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    Geist, Kraft und Macht

    May the Force be with you“ – diesen Abschiedsgruß der Jedi aus der Weltraumsaga Star Wars kennen wohl die meisten. Viele allerdings in der deutschen Fassung: „Möge die Macht mit Dir sein!“. Interessanterweise ist das eigentlich eine Ungenauigkeit in der Übersetzung. Denn die direkte Übersetzung von „Force“ ist nicht „Macht“, sondern Kraft. Das macht für den Film kaum einen auffälligen Unterschied, ist aber inhaltlich so bedeutsam wie der Unterschied zwischen der Begriffspaarung „Autorität“ und „autoritär“. Der ist eigentlich recht einfach beschrieben: Auf Autoritäten ist nur angewiesen, wer sich in einem bestimmten Thema nicht auskennt. Insofern kann man die Aufklärung – sowohl als historische wie auch als persönliche Entwicklung – durchaus als Gegenposition von Autoritäten begreifen: Wer weiß, wie die Hauselektrik funktioniert, muss nicht mehr alleine auf die „Autorität“ des Elektrikers vertrauen, sondern kann sich ein eigenes Bild machen, widersprechen, jemand anderen beauftragen oder gar selbst Hand anlegen. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft stellt sich dann höchstens noch die Frage, inwieweit man sich bewusst auf Autoritäten stützt anstatt sich selbst „aufzuschlauen“. Um im Bild zu bleiben: Einem Elektriker, der bereits gut gearbeitet hat, kann man vermutlich vertrauen, ohne jeden seiner Handgriffe einschätzen oder prüfen zu müssen. Der Begriff der Autorität – in diesem, manchmal als altertümlich verstandenen Sinne, hat also durchaus auch etwas Positives, jedenfalls dann, wenn man die Anerkennung einer Autorität – zum Beispiel eines Spezialisten oder eines Fachkenners, vielleicht auch einer politischen oder geistlichen Autorität – bewusst eingeht und nicht andere oder sich selbst vielleicht unbewusst „dumm hält“. In dem Fall handelt es sich nicht im engeren Sinne um Unmündigkeit, sondern um das Ergebnis einer sinnvollen Arbeitsteilung.

    „Die Autorität arbeitet mit Kraft: mit der Kraft der Argumente, der Kraft des besseren Wissens um Zusammenhänge“: Von Da... Foto: dpa

    May the Force be with you“ – diesen Abschiedsgruß der Jedi aus der Weltraumsaga Star Wars kennen wohl die meisten. Viele allerdings in der deutschen Fassung: „Möge die Macht mit Dir sein!“. Interessanterweise ist das eigentlich eine Ungenauigkeit in der Übersetzung. Denn die direkte Übersetzung von „Force“ ist nicht „Macht“, sondern Kraft. Das macht für den Film kaum einen auffälligen Unterschied, ist aber inhaltlich so bedeutsam wie der Unterschied zwischen der Begriffspaarung „Autorität“ und „autoritär“. Der ist eigentlich recht einfach beschrieben: Auf Autoritäten ist nur angewiesen, wer sich in einem bestimmten Thema nicht auskennt. Insofern kann man die Aufklärung – sowohl als historische wie auch als persönliche Entwicklung – durchaus als Gegenposition von Autoritäten begreifen: Wer weiß, wie die Hauselektrik funktioniert, muss nicht mehr alleine auf die „Autorität“ des Elektrikers vertrauen, sondern kann sich ein eigenes Bild machen, widersprechen, jemand anderen beauftragen oder gar selbst Hand anlegen. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft stellt sich dann höchstens noch die Frage, inwieweit man sich bewusst auf Autoritäten stützt anstatt sich selbst „aufzuschlauen“. Um im Bild zu bleiben: Einem Elektriker, der bereits gut gearbeitet hat, kann man vermutlich vertrauen, ohne jeden seiner Handgriffe einschätzen oder prüfen zu müssen. Der Begriff der Autorität – in diesem, manchmal als altertümlich verstandenen Sinne, hat also durchaus auch etwas Positives, jedenfalls dann, wenn man die Anerkennung einer Autorität – zum Beispiel eines Spezialisten oder eines Fachkenners, vielleicht auch einer politischen oder geistlichen Autorität – bewusst eingeht und nicht andere oder sich selbst vielleicht unbewusst „dumm hält“. In dem Fall handelt es sich nicht im engeren Sinne um Unmündigkeit, sondern um das Ergebnis einer sinnvollen Arbeitsteilung.

