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    Im Lieblingshotel in New York

    Die Kurzfilmsammlung hat sich inzwischen als Filmformat so etabliert, dass die Fachwelt einen eigenen Begriff dafür verwendet: Als „Omnibusfilme“ werden solche Kollektivwerke bezeichnet, die mehrere Kurzfilme von unterschiedlichen Regisseuren meist unter einem gemeinsamen Thema vereinen. In der Regel laufen allerdings die Filme auf der Leinwand einfach hintereinander ab. Gerade darin überrascht jedoch der nun im regulären Kinoprogramm anlaufende „New York, I Love You“: Er verknüpft in Ansätzen die unterschiedlichen Episoden miteinander.

    Die Kurzfilmsammlung hat sich inzwischen als Filmformat so etabliert, dass die Fachwelt einen eigenen Begriff dafür verwendet: Als „Omnibusfilme“ werden solche Kollektivwerke bezeichnet, die mehrere Kurzfilme von unterschiedlichen Regisseuren meist unter einem gemeinsamen Thema vereinen. In der Regel laufen allerdings die Filme auf der Leinwand einfach hintereinander ab. Gerade darin überrascht jedoch der nun im regulären Kinoprogramm anlaufende „New York, I Love You“: Er verknüpft in Ansätzen die unterschiedlichen Episoden miteinander.

    Das Projekt geht auf den Produzenten Emmanuel Benbihy zurück, der im Jahre 2006 nach dem gleichen Muster „Paris, je t'aime“ realisierte. Wie der Titel vermuten lässt, handeln die Kurzfilme von in New York angesiedelten Liebesgeschichten. Emmanuel Benbihy versammelt in seinem „Omnibusfilm“ elf Filmregisseure aus der ganzen Welt, darunter etwa die Inderin Mira Nair, den Pakistani Shekhar Kapur, den deutsch-türkischen Regisseur Fatih Akin oder auch die Schauspielerin Natalie Portman in ihrem Regiedebüt. Jeder Filmemacher sollte in einem anderen Stadtviertel drehen, der Beitrag etwa acht Minuten lang sein. Die Regisseure konnten mit bekannten Schauspielern arbeiten: Von den Jungstars Natalie Portman, Christina Ricci, Shia LaBeouf und Hayden Christensen über Orlando Bloom, Ethan Hawke, Andy Garcia, Robin Wright Penn und Chris Cooper bis hin zu den etwa siebzigjährigen Julie Christie und John Hurt sowie dem fast 95-jährigen Eli Wallach.

    Obwohl die Regisseure mit demselben Produktionsteam zusammenarbeiteten, sind die Ergebnisse naturgemäß unterschiedlich. Besonders in Erinnerung bleibt das Segment von Joshua Marston, der 2004 mit „Maria voll der Gnade“ sein Spielfilmdebüt lieferte: Am 63. Hochzeitstag geht das New Yorker Ehepaar Abe (Eli Wallach) und Mitzie (Cloris Leachman) auf Coney Island spazieren. Eine Momentaufnahme im Leben älterer Menschen, die sich immer wieder sticheln, die aber ihr langwährendes Liebesglück genießen. Stilistisch ragt aus der Kurzfilmsammlung insbesondere Shekhar Kapurs Episode heraus, in der eine alternde Operndiva (Julie Christie) in ihr altes Lieblingshotel in der Upper East Side zurückkehrt. In der Begegnung mit einem jungen hinkenden Butler (Shia LaBeouf) und einem alten Rezeptionisten (John Hurt) macht die von Suizidgedanken geplagte Opernsängerin auf surreale Art eine Zeit und Raum sprengende Erfahrung.

    Dramaturgisch stimmig nimmt sich auch etwa Mira Nairs Segment im Diamond District aus: Aus dem Verkaufsgespräch zwischen dem indischen Diamantenhändler Mansukhbai (Irrfan Khan), einem strenggläubigen Anhänger des indischen Jainismus, und der Jüdin Rifka (Natalie Portman), die kurz vor der Hochzeit nach den strengen Regeln des Chassidismus steht, entwickelt sich eine romantische Fantasie. Ebenso erzählerisch dicht dreht Fatih Akin in Chinatown eine Kurzgeschichte um einen älteren Maler (Ugur Yücel), der von einer jungen, zurückhaltenden Chinesin (Shu Qi) so ergriffen ist, dass er sie bittet, ihm Model zu stehen.

    Andere Episoden setzen eher auf eine Pointe, auf die ihr etwa achtminütiger Film hinauslaufen soll. Gut gelungen ist dies dank der hervorragenden Schauspieler in Yvan Attals zweiten Beitrag – Attal ist der einzige Regisseur, der zu „NewYork, I Love You“ zwei Kurzfilme beisteuert: Ein Mann (Chris Cooper) und eine Frau (Robin Wright Penn) rauchen vor einem Restaurant eine Zigarette. Sie kommen ins Gespräch, und unterhalten sich über die zufälligen Begegnungen, die solche Augenblicke ermöglichen. Ebenso vergnüglich sieht der Zuschauer in Wen Jiangs Episode zu, wie ein junger Taschendieb (Hayden Christensen) in einem Hochschullehrer (Andy Garcia) seinen Meister findet. Gut gemeint, aber zu vorhersehbar gestaltet hingegen Natalie Portman ihr Segment, in dem im Central Park ein kleines weißes Mädchen (Taylor Geare) und ein dunkelhäutiger Mann (Carlos Acosta) spielen, den die New Yorker Mütter für ein fürsorgliches männliches Kindermädchen halten.

    Weil hin und wieder in einem Beitrag Figuren aus einem späteren Segment kurz auftauchen, schafft der Omnibusfilm fließende Übergänge zwischen den einzelnen Episoden, die „New York, I Love You“ trotz qualitativer Unterschiede eine gewisse Einheit verleiht. Darüber hinaus schafft Randall Balsmeyers Film über eine Dokumentarfilmerin (Emilie Ohana), die den aus einzelnen Episoden bekannten Figuren begegnet, eine Art „Rahmenhandlung“.

    Allerdings erschließt sich dem Zuschauer kaum, was das spezifische „New Yorker Gefühl“ an diesen Episoden sein soll. Obwohl etwa Mira Nairs Segment das Interkulturelle besonders betont, hätten im Grunde die Kurzfilme so oder ähnlich in jeder beliebigen Großstadt der Welt stattfinden können.

    Von José García