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    Glück in leuchtenden Kinderaugen

    „Das Schönste, das ein Mensch sehen kann, ist das Leuchten in den Augen der glücklichen Kinder“, sagt Harry Flicka. Der 67-Jährige aus dem niederrheinischen Dinslaken ist Nikolaus-Darsteller und hat in seinem Leben bereits mehr als 1 000 Auftritte in der Gestalt des Bischofs von Myra hinter sich. Er ist einer der mehr als 50 Teilnehmer beim Nikolaustreffen in der Jugendkirche Crux in Köln. Der Bund der katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum hat zu der Veranstaltung eingeladen. Dabei geht es nicht nur um die Begegnung und den Austausch der Nikolaus-Darsteller. In zwei Lerngruppen bekommen Interessierte auch alle Inhalte vermittelt, die rund um das Leben und Wirken des Heiligen von Bedeutung sind.

    „Das Schönste, das ein Mensch sehen kann, ist das Leuchten in den Augen der glücklichen Kinder“, sagt Harry Flicka. Der 67-Jährige aus dem niederrheinischen Dinslaken ist Nikolaus-Darsteller und hat in seinem Leben bereits mehr als 1 000 Auftritte in der Gestalt des Bischofs von Myra hinter sich. Er ist einer der mehr als 50 Teilnehmer beim Nikolaustreffen in der Jugendkirche Crux in Köln. Der Bund der katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum hat zu der Veranstaltung eingeladen. Dabei geht es nicht nur um die Begegnung und den Austausch der Nikolaus-Darsteller. In zwei Lerngruppen bekommen Interessierte auch alle Inhalte vermittelt, die rund um das Leben und Wirken des Heiligen von Bedeutung sind.

    „Wir wollen das Nikolaus-Brauchtum neu beleben und den Menschen den Heiligen Nikolaus als eine Identifikationsfigur für soziales Handeln, christliche Nächstenliebe und abendländische Kultur zeigen“, so beschreibt es der Generalvikar des Erzbistums Köln, Dominik Meiering. Gemeinsam mit dem Journalisten Stefan Lesting ist er der Autor eines Nikolaus-Handbuchs, das jüngst in Köln erschienen ist. Es soll, ebenso wie das Nikolaustreffen und die Nikolausschule dabei helfen, dem Heiligen näherzukommen. Stefan Lesting bringt auf den Punkt, worum es geht: „Wir möchten Menschen Mut machen, in die Fußstapfen des Heiligen Nikolaus zu treten, damit sie sich trauen, Familien zu besuchen, Seniorenheime, Kinderheime oder Flüchtlingsunterkünfte.“

    Die Nikolausaktion des BDKJ Köln soll dazu anregen, in die Rolle des heiligen Mannes zu schlüpfen, der für Teilen und Schenken steht. Wichtig ist es dabei, den Nikolaus anders zu zeigen, als dies in der Kinderzeit von Harry Flicka der Fall war. „Damals war ständig die Rute dabei und der Knecht Ruprecht, der den Nikolaus begleitete, hat auf die Kinder eingeprügelt. Da war nichts von einem gütigen Heiligen zu spüren. Oftmals fühlten wir Kinder uns vom Nikolaus bloßgestellt.“ Genau dieses Bild wollen die Organisatoren der Nikolausaktion nicht vermittelt sehen. Ihnen geht es vielmehr um die Vorbildwirkung des Heiligen. Der Verlust von Identifikationsfiguren hat die Organisatoren nachdenklich gemacht. Die Umwidmung von Martinszügen in einen „Lichtergang“ oder die Dominanz des Weihnachtsmannes, der den heiligen Nikolaus bei Festen und Veranstaltungen ersetzt, haben sie davon überzeugt, wie wichtig es ist, das Brauchtum wieder stärker in die Öffentlichkeit hineinzubringen.

    „Für mich ist der Weihnachtsmann überflüssig“, macht Generalvikar Dominik Meiering deutlich. In den Köpfen der Menschen habe sich diese Figur allerdings durch die zunehmende Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes und durch die Nutzung des dicken Mannes mit dem Mäntelchen in „Coca-Cola“-Farben als Werbefigur allerdings bedauerlicherweise festgesetzt. Das habe er selbst auch schon hautnah im Anschluss an eine Predigt erlebt, in der er deutlich gemacht habe, dass es keinen Weihnachtsmann gebe. „Da kam doch dann eine Frau zu mir und beklagte sich, ich würde den Kindern den Glauben an den Weihnachtsmann nehmen.“ Daraus habe sich eine interessante Diskussion darüber entwickelt, worum es denn beim Weihnachtsfest eigentlich gehe, und was den Kern des Glaubens der christlichen Weihnacht denn ausmache.

