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    Franciszek, Klara, der Engel und die Wendung zum Guten

    Es ist die Geschichte einer Erpressung, aber es ist auch die Geschichte einer Läuterung: Der Jurastudent Franciszek (Rafal Fudslej) hat zufällig den Diebstahl eines Altarbildes gefilmt. In der Kirche, die er jeden Morgen für seinen Vater, den Organisten, aufschließt. Mit dem Videomaterial erpresst Franciszek den renommierten Kunsthändler Benedik Weber (Wojciech Pszoniak), der hinter dem Diebstahl steckt. Er ist jedoch nicht auf einen Anteil der Beute aus, sondern will, dass der Übeltäter die Tat wieder gut macht und das Gemälde, das einen Engel zeigt, an seinen alten Platz zurückstellt. Weber versucht daraufhin, Franciszek einzuschüchtern, doch der gibt die Hoffnung auf ein gutes Ende nicht auf. Sein höchstes Bestreben ist das „Wiederherstellen des ursprünglichen Zustands“.

    Es ist die Geschichte einer Erpressung, aber es ist auch die Geschichte einer Läuterung: Der Jurastudent Franciszek (Rafal Fudslej) hat zufällig den Diebstahl eines Altarbildes gefilmt. In der Kirche, die er jeden Morgen für seinen Vater, den Organisten, aufschließt. Mit dem Videomaterial erpresst Franciszek den renommierten Kunsthändler Benedik Weber (Wojciech Pszoniak), der hinter dem Diebstahl steckt. Er ist jedoch nicht auf einen Anteil der Beute aus, sondern will, dass der Übeltäter die Tat wieder gut macht und das Gemälde, das einen Engel zeigt, an seinen alten Platz zurückstellt. Weber versucht daraufhin, Franciszek einzuschüchtern, doch der gibt die Hoffnung auf ein gutes Ende nicht auf. Sein höchstes Bestreben ist das „Wiederherstellen des ursprünglichen Zustands“.

    Intensität der Bilder

    Denn, wie Regisseur Stanislaw Mucha über den Protagonisten seines ersten Spielfilms „Hope“ sagt: „Franciszek ist ein Idealist. Er kämpft auf seine eigene Art gegen eine korrupte Welt.“ Der Schlüssel dafür liegt in der Vergangenheit. Vor 15 Jahren starb Franciszeks Mutter bei einem Autounfall. Seitdem ist Franciszek genauso wie sein Vater, der zum Zeitpunkt des Todes ein gefeierter Dirigent war, verbittert. „Mit dem Unfall der Mutter starb die Liebe in der Familie“, erklärt Mucha. Franciszeks Erpressungsversuch ist demnach auch ein Versuch, die Liebe wieder zu entdecken und mit der Vergangenheit klarzukommen. Dabei hilft ihm eine junge Frau, Klara, die nicht nur selbst in das Drama verstrickt, sondern auch hoffnungslos verliebt ist in Franciszek.

    Franciszek und Klara, Engel und Kirche, Liebe und Hoffnung – nur selten kommen Spielfilme mit derart geballter katholischer Wucht in die Kinos. Und wenn man auf die bisherigen Arbeiten des 1970 in Polen geborenen Regisseurs schaut, zum Beispiel den Dokumentarfilm „Absolut Warhola“ (2001), erwartet man eine derartige dramaturgische Konstellation auch nicht. Die Lösung steckt offensichtlich beim Verfasser des Drehbuchs, Krzysztof Piesiewicz, der nicht nur zu Beginn der 80er Jahre als Anwalt der Familie des ermordeten Piesters Popieluszko in Polen bekannt wurde und heute als Senator in Warschau lebt und arbeitet, sondern vor über 20 Jahren auch zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Regisseur Krzysztof Kieslowski begann, Filmgeschichte(n) zu schreiben: Mit Filmen, welche die zehn Gebote thematisierten („Dekalog“) oder das Motto der französischen Revolution („Drei Farben“) und der nach Kieslowskis Tod drei gemeinsam mit diesem begonnene, zum Teil inzwischen verfilmte Drehbücher zum Thema „Himmel, Hölle, Fegefeuer“ verfasst hat. Jetzt folgt, beginnend mit „Hope“ (Hoffnung), also eine weitere christlich inspirierte Trilogie. Stanislaw Mucha, der an der Filmhochschule in Babelsberg studierte, ist, was „Glaube“ und „Liebe“ betrifft, optimistisch: „Ich bin guter Hoffnung, dass wir die beiden Filme auch zusammen machen werden.“

    Dabei stehen die Chancen, auch was die Kritik in Polen und Deutschland angeht, gar nicht mal so schlecht. Auf beiden Seiten der Oder wird die Intensität der Bilder und der Dialoge in „Hope“ gewürdigt.

    Eine religiöse Botschaft

    Wobei aber auch die Unterschiede in den negativen Reaktionen interessant sind: In Polen störte man sich nicht so sehr an dem transzendenten Anspruch, den der Film als erster Teil der Dreiheit der christlichen Tugenden erhebt, sondern stärker daran, dass er „anti-polnisch“ sei. Vielen Kritikern gefiel nicht, dass sich Mucha Witze über polnische Klischees erlaubt, mit denen der in Deutschland lebende Regisseur täglich konfrontiert ist. Besonders die Szene, in der der Kunstdieb ein Auto aus Deutschland kommen lässt, um das Auto, das er in die Luft gejagt hat, zu ersetzen, stieß in Polen übel auf. In Deutschland dagegen zählt die religiöse Botschaft des Films. „Hope“, so ein Kritiker der FAZ, erinnere an die letzten Filme Kieslowskis, seine „zu Herzen gehenden, rhetorisch geschliffenen Predigten, die Verstand und Sinne der Zuhörer erheben. Nur halten solche Stimmungen nicht lange an, das Leben sorgt bald wieder für Ernüchterung“.

    Idealistische Weltanschauung

    Eine unberechtigte Kritik. Denn sowohl Kieslowskis Filme wie auch „Hope“ lassen bewusst viele Fragen offen, spielen mit dem Geheimnis jeder menschlichen Existenz. „Eine klare Botschaft hat der Film nicht, und wenn, dann würde ich sie nicht verraten“, gesteht Mucha denn auch. Für ihn sei Filmemachen eine Art zu kommunizieren. Der Film drücke seine idealistische Weltanschauung aus und darauf sei er stolz.

    Den Senator Piesiewicz lernte Mucha übrigens zufällig vor drei Jahren in einer Pizzeria kennen. Zwei Schauspieler, die schon mit Kieslowski und Piesiewicz arbeiteten, tauchen auch in „Hope“ wieder auf: Zbigniew Zamachowski und Zbigniew Zapasiewicz. Älter geworden und verändert, so wie das Warschau von heute, in dem „Hope“ spielt, nicht mehr das Warschau des „Dekalogs“ der 80er Jahre ist. Doch die Fragen und die Suche der Figuren sind die gleichen geblieben. So wie die verborgenen Antworten. Das macht Hoffnung oder besser gesagt: Nadzieja.

    Von Stefan Meetschen