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    „Ich freue mich über die gelungenen Spiele“

    Die Olympischen Spiele in Sotschi sind vorbei. Was ist Ihr persönlicher Eindruck von den Wettkämpfen? Sie wissen, Sotschi liegt 1 520 km von meinem Wohnort Saratow entfernt. Es war mir nicht möglich, persönlich dabei zu sein.

    Ein Deutscher in Russland: Bischof Clemens Pickel. Foto: Archiv

    Die Olympischen Spiele in Sotschi sind vorbei. Was ist Ihr persönlicher Eindruck von den Wettkämpfen?

    Sie wissen, Sotschi liegt 1 520 km von meinem Wohnort Saratow entfernt. Es war mir nicht möglich, persönlich dabei zu sein. „Leider“ – sage ich heute ganz bewusst, denn aus verschiedensten Zeugnissen weiß ich, dass es sehr schön dort war. Es waren Sport und Enthusiasmus, Adrenalin und das Erleben von Welt, von der einen, unseren Welt. Es gab keine Anschläge, keine Ausschreitungen.

    War die Berichterstattung aus Ihrer Sicht objektiv? Man konnte den Eindruck haben, dass kein Fan freiwillig nach Sotschi reist.

    Manchmal war es lächerlich, wie Journalisten, die unbedingt etwas Negatives berichten wollten, Dinge an den Haaren herbeigezogen haben. Die Freude der Fans war echt. Die meisten waren aus Russland. Sie wurden nicht dafür bezahlt, dass sie kamen, sondern haben dafür bezahlt, dass sie kommen durften.

    Im Vorfeld hatte es Proteste gegen Präsident Wladimir Putins Haltung gegenüber Homosexuellen gegeben. Wie ist dieses Thema aus Ihrer Sicht während Olympia behandelt worden?

    Zum Thema der Haltung Putins gegenüber Homosexuellen möchte ich hier nur kurz antworten: Würde das Thema im Westen nicht so hochgespielt, hätte Putin kurz vor der Olympiade auch nicht so knapp und scharf reagiert. Auch in Russland wird Homosexualität weder als Verbrechen, noch als Chromosomensprung in der richtigen Richtung angesehen.

    Die Organisatoren von Olympischen Spielen erheben den Anspruch, mit der Veranstaltung zum Frieden in der Welt beizutragen. Ist das nicht eine Illusion? Sollten die Spiele nicht eher so unpolitisch wie möglich sein?

    Der Sport hatte Menschen zusammengeführt. Was sie erlebten war mehr. Der natürliche olympische Beigeschmack von Frieden war hier keine trügerische Illusion, sondern ein Zeichen, dass es geht. Ich glaube, es waren die Mannschaften des Irans und Israels, die bei der Eröffnungsfeier direkt nacheinander ins Station zogen. Fairer, unpolitisierter Sport hat eindeutig dominiert. Ich freue mich mit Russland über die gelungenen Olympischen Winterspiele.

    Im Nachbarland Ukraine kam es während der Spiele zu dramatischen politischen Ereignissen. Was kann die Kirche tun?

    Die Eskalation der Unruhen in der Ukraine, gerade während der Olympischen Spiele in Sotschi, hatte kaum direkten Einfluss auf den Verlauf der Spiele. Wir verfolgten die Nachrichten mit Sorge. Ich befürchte, dass die Zukunft der Ukraine nun zum großen Teil von ausländischer Hilfe abhängen wird. Dass die uneigennützig sein kann und muss, hat beispielsweise die katholische Kirche schon oft durch ihre „Caritas“ bewiesen.