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    Es schlägt die Stunde der Beter und Leser

    Nach längeren Vorbereitungen der Schritt in die Öffentlichkeit: Im Februar 2012 fand eine Konferenz statt zu Ehren Romano Guardinis in Vicenza, hoch oben neben der Wallfahrtskirche Santa Maria di Monte Berico. Die Wallfahrt wird vom Orden der Serviten betreut, die daneben eine Theologische Hochschule betreiben, wo die Tagung mit italienischen und deutschen Referenten ausgerichtet war. Im Nachklang schrieb eine Professorin aus Isola Vicentina, dem Standort der Villa Guardini, in Vicenza sei ein Kreis entstanden, der für die Seligsprechung Guardinis bete. Und die Frage schloss sich an, ob man nicht Papst Benedikt XVI., der ja ein Schüler Guardinis in den Nachkriegsjahren in München war und ihn häufig zitierte, das Anliegen vortragen könne. Das hat die Autorin gerne brieflich übernommen und erhielt Anfang Juli 2012 ein zustimmendes Schreiben, die Angelegenheit doch einmal mit Kardinal Reinhard Marx von München (dem Sterbeort Guardinis) zu besprechen.

    Der Religionsphilosoph Romano Guardini (1885–1968). Foto: KNA

    Nach längeren Vorbereitungen der Schritt in die Öffentlichkeit: Im Februar 2012 fand eine Konferenz statt zu Ehren Romano Guardinis in Vicenza, hoch oben neben der Wallfahrtskirche Santa Maria di Monte Berico. Die Wallfahrt wird vom Orden der Serviten betreut, die daneben eine Theologische Hochschule betreiben, wo die Tagung mit italienischen und deutschen Referenten ausgerichtet war. Im Nachklang schrieb eine Professorin aus Isola Vicentina, dem Standort der Villa Guardini, in Vicenza sei ein Kreis entstanden, der für die Seligsprechung Guardinis bete. Und die Frage schloss sich an, ob man nicht Papst Benedikt XVI., der ja ein Schüler Guardinis in den Nachkriegsjahren in München war und ihn häufig zitierte, das Anliegen vortragen könne. Das hat die Autorin gerne brieflich übernommen und erhielt Anfang Juli 2012 ein zustimmendes Schreiben, die Angelegenheit doch einmal mit Kardinal Reinhard Marx von München (dem Sterbeort Guardinis) zu besprechen.

    Wörtlich schrieb der Papst: „So könnte dieser große Meister des Denkens auf den Glauben hin und im Glauben mit einem neuen Gewicht in der Öffentlichkeit der Kirche und der Welt stehen.“ So kam es Ende August 2012 zu dem Besuch von zwei dem Anliegen sehr verbundenen Ehepaaren aus Isola Vicentina. Eine kleine deutsch-italienische Gruppe wurde damals von Kardinal Marx freundlich zur Audienz empfangen. Der Kardinal hob seinerseits die große Bedeutung Guardinis als Theologe und Pädagoge hervor, verglich ihn mit John Henry Newman, erwähnte auch die lange Dauer von dessen Prozess, der erst unter Papst Benedikt beschleunigt wurde, und sprach sich grundsätzlich dafür aus. Mehrfach betonte der Kardinal die notwendige „Geduld“. Er sehe große Chancen, aber zuvor müsse „von unten“ eine Verehrung wachsen, mehr als „Bewunderung“. Es schlägt also die Stunde der Beter und Leser! Denn es muss eine größere „Bewegung“ für die Seligsprechung geben: Nicht nur die damalige Jugend, sondern die heutige Öffentlichkeit soll Guardini neu kennen und schätzen lernen. Die wissenschaftliche Erforschung ist ja gut entwickelt; aber es müssen Kreise entstehen, in denen er angerufen wird, vor allem verankert an den Orten seines Lebens und seiner Lehre, also in den Diözesen München, Rottenburg-Stuttgart, Berlin und Mainz. Und natürlich auf Burg Rothenfels, bei der Katholischen Akademie in München und der Guardini Stiftung in Berlin und nicht zuletzt im kleinen Mooshausen, wo Guardini während des Krieges 1943–1945 Zuflucht bei seinem Freund Josef Weiger fand.