    Etwas anderes dagegen ist der Begriff des Autoritären, der nur scheinbar ähnliches beschreibt. Beide Begriffe, Autorität wie autoritär, gehen auf das lateinische „auctor“ zurück, der den Urheber oder Erschaffer, auch einen Gewährsmann beschreibt. Die Wortbedeutung unterscheidet sich aber zwischenzeitlich deutlich: Während der Begriff der Autorität eher positiv besetzt ist, wie in der lateinischen Grundbedeutung, gilt das Autoritäre heute eher als kritisch. „Autoritäre Erziehung“ ist zwar insbesondere in der 68er-Generation in Verruf geraten, aber auch Eltern, die „antiautoritäre“ Erziehungsmethoden ablehnen, nutzen den autoritären Satz „Weil ich es sage“ heute eher ungern.

    Als autoritärer Charakter wird jemand bezeichnet, der sich „durch ein ausgeprägtes Überlegenheitsgefühl, überzogenen Machtanspruch und das Unterwerfen Schwächerer auszeichnet und dadurch Intoleranz, Dogmatismus und Unfreiheit fördert“ (Quelle: Wikipedia). Analog dazu spricht man in der Politikwissenschaft von Autoritarismus oder autoritären Regimen wenn sie „a) die Möglichkeiten demokratischer Mitwirkung stark einschränken, b) öffentliche Willensbildungsprozesse (Presse-, Informationsfreiheit) und die öffentliche Auseinandersetzung über politische Entscheidungen stark behindern und c) die pluralistische Interessenvielfalt begrenzen“. Politisch gesehen sind „autoritäre“ Regime insofern das Gegenteil dessen, was sich ein demokratisch geprägter und aufgeklärter Mensch wünschen kann, selbst wenn er sich gerne auf Autoritäten verlässt.

    Diese Unterschiede in den Bedeutungen und Deutungen der Begriffe mögen allerdings auch verdecken, dass es durchaus Schnittmengen gibt, die man leicht übersehen kann. Denn trennscharf sind die Begriffe nicht: Wer eine Autorität ist, kann auch autoritär sein, und nur weil jemand autoritär ist, heißt das nicht, dass er nicht auch eine Autorität sein kann. In der Politik wird das zum Beispiel dann deutlich, wenn sich eine (vermeintliche) Autorität mit ihrer Einschätzung nicht durchsetzen kann. In einer freiheitlichen Demokratie sollte hier der Einfluss des besseren Argumentes gelten. Die nicht-autoritäre Autorität setzt auf Überzeugungsarbeit, wenn sie ihre Positionen durchzusetzen versucht. Ist diese Arbeit nicht erfolgreich, beugt sich diese Art der Autorität auch dem – aus ihrer Sicht – schlechteren Argument, das aber, zum Beispiel in einer Demokratie, Mehrheiten hinter sich vereinen kann. Der Autoritäre hingegen baut auf Macht, egal auf welche Weise legitimiert. Dem Autoritären ist der Diskurs der Meinungen egal, er nutzt ihn maximal als Scheingefecht, um sich am Ende doch durchzusetzen.

    Wenn zu Beginn von der Aufklärung und der Autorität als Gegensatzpaar die Rede war, wird hier deutlich, dass der Gegensatz des Autoritarismus nicht, wie häufig so definiert, die Demokratie ist, die durchaus den Autoritarismus legitimieren kann (nämlich dann, wenn eine Mehrheit ihn gutheißt) sondern der Liberalismus. Gerade im Liberalismus wird auf Machtausübung zur Beugung anderer Ansichten und Vorlieben systematisch verzichtet, selbst dann, wenn sie demokratisch legitimiert wäre. Von der Wortbedeutung her lassen sich noch andere Gegensätze zum Autoritären finden, im politischen Umfeld scheint der Liberalismus aber der bedeutendste zu sein. Denn am Lackmustest des Liberalismus verdeutlichen politische Stoßrichtungen und Überzeugungen, inwieweit sie sich auf fachliche Expertise – eben auf Autorität – verlassen, oder doch zum Autoritarismus neigen.

