate im deutschen Konzertkalender ist. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln werden dann Kompositionen Haydns aufgeführt – dieses Mal beispielsweise sein Streichquartett op. 20 in einer Bearbeitung für Saxophonquartett.

    Mehr noch: Die rund zehn Tage umfassenden Haydn-Konzerte sind ein Alleinstellungsmerkmal für die Brühler Schlosskonzerte. 1958 gründete der Dirigent, Theologe und ehemalige Benediktinernovize Helmut Müller-Brühl die Konzertreihe für barocke und klassische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Seitdem wurden in dem von Balthasar Neumann erbauten weltberühmten prunkvollen Treppenhaus des zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Schlosses des einstigen Kölner Kurfürsten Clemens August (1700 bis 1761) zahlreiche Werke unbekannter Komponisten, aber auch zahlreiche unbekannte Werke bekannter Komponisten aufgeführt. So erklang beispielsweise beim Eröffnungskonzert dieses Jahres neben Werken des allseits bekannten Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) auch ein Werk der wohl nur experten Musikkennern bekannten Komponistin Maria Margherita Grimani (frühes 18. Jahrhundert).

    Im Rahmen des diesjährigen Haydn-Festivals (19. bis 27. August) wird Andreas Spering die sechs Pariser Sinfonien interpretieren. Der Blick des 50 Jahre alten Musikers geht aber auch schon weiter: „Natürlich hoffe ich, auch einmal die Londoner Sinfonien aufführen zu können.“ Doch dazu benötige er ein zweites Orchester, macht Spering die Herausforderung für die Aufführung dieses zweiten Sinfonienzyklus unter den insgesamt 107 Sinfonien Haydns deutlich. Ein weiteres Ziel: Spering will den tief religiösen Haydn stärker als bislang auch als Komponisten bedeutender geistlicher Werke herausstellen. Die Vertonungen des Messordinariums, insbesondere die sechs großen Messen, verschiedene Vertonungen des „Salve Regina“, das „Stabat Mater“, die Oratorien, aber auch die zwar für einen weltlichen Rahmen geschriebenen, aber zutiefst geistlich durchwirkten Werke wie „Die Schöpfung“ oder „Die vier Jahreszeiten“ sind hier zu nennen.

    Programm und Karten unter Telefon 0 22 32/94 18 84.