    Es gibt schon ein von München approbiertes Gebet um die Seligsprechung, außerdem werden Zeugnisse und Briefe zum Wirken Guardinis gesammelt. Nachgedacht wird auch über die Erstellung von Informationsschriften zur Vorbereitung auf die Seligsprechung. Für das Grab Guardinis in der lichterfüllen rechten Seitenkapelle in der Universitätskirche St. Ludwig in München will der Freundeskreis Mooshausen e.V. für dauernden Blumenschmuck sorgen.

    Aber am wichtigsten ist es, eine allgemeine Bewegung zu Guardinis Verehrung ins Leben zu rufen, sei es über Gebets- oder Lesekreise, sei es über die persönliche Vertiefung in sein außergewöhnliches Werk, sei es über die Arbeiten des universitären Nachwuchses.

    Vielleicht erhebt sich der Einwand, eine Seligsprechung sei „nicht nötig“, Guardini sei ohnehin bei Gott und man erweise ihm, der die große Öffentlichkeit eher scheute, ein Unrecht. Aber die Seligsprechung dient weniger dem Betreffenden als den Gliedern der noch „kämpfenden“ Kirche. Sie arbeitet gerade die Überzeugung heraus, dass eine Person, die bei Gott ganz angekommen ist, in Fürsprache wirksam werden kann, zeitübergreifend, für andere. Insbesondere sind es die Begabungen, überwundene Hemmungen, errungene Siege über Anlagen, in denen ein Diener Gottes angerufen werden kann. So könnte man bei Guardini an die Schwermut denken, die den Ballast seines Lebens bildete, an vielfältige leibliche und seelische Leiden, die ihn begleiteten, aber auch an seine Freundestreue, die Ausstrahlung als Priester in der Liturgie, an den Ernst und die Tiefe seiner jahrzehntelangen Lehre, den geraden Weg, den er auch in schlimmsten Zeiten in Berlin ging und der nicht zuletzt den christlichen Widerstand ermutigte. Diese Eigenschaften und Haltungen könnten in Zukunft die Anrufungen bestimmen. Bekanntlich durchläuft ein Prozess verschiedene Phasen. Die geistlichen Wunder, die durch Guardini bewirkt worden sind, überzeugen von sich aus. Dazu liegen bereits viele Dokumente von Zeitzeugen vor. Auch unzählige Leser sind von den geistlichen Schätzen in seinen Schriften begleitet und erhellt worden. Es braucht aber auch als eindeutiges Wunder die Heilung von schwerer körperlicher Erkrankung. Darum darf man also beten.

    Ob der Prozess kurz oder lang dauert (eher lang: Geduld!) und ob er überhaupt begonnen wird, all das steht noch dahin. In jedem Fall ist die überraschende Entwicklung erfreulich, denn sie wird einen Mann vor aller Augen stellen, von dem Kierkegaard sagen würde: „Nicht den allein nennen wir einen Lehrer der Menschen, der durch eine besonders glückliche Gunst oder mit unermüdlicher Mühe und durchgreifender Ausdauer die eine oder andere Wahrheit entdeckte oder ergründete (...), sondern der dem Geschlecht sich selbst als Vorbild hinterließ, sein Leben als eine Orientierung für jeden Menschen, seinen Namen als eine Bürgschaft für die Vielen, seine Tat als eine Ermutigung für die Versuchten.“

    Das Gebet um Seligsprechung ist in fünf Sprachen (dt., engl., franz., ital., russ.) erhältlich bei: Anne Mohr, Hellstraße 9, 46047 Oberhausen, Tel. 0208/ 86 81 12, mohr@mooshausen.de