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    Für die Vertiefung der Frömmigkeit

    Noch bis zum 6. November 2016 zeigt die Bayerische Staatsbibliothek in ihren beiden Schatzkammern in der Münchner Ludwigstraße die aufwendig gestaltete zweite Ausstellung ihrer auf drei Teile angelegten Präsentation mitteleuropäischer Buchmalerei, die zwischen 1400 und 1540 entstanden ist. „Bilderwelten – Ewiges und Irdisches“ entfaltet auch dieses Mal erneut ein faszinierendes facettenreiches Panorama, das mit der Zur-Schau-Stellung von Gebets- und Andachtsbüchern mit so vielsagenden Titeln wie „Büchlein von der Liebhabung Gottes“ den Bogen von tiefreligiösen Themengebieten über Geschichtsbücher und Rechtstexten bis hin zu rein profanen Exponaten schlägt, die sich mit der Kriegskunst in Fecht- und Wappenbüchern auseinandersetzen.

    Noch bis zum 6. November 2016 zeigt die Bayerische Staatsbibliothek in ihren beiden Schatzkammern in der Münchner Ludwigstraße die aufwendig gestaltete zweite Ausstellung ihrer auf drei Teile angelegten Präsentation mitteleuropäischer Buchmalerei, die zwischen 1400 und 1540 entstanden ist. „Bilderwelten – Ewiges und Irdisches“ entfaltet auch dieses Mal erneut ein faszinierendes facettenreiches Panorama, das mit der Zur-Schau-Stellung von Gebets- und Andachtsbüchern mit so vielsagenden Titeln wie „Büchlein von der Liebhabung Gottes“ den Bogen von tiefreligiösen Themengebieten über Geschichtsbücher und Rechtstexten bis hin zu rein profanen Exponaten schlägt, die sich mit der Kriegskunst in Fecht- und Wappenbüchern auseinandersetzen.

    Wie schon beim ersten Teil des Ausstellungszyklus, der „Luxusbücher“ zum Thema hatte (DT vom 19. Mai 2016), werden auch hier üppig illuminierte Zimelien in den Blick genommen, an denen exemplarisch die Zusammenhänge zwischen dem kulturellen Umfeld, den gesellschaftlichen Umbrüchen und der Entstehung der jeweiligen Handschriften deutlich gemacht und kulturhistorisch erschlossen werden. Die zahlreichen in der ersten Schatzkammer unter dem Motto „In Bilder versunken – dem Himmel verbunden“ zu bewundernden Gebetbücher, die sich vermögende Auftraggeber von Miniaturmalern haben anfertigen lassen, sind im Spätmittelalter vermehrt in der Volkssprache erschienen, um eine Vertiefung der Frömmigkeit zu erreichen, wozu auch die immer opulenter werdende buchmalerische Ausstattung der Andachtsbücher beitragen sollte.

    Zu einem der vielen Prachtstücke der Münchner Ausstellung gehört mit Sicherheit die „Vita Sancti Simperti“ – die reich illuminierte Handschrift der Lebensbeschreibung des heiligen Simpert, des elften Bischofs von Augsburg, die Ende des 15. Jahrhunderts entstand und für die der berühmte Maler Hans Holbein der Ältere zwei Miniaturen gestaltete. Die hier gezeigte erinnert an das Wolfswunder des Heiligen: Eine Mutter, deren Kind von einem Wolf geraubt wurde, bat den Bischof um seine Fürsprache. Unmittelbar darauf soll das Tier das Kind heil zurückgebracht haben.

    Neben den Erbauungsschriften ist auch ein aktuelles Werk zu sehen, das Bezüge zum bevorstehenden „Lutherjahr“ aufweist. Es handelt sich um „Luthers Bad und Spiegel – Der Kirchen Schwert wider Martin Luther“, in dem der Autor Kilian Leib, damaliger Prior des Augustiner-Chorherrenstifts Rebdorf in Wort und Bild heftig gegen den Augustinermönch zu Felde zog. Auch medienhistorisch ist die Epochenschwelle zwischen dem Ende des 15. und dem angehenden 16. Jahrhundert äußerst interessant, da sich die Exponate in ihrer Vielfalt als handgefertigter Kodex, als gedrucktes Buch oder auch in ihren Übergangsphasen – beispielsweise als Manuskript mit eingeklebten Holzschnitten – präsentieren.

    In der zweiten Schatzkammer eröffnet sich zum letzten Mal die farbenprächtige Welt der Ritter in reich illustrierten Chroniken, Turnier- und Wappenbüchern auf dem Papier, bevor sie im 16. Jahrhundert infolge der Einführung von Feuerwaffen endgültig untergeht. Aufschluss über bestimmte Aspekte des Geschlechterverständnisses im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit geben Abbildungen und Texte von Fechtbüchern aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Darin wurden nicht nur Ringkämpfe zwischen Männern, sondern – man siehe, lese und staune – auch sogenannte „Gerichtskämpfe“ zwischen Mann und Frau beschrieben. Dabei wurde ganz und gar nicht von einer kräftemäßigen Gleichartigkeit der Geschlechter ausgegangen, wie es heute mitunter den Anschein hat (in aktuellen Filmproduktionen wird die Polizistin, Kommissarin, Ermittlerin ihrem männlichen Kollegen im Sinne der „Genderkorrektheit“ stets als überlegen dargestellt). Männer und Frauen wurden unterschiedliche Ausgangspositionen zugewiesen, die der körperlichen Unterlegenheit der Frau Rechnung trug. Der Mann steht bis zur Taille in einer Grube, die Frau nähert sich ihm mit einer Schleuderwaffe in der Hand, mit der sie ihn empfindlich am Kopf treffen kann. Er wiederum hat die Chance, sie bei diesem Kampf um Leben und Tod beispielsweise am Arm zu ergreifen, zu Boden zu drücken und zu erwürgen.

    Einzigartig an der Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek ist übrigens auch ihre digitale Vermittlung: Unter www.bilderwelten2016.de/ lassen sich nicht nur sämtliche Exponate auf dem Bildschirm anschauen. Der virtuelle Besucher erhält einen kurzen Einführungsvortrag, und der Kurator der Ausstellung, Karl-Georg Pfändtner, erläutert in Videosequenzen einzelne, wichtige Ausstellungsstücke. Das macht den Besuch in München keineswegs überflüssig, sondern macht eher Appetit darauf, sich die Werke im Original anzuschauen. Denn in der klug konzipierten Schau vor Ort versetzen sie den Betrachter noch viel stärker in Staunen als auf dem flachen Monitor eines Computers.

    Bilderwelten – „Ewiges und Irdisches“ – noch bis zum 6. November 2016. Bayerische Staatsbibliothek, Ludwigstr. 16, 80539 München