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    Gottesfürchtiger Teufelmaler

    Am 9. August 1516 richtete die Liebfrauenbruderschaft von 's-Hertogenbosch ihrem für seine Höllendarstellungen geschätzten Mitbruder Hieronymus Bosch die Begräbnismesse aus. Der um 1450 geborene Maler fiel vermutlich einer Epidemie zum Opfer. Im 500. Todesjahr finden zu seinen Ehren bedeutende Ausstellungen statt. Zudem ist sein Werkverzeichnis erschienen. Aus ihm geht hervor, dass uns Bosch 20 Zeichnungen sowie 25 Gemälde und Triptychen (mehrteilige Werke) hinterlassen hat.

    Am 9. August 1516 richtete die Liebfrauenbruderschaft von 's-Hertogenbosch ihrem für seine Höllendarstellungen geschätzten Mitbruder Hieronymus Bosch die Begräbnismesse aus. Der um 1450 geborene Maler fiel vermutlich einer Epidemie zum Opfer. Im 500. Todesjahr finden zu seinen Ehren bedeutende Ausstellungen statt. Zudem ist sein Werkverzeichnis erschienen. Aus ihm geht hervor, dass uns Bosch 20 Zeichnungen sowie 25 Gemälde und Triptychen (mehrteilige Werke) hinterlassen hat.

    Bosch's Familienname lautete „van Aken“. Wenn er jedoch Gemälde signierte, schrieb er mit Bezug auf seine in den heutigen Niederlanden gelegene Heimatstadt „Jheronimus bosch“. Das älteste erhaltene Tafelbild mit Signatur ist sein „Johannes auf Patmos“ (1490–1495). Über der Signatur tritt ein bebrilltes Teufelchen auf, das mit dem Tintenfass des Evangelisten auf dem Kopf fortläuft. Das der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin gehörende Werk war ursprünglich Teil des Marienretabels der in der St.-Johannes-Kathedrale von 's-Hertogenbosch eingerichteten Kapelle der Liebfrauenbruderschaft. Die vielköpfige Liebfrauenbruderschaft verfügte über einen inneren Zirkel „geschworener“ Mitglieder. Diesem elitären Kreis gehörte Hieronymus Bosch seit 1488 an. Hatte er das seinen Fähigkeiten als Maler zu verdanken – oder nicht vielmehr seiner ihm an Wohlstand und Ansehen der Familie überlegenen Gattin? Um 1480 hatte er Alheid van de Meervenne geheiratet. Die Ehe blieb kinderlos.

    Das größte und zugleich merkwürdigste Werk des Meisters ist heute als „Der Garten der Lüste“ (um 1495–1505) berühmt und befindet sich im Besitz des Prado-Museums in Madrid. Überwältigenden Detailreichtum entfaltet Bosch auf der Mitteltafel, die unzählige nackte Männer und Frauen paarweise und in größeren Gruppen zeigt. Sie baden, reiten, essen Früchte oder liebkosen einander. Das sieht nach unschuldiger Lebensfreude aus. Aber offenbar wirft ihnen der Maler mangelnde Gottesfurcht vor. Deren Bestrafung zeigt die auf dem rechten Flügel ausgemalte Hölle. Besonders auffällig ist dort der riesige „Baummensch“, in dessen Antlitz ein Selbstporträt Boschs vermutet wird. In seinem hohlen, aufgebrochenen Rumpf ist eine Herberge eingerichtet, deren zechende Gäste auf Kröten sitzen. Ebenso spektakulär ist das auf einem Klostuhl thronende Vogelmonster. Es schiebt sich eine arme Seele in den aufgesperrten Schnabel.

    Die Krönung von Bosch's Spätwerk ist „Der Heuwagen“ (1510–1516) im Prado. Auf dem die Mitteltafel beherrschenden Wagen ist als Symbol der Gaben Gottes, über die alle Menschen verfügen sollen, eine riesige Menge Heu aufgetürmt. Dem Heuwagen folgen Kaiser und Papst. Auf Höhe des Wagens sind raffgierige Menschen bemüht, einen möglichst großen Anteil des Heus zu ergattern. Gezogen wird der Wagen von Dämonen, die Sünden wie Verschlagenheit und Grausamkeit verkörpern. Auf dem Heu bahnen sich Liebesabenteuer an. Rechts macht dazu ein blauer Teufel Musik. Links kniet ein Engel. Er betet zum am Himmel erscheinenden Christus. Doch keiner der Menschen achtet seiner. Der Weg der von Wollust und Habgier beseelten Menschen führt daher in die auf dem rechten Flügel dargestellte Hölle. Dort präsentiert Bosch ein Novum: In der Hölle wird gebaut. Und zwar an einem Turm, der gleichsam aus den Sünden der Menschen errichtet wird.

    Der auf seine Erfindungskraft stolze Bosch versah seine in Berlin aufbewahrte Zeichnung „Das Feld hat Augen und der Wald hat Ohren“ mit der lateinischen Überschrift: „Armselig ist der Geist, der immer von den Funden anderer Gebrauch macht und sich selbst nichts ausdenkt.“ Zwar fanden Boschs Monster und Höllendarstellungen viele Nachahmer. Doch er war mehr als ein bloß auf Skandal und Anstößigkeit abzielender Phantast und Teufelmaler. Sein Schaffen entstand unter dem starken Einfluss der „Devotio moderna“. Diese religiöse Erneuerungsbewegung propagierte, dass es nicht damit getan sei, regelmäßig in die Kirche zu gehen, sondern dass der eigentliche Gottesdienst sich in der alltäglichen moralischen Lebensführung nach dem Vorbild Christi vollziehe. Mit seiner packenden Kunst verfolgte der gottesfürchtige Maler also die Absicht, die Menschen auf den „rechten Weg“ zu bringen – und so vor den künftigen Schrecken der Hölle zu bewahren.

    Hieronymus Bosch und seine Bildwelt im 16. und 17. Jahrhundert. 10.11.2016 bis 19.2.2017 im Kulturforum, Matthäikirchplatz, Berlin. www.smb.museum