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    Hörfunkkritik

    Die Sendung hätte eine Chance sein können, aber sie wurde vertan. Zum Anlass von 50 Jahre Pille hat „Bayern 2“ am Sonntagabend zur besten Sendezeit ab 21.05 Uhr „Revolution im Bett – Wie die Pille die Liebe veränderte“ ausgestrahlt und als Podcast in das Internet gestellt. Wer die sonst kritischen Beitrage des Bayerischen Rundfunks gewöhnt war, ist nun enttäuscht – denn die Sendung war völlig einseitig auf den „Erfolg der Pille“ abgestellt. Viele Zeitzeuginnen der Einführung der Pille kamen zu Wort, und es gab nur wenige zögernde Stimmen, die damals dachten: „Wenn es die Pille gibt, dann wird es immer weniger Kinder geben.“ Der Tenor der meisten Frauen aber, die zu Wort kamen, war ganz anders: „Die Pille hat endlich geschafft, was Frauen wollen: sie sind nicht mehr länger unterdrückt“. Einige Frauen, die in den vierziger Jahren geboren wurden, empfanden Sexualität als angstbesetzt, das sagten auch die Männer. Angst war das meisten genannte Argument: die Angst, Kinder zu bekommen. Dass ein Leben mit Kindern schön sein kann, wurde nicht erwähnt. Und ergänzend heißt es auf der Internetseite von Bayern 2: „Keine Emanzipation ohne die Pille – Ihr Siegeszug war nicht aufzuhalten, denn sie versprach angstfreien Sex, Familienplanung und ein selbstbestimmtes Leben.“ Dass das Leben aber in Wirklichkeit durch die Pille bestimmt ist und sich deswegen die Liebe änderte, für die Treue und der Sinn der Ehe kaum noch eine Rolle zu spielen brauchten, war für „Bayern 2“ völlig sekundär. Vielmehr nannten es die befragten Frauen eine Last, vor der Einführung der Pille in Deutschland 1961 mit schlechtem Gewissen beichten gehen zu müssen und dem Pfarrer zu sagen, man habe schon wieder sündige Gedanken. So wurde die Position der Kirche zur Sexualität ausschließlich negativ dargestellt. Auch das zaghafte Argument einer älteren Dame, mehr Kinder seien nötig, um künftigen Steuern zu zahlen, sollte wohl eher nervend wirken. Dafür fehlte der Hinweis nicht, dass nie zuvor so viele Pillen verkauft wurden wie in den zwei Monaten nach deren Verbot 1968 durch Papst Paul VI. So war die Sendung nur ein einziger Aufschrei gegen „kirchliche Verbote und konservatives Familienbild“. Von Alexander Riebel

    Die Sendung hätte eine Chance sein können, aber sie wurde vertan. Zum Anlass von 50 Jahre Pille hat „Bayern 2“ am Sonntagabend zur besten Sendezeit ab 21.05 Uhr „Revolution im Bett – Wie die Pille die Liebe veränderte“ ausgestrahlt und als Podcast in das Internet gestellt. Wer die sonst kritischen Beitrage des Bayerischen Rundfunks gewöhnt war, ist nun enttäuscht – denn die Sendung war völlig einseitig auf den „Erfolg der Pille“ abgestellt. Viele Zeitzeuginnen der Einführung der Pille kamen zu Wort, und es gab nur wenige zögernde Stimmen, die damals dachten: „Wenn es die Pille gibt, dann wird es immer weniger Kinder geben.“ Der Tenor der meisten Frauen aber, die zu Wort kamen, war ganz anders: „Die Pille hat endlich geschafft, was Frauen wollen: sie sind nicht mehr länger unterdrückt“. Einige Frauen, die in den vierziger Jahren geboren wurden, empfanden Sexualität als angstbesetzt, das sagten auch die Männer. Angst war das meisten genannte Argument: die Angst, Kinder zu bekommen. Dass ein Leben mit Kindern schön sein kann, wurde nicht erwähnt. Und ergänzend heißt es auf der Internetseite von Bayern 2: „Keine Emanzipation ohne die Pille – Ihr Siegeszug war nicht aufzuhalten, denn sie versprach angstfreien Sex, Familienplanung und ein selbstbestimmtes Leben.“ Dass das Leben aber in Wirklichkeit durch die Pille bestimmt ist und sich deswegen die Liebe änderte, für die Treue und der Sinn der Ehe kaum noch eine Rolle zu spielen brauchten, war für „Bayern 2“ völlig sekundär. Vielmehr nannten es die befragten Frauen eine Last, vor der Einführung der Pille in Deutschland 1961 mit schlechtem Gewissen beichten gehen zu müssen und dem Pfarrer zu sagen, man habe schon wieder sündige Gedanken. So wurde die Position der Kirche zur Sexualität ausschließlich negativ dargestellt. Auch das zaghafte Argument einer älteren Dame, mehr Kinder seien nötig, um künftigen Steuern zu zahlen, sollte wohl eher nervend wirken. Dafür fehlte der Hinweis nicht, dass nie zuvor so viele Pillen verkauft wurden wie in den zwei Monaten nach deren Verbot 1968 durch Papst Paul VI. So war die Sendung nur ein einziger Aufschrei gegen „kirchliche Verbote und konservatives Familienbild“. Alexander Riebel