• aktualisiert:

    „Facebook könnte Verlage verletzen“

    Facebook hat mal wieder seine Politik geändert. Das börsen- und gewinnorientierte Unternehmen will seinen Fokus stärker auf Freunde und Familien legen. Niemand soll Nachrichten von den Freunden verpassen, hatte Facebook kürzlich erklärt. Das klingt zunächst unverdächtig, ist es aber nicht, weil Facebook ein allgemeines Nachrichtenmedium ist, das auch noch andere Nutzer und Nutzungsmöglichkeiten hat. Facebook hat ein Abkommen mit etwa 140 Medienhäusern geschlossen, um Videos besser transportieren zu können. Mehr als 50 Millionen Dollar zahlt das Unternehmen in Kalifornien dafür.

    Facebook
    „Letztlich will Facebook die Plattform dafür sein, dass man etwa über die ersten Gehversuche der eigenen kleinen Tochter... Foto: dpa

    Facebook hat mal wieder seine Politik geändert. Das börsen- und gewinnorientierte Unternehmen will seinen Fokus stärker auf Freunde und Familien legen. Niemand soll Nachrichten von den Freunden verpassen, hatte Facebook kürzlich erklärt. Das klingt zunächst unverdächtig, ist es aber nicht, weil Facebook ein allgemeines Nachrichtenmedium ist, das auch noch andere Nutzer und Nutzungsmöglichkeiten hat. Facebook hat ein Abkommen mit etwa 140 Medienhäusern geschlossen, um Videos besser transportieren zu können. Mehr als 50 Millionen Dollar zahlt das Unternehmen in Kalifornien dafür.

    Die Wochenzeitung „Die Zeit“ erklärte hierzu, dass Zeit-online zu den Medien gehört, die „keine Paywall einsetzen und keinen milliardenschweren Mäzen im Rücken“ haben, und deshalb auf die internationale Verbreitung von Nachrichten angewiesen sind, wie sie bei Google auffindbar seien. „Facebook wiederum profitiert von journalistischen Inhalten, weil diese Diskussionen auslösen, oft geteilt werden und so für Aktivität im Netzwerk sorgen“, heißt es in einem Beitrag der „Zeit“. Auch „Bild“ bekomme Geld von Facebook, wozu eine Sprecherin von Springer gegenüber dem Nachrichtenportal meedia.de erklärte: „Axel Springer testet immer wieder neue Formate, so auch Facebook Live. Wir nehmen in dem Rahmen derzeit auch am ,Facebook Live Partnerprogramm‘ teil, mit dem wir uns eine Monetarisierung der Verbreitung von Live-Streams auf der Plattform sichern.“

    Auch die „New York Times“ sieht das Facebook-Projekt kritisch. Für die „New York Times“ und die „Washington Post“ sei Facebook extrem wichtig gewesen, ebenso für modernere Unternehmen wie Buzz-Feed, Vice und Vox Media. Die „Times“ zitiert Emily Bell, Direktorin am Tow Center für Digitalen Journalismus an der Columbia Universität, mit den Worten, „da gibt es nun die Erwartung, dass Teile der Facebook-Plattform geändert werden und dass man nicht notwendig darüber informiert wird, wie sie verändert werden“. Facebook hatte schon angekündigt, dass es eine Verringerung der Nachrichten von Verlagen anstrebe. Die Verbreitung von Nachrichten aus Medienhäusern werden durch private Nutzer zunehmen, während die Nachrichten, die direkt aus diesen Unternehmen ins Netz gestellt werden, abnehmen. Immerhin, so berichtet die „New York Times“, lief zuletzt 40 Prozent des Verkehrs von Nachrichten aus Nachrichtenportalen in den Vereinigten Staaten über Facebook.

    Der amerikanische Nachrichtensender CNN hat es klar ausgesprochen: Facebook könnte die Verlage verletzen. Im Grunde will Facebook auf seiner Plattform, so CNN, die Nachrichten, die von Webseiten, Unterhaltungsmedien, politischen Kampagnen oder anderen Quellen kommen, beschneiden. In der Sorge vor solchen Kampagnen mag der eigentliche Grund liegen für die Änderungen, denn „Freund und Familien zuerst“ klingt als Grund zu dünn. Ob Facebook so seiner gesellschaftlichen Position, die es nun einmal hat, gerecht wird, ist fraglich. Für das Unternehmen in Kalifornien wird entscheidend sein, ob die Zahl der privaten Nutzer durch die neuen Maßnahmen steigt. Falls nicht, lassen sich ja weiterhin Änderungen einführen.