    Gerade in Zeiten, in denen gesellschaftliche Freiheiten durch „weiche“ Einschnitte wie die „political correctness“ oder den Kampf gegen vermeintliche „Hassreden“ eingeschränkt werden, sehnen sich die Opfer dieser Einschränkungen nach mehr Liberalismus. Fraglich ist jedoch, ob diese Zuwendung von – in heutiger Zeit – konservativen Einschätzungen zum Liberalismus – wirklich eine echte Liebe darstellt oder doch eher eine Zweckgemeinschaft. Letztere wird es, wenn sich die Machtverhältnisse ändern und man mit der autoritären Durchsetzung eigener Vorstellung erfolgreicher werden kann.

    So beklagen Konservative den wachsenden Einfluss des Staates auf die Kindererziehung, nicht zuletzt im Sinne des Gender Mainstreamings. Und in der Tat wird hier mit autoritären Mitteln versucht, einer Weltsicht zum Durchbruch zu verhelfen. Im gleichen Atemzug verlangen aber viele Konservative ein Verbot islamischer Symbole wie von Moscheen oder Minaretten, zeigen sich selbst einer Diskussion über die Verhüllung muslimischer Frauen durch eine Burka gänzlich unaufgeschlossen. Dabei geht es nicht um das bessere Argument, das gerade Christen im Sinne einer gottgeschenkten Freiheit doch auf ihrer Seite wissen sollten, sondern um die Möglichkeit, die eigene Weltsicht durch staatliche Gewalt, damit letztlich autoritär, durchzusetzen.

    Zurück zu „Star Wars“: Hier wird die fehlerhafte Übersetzung, die vielleicht der Prägnanz geschuldet ist, vor dem beschriebenen Hintergrund wesentlich. „Möge die Macht mit dir sein“ – das ist vor allem deshalb eine schlechte Übersetzung, weil sie nicht deutlich macht, worum es im Kampf Gut gegen Böse in diesem Weltraumepos geht: „Möge die Kraft mit dir sein“. Wer die George-Lucas-Filme kennt weiß, dass hierbei nie die Durchsetzung eigener Interessen oder Überzeugungen im Mittelpunkt stehen, sondern die Freiheit für jedermann (oder jede Spezies). Anders der finstere Lord Vader mit dem Imperator, die nach „unlimited power“ – „grenzenloser Macht“ giert. Zu Beginn noch als Anakin Skywalker beseelt vom Verlangen nach Gerechtigkeit, wird der Kampf darum mit immer autoritäreren Mitteln geführt, bis hin zum Todesstern, mit dessen Hilfe ganze Zivilisationen gebeugt werden sollen. Am Umgang mit der Macht zeigt sich der wahre Geist.

    Die Autorität arbeitet mit Kraft: mit der Kraft der Argumente, der Kraft des besseren Wissens um Zusammenhänge, der Kraft auch, die die Freiheit zur eigenständigen Entscheidung bietet. Der Autoritäre dagegen argumentiert nicht, er nutzt die ihm gegebene Macht zur Durchsetzung seiner Interessen. Ob seine Absichten gut oder nur gut gemeint sind, ist nicht wesentlich; der Umsetzung fehlt die Kraft der Freiheit. Was schon im privaten Umfeld unangenehm werden kann, ist in der Politik entscheidend für das Wohlergehen der Menschen. Wer will schon lieber von einem Imperator regiert werden als von Meister Yoda? Und doch besteht jederzeit auch die Gefahr, bei allem guten Willen, von einem Anakin Skywalker zu einem Darth Vader zu werden.