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    Hund und Kind freunden sich an

    In den vierziger Jahren wächst in der französischen Alpenlandschaft von Savoyen, an der Grenze zur Schweiz, der etwa zehnjährige Sebastian (Félix Bossuet) beim kauzigen, aber liebenswerten Jäger César (Tchéky Karyo) auf. Um den offenbar Waisen kümmern sich liebevoll César und seine Nichte, die Bäckereiverkäuferin Angélina (Margaux Chatelier). Mit César ist Sebastian häufig in den Bergen unterwegs, so etwa als sie eine kleine Ziege entdecken, deren Mutter von Jägern erschossen wird. Dank einer waghalsigen Rettungsaktion können die beiden das hilflose Tier mit nach Hause nehmen. Von diesen Jägern mit dem Bürgermeister (Urbain Cancelier) an der Spitze erfahren Sebastian und César, dass eine „wilde Bestie“ gejagt wird, die Schafe reißen soll. Eines Tages trifft der Junge auf die riesige Hündin, die hungrig und etwas verwildert, vor allem unbeschreiblich schmutzig aussieht. Nach einem Bad im Bergbach kommt jedoch die Schönheit ihres weißen Fells so sehr zum Vorschein, dass Sebastian sie „Belle“ nennt. Junge und Hündin freunden sich an, streifen gemeinsam durch die Berge. Sebastian muss allerdings ein Versteck für Belle finden, denn die Dorfbewohner suchen die Gegend weiterhin nach ihr ab.

    In der schroff-malerischen Landschaft der Savoyer Alpen schließen der etwa zehnjährige Sebastian (Félix Bossuet) und die... Foto: Ascot Elite

    In den vierziger Jahren wächst in der französischen Alpenlandschaft von Savoyen, an der Grenze zur Schweiz, der etwa zehnjährige Sebastian (Félix Bossuet) beim kauzigen, aber liebenswerten Jäger César (Tchéky Karyo) auf. Um den offenbar Waisen kümmern sich liebevoll César und seine Nichte, die Bäckereiverkäuferin Angélina (Margaux Chatelier). Mit César ist Sebastian häufig in den Bergen unterwegs, so etwa als sie eine kleine Ziege entdecken, deren Mutter von Jägern erschossen wird. Dank einer waghalsigen Rettungsaktion können die beiden das hilflose Tier mit nach Hause nehmen. Von diesen Jägern mit dem Bürgermeister (Urbain Cancelier) an der Spitze erfahren Sebastian und César, dass eine „wilde Bestie“ gejagt wird, die Schafe reißen soll. Eines Tages trifft der Junge auf die riesige Hündin, die hungrig und etwas verwildert, vor allem unbeschreiblich schmutzig aussieht. Nach einem Bad im Bergbach kommt jedoch die Schönheit ihres weißen Fells so sehr zum Vorschein, dass Sebastian sie „Belle“ nennt. Junge und Hündin freunden sich an, streifen gemeinsam durch die Berge. Sebastian muss allerdings ein Versteck für Belle finden, denn die Dorfbewohner suchen die Gegend weiterhin nach ihr ab.

    Durch die Berge streifen allerdings nicht nur Sebastian und Belle sowie die Jäger auf der Suche nach der „Bestie“. Die Nähe zur Schweiz zieht Menschen ins Dorf an, die vor den Nazis fliehen, die im Jahre 1943 Frankreich zum Teil besetzen. Einer der Fluchthelfer ist der Arzt Guillaume (Dimitri Storoge), der auf die schöne Angélina, Sebastians „Tante“, ein Auge geworfen hat. Die Lage verkompliziert sich, als der deutsche Leutnant Peter (Andreas Pietschmann), der Flüchtlinge aufspüren und den Fluchthelfer im Dorf entdecken und verhaften soll, ebenfalls an Angélina Interesse bekundet.

