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    Glaube und Gefühl mit Johannes Paul II.

    Nachrichtensprecher zeichnen sich weltweit durch professionelle Distanz zum Thema aus. Sachlichkeit geht vor Emotionen. Zumindest ein Nachrichtensprecher hat jetzt aber doch seinen Emotionen freien Lauf gelassen: Krzystof Ziemiec (42), Star der polnischen Nachrichtensendung „Wiadomosci“ und Präsentator des soeben in den polnischen Kinos erschienenen Dokumentarfilms über Johannes Paul II. „Ich habe Euch gesucht“ (pl. Szukalem Was). Immer wieder musste Ziemiec bei der offiziellen Voraufführung des Films vor ausgewählten Journalisten in Warschau mithilfe von Papiertaschentüchern seine Tränen aus den Augen wischen, was weniger seiner eigenen Performance geschuldet war, als der Rührung über Johannes Paul II., auf dessen Spuren Ziemiec mit Begleitung eines 40-köpfigen Kamerateams durch die Welt gereist ist. Durch zwölf Länder auf vier Kontinenten. Vier Jahre lang.

    Johannes Paul II. hielt eigens eine Katechesereihe über die 'Theologie des Leibes'.
    Johannes Paul II. hielt eigens eine Katechesereihe über die "Theologie des Leibes". Foto: dpa

    Nachrichtensprecher zeichnen sich weltweit durch professionelle Distanz zum Thema aus. Sachlichkeit geht vor Emotionen. Zumindest ein Nachrichtensprecher hat jetzt aber doch seinen Emotionen freien Lauf gelassen: Krzystof Ziemiec (42), Star der polnischen Nachrichtensendung „Wiadomosci“ und Präsentator des soeben in den polnischen Kinos erschienenen Dokumentarfilms über Johannes Paul II. „Ich habe Euch gesucht“ (pl. Szukalem Was). Immer wieder musste Ziemiec bei der offiziellen Voraufführung des Films vor ausgewählten Journalisten in Warschau mithilfe von Papiertaschentüchern seine Tränen aus den Augen wischen, was weniger seiner eigenen Performance geschuldet war, als der Rührung über Johannes Paul II., auf dessen Spuren Ziemiec mit Begleitung eines 40-köpfigen Kamerateams durch die Welt gereist ist. Durch zwölf Länder auf vier Kontinenten. Vier Jahre lang.

    „Mehr als Pilger, denn als Journalist“, wie Ziemiec im Anschluss an die Präsentation des Films zugab. Und so überrascht und stört es auch nicht, dass sich der Nachrichtensprecher in dem Film beim Betreten von Heiligtümern und Kirchen, wie zum Beispiel vor dem Gnadenbild der Madonna von Guadeloupe, mit Weihwasser bekreuzigt. Die religiöse Ausstrahlung des eigentlichen Protagonisten des Films, Johannes Paul II., zieht den Betrachter in den Bann.

    Schließlich tritt der polnische Papst in den zahlreichen dokumentierten Original-Ausschnitten des Films, darunter auch bisher unveröffentlichtes Filmmaterial aus dem Vatikan, dem Polnischen und Italienischen Fernsehen, so auf, wie man ihn in Erinnerung hat: Als charismatische Leitfigur mit globaler Wirkung, als sichtbares und dabei doch menschlich ganz natürliches Zeichen von Heiligkeit. Was auch die Aussagen der zu Wort kommenden Prominenten bezeugen und bestätigen. Besonders interessant, neben den Aussagen des Dalai Lama oder Placido Domingo, ist etwa die Erinnerung des italienischen Politikers Rocco Buttiglione, der auf ein päpstliches Philosophentreffen in Castel Gandolfo zurückschaut: „Plötzlich war der Papst verschwunden. Wir wussten nicht, wo er ist und suchten ihn. Wir fanden ihn schließlich in einer Putzkammer. Er kniete auf dem Fußboden und betete.“

    Insgesamt wurden 50 Personen interviewt, die jedoch nicht alle im Film auftauchen. „Das hätte den dramaturgischen Rahmen gesprengt“, wie Regisseur Jaroslaw Szmidt zugibt. Der 1978 geborene Szmidt ist in Polen bisher eher als Regisseur von Daily Soaps in Erscheinung getreten. Mit dem Dokumentarfilm über Johannes Paul II. stößt er in eine andere Dimension vor. Auch persönlich, wie er selbst zugibt. „Ich muss gestehen, dass ich Johannes Paul II. zu Lebzeiten nicht genug geschätzt habe. Ich erkenne erst jetzt den Wert seiner Botschaft und was für eine wichtige Figur für die ganze Menschheit er war und ist.“ Dass Szmidt sein Daily Soap Handwerk perfekt gelernt hat, ist dem 90-minütigen Film, der laut Produktionsfirma der „größte Dokumentarfilm der polnischen Filmgeschichte“ ist, allerdings von der ersten bis zur letzten Minute anzumerken. Obwohl wichtige politische und kirchliche Entscheidungen, zum Beispiel der Umgang mit der sogenannten Befreiungstheologie nicht übergangen werden, kann man „Ich habe Euch gesucht“ denn auch mehr der Sparte Glaube und Gefühl, denn Glaube und Vernunft zuordnen. Umstritten ist im Film eine Szene: die Erinnerung des Oberrabbiners von Tel Aviv, Israel Meir Lau, an die Kritik Johannes Pauls II. an der Taufe eines jüdischen Waisenkindes. Katholische Redakteure in Polen kritisieren, dass hier das Bild des christlichen Missionars durch religiöse Toleranz aufgeweicht werde.

    Doch warum nicht? Immerhin ist ein Kinosaal kein Auditorium Maximum, und wer würde sich einen solch ausführlichen Dokumentarfilm anschauen, wenn lediglich nüchterne Fakten präsentiert werden würden? Noch dazu wo mit diesem Papst eine Person zur Verfügung steht, dessen Gesicht, Gesten und Stimme allein über eine außerordentliche emotionale Wirkkraft verfügen. Die emotionalen Bilder von Papstreisen in Europa, Afrika und Mexiko, die der neue Dokumentarfilm zeigt, können vermutlich leichter die Herzen derer öffnen, die für staubtrockene Glaubensargumente allein nicht empfänglich sind. Von daher kann man nur wünschen, dass dieser Film möglichst zeitnah zur Seligsprechung des Papstes am 1. Mai auch in die deutschen Kinos kommt oder wenigstens in deutsche Fernsehkanäle. Schließlich hat Papst Johannes Paul II. als katholischer Oberhirte nicht nur nach den polnischen Schäfchen gesucht, auch die deutschen lagen und liegen ihm am großen Herzen.