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    Forschungsthema Eschatologie

    Laientheologe Vojtìch Novotný neuer Dekan der Karls-Universität. Von Barbara Wenz

    Der neue Dekan an der Karls-Universität in Prag: Vojtìch Novotný. Foto: IN

    Die Prager Karls-Universität, gegründet im Jahr 1348, gilt als älteste Universität Mitteleuropas, die Fakultät für Theologie gibt es dort schon von Gründungszeiten, im Lauf der Geschichte zum Teil in hussitischer Hand. Nach einer wechselvollen Geschichte, die vom Aufstand gegen die Habsburger, der Rekatholisierung in den folgenden Jahrhunderten, der Besetzung durch die Nationalsozialisten und den bleiernen Jahren des kommunistischen Regimes geprägt war, wurde die Katholisch-Theologische Fakultät kurz nach der Samtenen Revolution 1989 wieder in die Univerzita Karlová eingegliedert. Seit dem 31. Januar hat die Fakultät zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Laientheologen als Dekan: Vojtìch Novotný, Jahrgang 1971, wurde an diesem Tag in der Teynkirche am Altstädter Ring von Dominik Kardinal Duka mit einem feierlichen Gottesdienst in sein Amt eingeführt. Sein Vorgänger Pater Prokop Brož, der in den vorhergehenden acht Jahren das Dekanat innehatte, wünschte sich Kontinuität und Einheit als Rahmen für die weitere Arbeit an der Fakultät.

    Der Prager Erzbischof betonte, wie wichtig es sei, die Richtung fest im Blick zu behalten, von welcher der Heilige Geist wehe. Novotný selbst bat während der bewegenden Feier um Geduld mit seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Für seine Dozenten und Studenten wünschte er sich mutige Kreativität und intellektuelle Auseinandersetzung mit der Gegenwart.

    Novotný ist verheiratet und hat vier Kinder. Der Kirchenhistoriker hat Philosophie und Theologie in Rom und Prag studiert und war langjähriger akademischer und wissenschaftlicher Assistent an der katholisch-theologischen Fakultät in Prag, an der er zuerst promovierte, und 2009 habilitierte. 2015 wurde er dort zum Professor ernannt. Sein wissenschaftliches Interesse gilt der Eschatologie und der Geschichte der tschechischen Theologie. Den deutschsprachigen Lesern der internationalen katholischen Zeitschrift „Communio“ ist er bereits bekannt durch mehrere Veröffentlichungen.

    Novotný ist Mitherausgeber der tschechischen Ausgabe von „Communio“. In Deutsch sind eine Zusammenfassung zur tschechischen Theologie während der kommunistischen Unterdrückung – die „sterbende Kirche“, welche sich mit den theologischen Ansätzen vor allem Mitte der Siebziger Jahre von Oto Mádr und Zdenìk Bonaventura Bouše beschäftigt. Mádr fand ab 1978 von seinem pessimistischen Ansatz zu einer umfassenderen Theologie der Kirche in der Bedrohung zurück. Neben einem Beitrag zum Thema der Treue des dreifaltigen Gottes hat Novotný für die deutschen Leser von „Communio“ eine Persönlichkeitsskizze des tschechischen Jesuiten Adolf Kajpr gezeichnet, der im Konzentrationslager und im kommunistischen Gefängnis Zeugnis für Jesus Christus ablegte.

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