    Nicolas Vaniers Spielfilm „Belle & Sebastian“ basiert auf der gleichnamigen sechziger Jahre-Fernsehserie nach Cécile Aubrys Kinderbuch, die ab 1968 auch in Deutschland zu sehen war. Die erste Kino-Verfilmung der ehemaligen Fernsehserie durch den vorwiegend als Dokumentarfilmer bekannten Nicolas Vanier besticht durch die beeindruckenden Bilder einer ursprünglichen Berglandschaft. Bereits die ersten, von einer erhabenen Musik untermalten Aufnahmen mit einem Adler und den Ansichten der schneebedeckten Alpen an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz aus der Vogelperspektive sowie die ausgesuchten Bilder eines schroffen Felsvorsprungs etablieren den hohen Anspruch, den Kameramann Éric Guichard an seine Arbeit stellt. Dagegen nimmt sich das Drehbuch von Regisseur Vanier und seinen Co-Autoren Juliette Sales und Fabien Suarez manchmal gewissermaßen holprig aus.

    Die Verlegung der Handlung, die in der Fernsehserie in den sechziger Jahren angesiedelt war, in die Vierziger und damit in die Zeit der Besatzung durch Nazi-Deutschland erlaubt, die wunderbare Freundschaft zwischen dem Jungen und Belle mit dem historischen Hintergrund zu verknüpfen. Die Drehbuchautoren entgegen bei der Figurenzeichnung der Versuchung einer Schwarz-weiß-Malerei. Denn im Dorf sind nur wenige Franzosen bereit, gegen die Besatzung aufzubegehren und den Flüchtlingen zu helfen. Trotz ihrer Abneigung gegen die Besatzer sind die meisten einfach angepasst. Auf der anderen Seite gibt es auch „den guten Deutschen“, der im Geheimen Widerstand leistet.

    Zwar spielt der Nebenstrang mit der deutschen Besatzung und der Fluchthilfe eine bedeutende Rolle in „Belle & Sebastian“. Nicolas Vanier schafft es jedoch, die Beziehung zwischen dem zehnjährigen Jungen und dem riesigen Hund in den Mittelpunkt seines Filmes zu stellen. So sind immer wieder Szenen zu sehen, in denen Belle und Sebastian in den Bergen einfach nur herumtollen. In für Kinderfilme typischer Manier ziehen Erwachsene nicht nur gegen Sebastian, sondern auch gegen Belle den Kürzeren, etwa wenn die Hündin deutschen Soldaten konfiszierte Würste einfach stibitzt. Auch wenn die Verknüpfung der zwei Handlungsstränge nicht immer ganz gelingt, ist es ein Verdienst von Regisseur Vanier, diese Lausbuben-Sequenzen mit den ernsten historischen Tatsachen verwoben zu haben. Bei der Verleihung des Prädikats „besonders wertvoll“ unterstrich die Filmbewertungsstelle Wiesbaden diesen Aspekt: Der Film „übermittelt auch ein Hohelied auf den Humanismus. In diesem authentischen Bergdorf leben Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens jüdischen Flüchtlingen über die Grenze helfen. Damit erzählt der Film zugleich einen Teil der Geschichte Frankreichs und öffnet einen differenzierenden Blick auf die deutschen Besetzer und diesen Abschnitt des Zweiten Weltkriegs.“ Dem jungen Publikum wird dadurch ein Zugang zu einem Abschnitt europäischer Geschichte eröffnet, und dies in keineswegs verharmlosender Weise.

    Über das natürliche Spiel von Félix Bossuet als Sebastian und die nuancierte Darstellung des brummigen Alten mit dem Herzen auf dem rechten Fleck durch den bekannten französischen Schauspieler Tchéky Karyo hinaus gelang den Filmemachern ein besonderer Coup: Der Jäger André wird von Mehdi dargestellt, der vor 45 Jahren in der Fernsehserie Sebastian verkörperte, und der außerdem der Sohn der Kinderbuchautorin Cécile Aubrey ist, auf deren Buch sowohl die Fernsehserie als auch Nicolas Vaniers Spielfilm basieren.