    Das Beispiel zeigt, dass über das ursprüngliche Brauchtum, das wohl durch die Kaiserin Theophanu, die mit Otto II. verheiratet war, in unsere Gegend gebracht wurde, selbst im kirchlichen Umfeld oft nicht mehr genügend Wissen vorhanden ist. Dabei ist es mehr als 1 000 Jahre her, dass im süddeutschen Kempten eine erste Nikolauskapelle errichtet wurde.

    Die Nikolausschule zieht übrigens nicht nur Männer an, die künftig als Nikolaus unterwegs sein wollen. Auch Julia van Dorn, die BDKJ-Stadtsprecherin aus Köln ist an diesem Tag dabei. „Ich lasse mich heute zur Nikolaus-Expertin ausbilden“, sagt sie. „Dann kann ich demnächst Nikolausdarsteller begleiten und Veranstaltungen mit ihnen planen.“ Zu Beginn der Schulung spielten erst einmal die vielen Geschichten, die es um den heiligen Nikolaus gibt, eine Rolle. Schließlich war der echte Nikolaus auch ein wirklicher Bischof. Sein Bischofssitz war in Myra, einem Ort an der Südküste der heutigen Türkei, in der Nähe des Ferienortes Kemer. Nikolaus soll auch an dem Konzil von Nicäa teilgenommen haben, bei dem das bekannte Glaubensbekenntnis formuliert und verabschiedet wurde. Rund um das Leben des Heiligen ranken sich viele Geschichten und Legenden. Julia van Dorn findet es „total spannend“, sich mit ihnen zu beschäftigen, weil es die Person des Heiligen Nikolaus näher an die Menschen heranbringt.

    Die Nikolauslegenden lassen sich tatsächlich auch hervorragend in die heutige Zeit übertragen. Beispielsweise die „wunderbare Kornvermehrung“, die dem Bischof von Myra bei einer Hungersnot in Lykien zugeschrieben wird. „Die Legende zeigt, wie wichtig ein kritischer Konsum für ein friedliches Miteinander in unserer Welt ist. Durch das Lindern der Not in Lykien und Umgebung schafft der Heilige Nikolaus den sozialen Frieden und den notwendigen Ausgleich zwischen der Konsumwelt und der realen Lebenswirklichkeit.“

    Gleiches gelte auch für die Legende von der Ausstattung der drei verarmten Jungfrauen. Hier soll der Heilige verhindert haben, dass ein Vater seine drei Töchter in die Prostitution verkaufte, indem er dreimal einen Beutel voll Geld ins Haus der verarmten Familie warf. „Der Handel mit Kindern und ihr Verkaufen als Ware ist heute noch, gerade in Ländern Lateinamerikas, vorzufinden“, beschreiben die Organisatoren das Problem. Deshalb schaut die Nikolausaktion auch über den deutschen Tellerrand hinaus und arbeitet mit der Bischöflichen Aktion Adveniat zusammen. Deshalb nimmt auch der kolumbianische Bischof Omar Alberto Sánchez an dem Nikolaustreffen in Köln teil. „Der Nikolausbrauch ist eine gute Tradition, die wir in Lateinamerika leider nicht so pflegen“, beschreibt der Bischof. „Wir gehen eigentlich eher nüchtern und kühl in den Advent.“ Umso wichtiger sei für die Menschen in seinem Land die Tradition des Teilens und der Solidarität. Deshalb unterstütze er auch das Anliegen der Nikolausaktion, auf den hohen Wert des Schenkens gerade in dieser Zeit aufmerksam zu machen. „Der Nikolaus steht für die Mitmenschlichkeit und die Unterstützung Not leidender Menschen.“ Im Pressegespräch macht der Bischof aus Lateinamerika auf einen Unterschied aufmerksam, der ihm beim Durchblättern des Nikolaus-Handbuchs aufgefallen ist. „Während die Mitra des Bischofs nach oben zum Himmel zeigt und somit auf die Verbindung zum Göttlichen hindeutet, weist der Bommel der Weihnachtsmannmütze lediglich auf den Bauch ihres Trägers.“

    Viele der Nikolausdarsteller, die nach Köln gekommen sind, sind wie Harry Flicka bereits seit vielen Jahren und Jahrzehnten aktiv. Aber auch junge Menschen, wie der zwanzigjährige David Wiemer aus Leverkusen haben einen guten Grund, an der Schulung teilzunehmen: „Wir wollen in unserer Pfarrgemeinde eine Aktion ,Rent a Nikolaus‘ anbieten und dann durch die Siedlungen gehen und bei den Familien zu Hause den Nikolaus spielen.“ Das ist genau das, was die Aktion erreichen will. „Es geht darum, Freude in die Familien zu bringen, in die Schulen, in die Kindergärten, aber auch in die Flüchtlingsunterkünfte“, macht Dominik Meiering deutlich. Natürlich werde darüber diskutiert, ob Nikolausbesuche bei den oft aus islamisch geprägten Ländern kommenden Flüchtlingsfamilien sinnvoll seien.