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    „Erforsche die dunklen Geheimnisse, aber sei vorsichtig“

    Das Jahr 2013 hält für Freunde von Computergames bisher relativ wenig Spiele mit religiösem Bezug bereit, sieht man von einer Sparte ab, die in diesem Segment der medialen Unterhaltung einen gewissen Boom zu verzeichnen hat. Im Wettbewerb mit Strategiespielen, Action-Adventures und Ego-Shootern konnten sich sogenannte Wimmelbild-Spiele mittlerweile einen beachtlichen Marktanteil sichern. Deren Entwickler haben Geschichten mit „religösem“ Touch als lukrative Einnahmequelle entdeckt. In Wimmelbild-Spielen gilt es, verschiedene Szenen der Handlung mit der Computermaus akribisch zu durchforsten, vorgegebene Gegenstände anzuklicken oder miteinander zu kombinieren.

    Esoterisch mit christlichen Symbolen: Kürbis und Engel in dem Spiel „Terra Sacra“. Foto: S.A.D

    Das Jahr 2013 hält für Freunde von Computergames bisher relativ wenig Spiele mit religiösem Bezug bereit, sieht man von einer Sparte ab, die in diesem Segment der medialen Unterhaltung einen gewissen Boom zu verzeichnen hat. Im Wettbewerb mit Strategiespielen, Action-Adventures und Ego-Shootern konnten sich sogenannte Wimmelbild-Spiele mittlerweile einen beachtlichen Marktanteil sichern. Deren Entwickler haben Geschichten mit „religösem“ Touch als lukrative Einnahmequelle entdeckt. In Wimmelbild-Spielen gilt es, verschiedene Szenen der Handlung mit der Computermaus akribisch zu durchforsten, vorgegebene Gegenstände anzuklicken oder miteinander zu kombinieren.

    Von der Präsentation und technischen Aufmachung her haben diese eher beschaulichen Spiele an Qualität gewonnen. Hervorragende Zeichnungen und Animationen, ein passabler, manchmal sogar opulenter Soundtrack und eine praktikable Handhabung gehören heute zum Standard. Der Spielmodus – einfach oder schwer – ist in der Regel frei wählbar, integrierte Lösungshilfen beugen aufkommendem Frust oder der Verzweiflung vor. Mini-Spiele lockern das Game auf; Zwischensequenzen und Bonus-Episoden belohnen den erfolgreichen Spieler. Nur die Stories selber lassen zu wünschen übrig. Ein Blick auf einige neue und neu aufgelegte Spiele demonstriert dies.

    Das Wimmelbild-Adventure „Sacra Terra – Nacht der Engel“ outet sich schon durch die Beschreibung auf dem Cover: „Stolz, Arroganz und Neid sind einige der 7 Todsünden, die seit Anbeginn die Menschheit kontrollieren. Mit Hilfe eines magischen Rituals wurde nun das Portal geöffnet, wodurch die Dämonen dieser Sünden aus der Hölle ausbrechen konnten. Schaffst Du es, die Dämonen in ihre Welt zurückzuverbannen und die Menschen vor ihrem Untergang zu bewahren? Willkommen in Sacra Terra!“ Mit Features wie „42 teuflische Gegenstände“ und „atemberaubende, animierte Szenen“ versuchen die Entwickler, Fans des Genre anzulocken. Man sollte den vollmundigen Versprechungen jedoch nicht bedingungslos glauben.

    „Where Angels cry – Göttliche Tränen“, mit einem purpurroten Siegel als, Kloster-Krimi“ angepriesen, lädt den potenziellen Käufer äußerst theatralisch zum Spielen ein: „Du mein Bruder, wurdest von höchster Stelle bestimmt, schreckliche Vorfälle aufzuklären.“ Laut der Beschreibung des Adventures scheint in einem Kloster hoch in den Alpen das Böse erwacht zu sein. Mönche würden verschwinden, nächtliche Schatten umherziehen und ein steinerner Engel Tränen des Blutes weinen. „Begib Dich auf diese Mission, aber verhülle deine Absichten. Sprich mit den Bewohnern, aber traue niemandem. Erforsche die dunklen Geheimnisse, aber sei vorsichtig. Auch Dein Leben könnte in Gefahr sein … “. Immerhin besaßen die Produzenten den (unfreiwilligen) Humor, das Spiel mit der Aufschrift „Lust auf eine Runde ,Mönch ärgere dich nicht'“ zu bewerben.

    In der Wimmelbild-Reihe „Golden Trails – Wächter des Schwarzen Ordens“ tauchen dann die unvermeidlichen Tempelritter auf. Im nunmehr dritten Teil der „Collector’s Edition“ wird der Spieler ins Paris des späten 18. Jahrhunderts versetzt. Dort wacht er in einer dunklen Straße der Seine-Metropole mit einem seltsamen Zeichen, das in seine rechte Schulter eingebrannt worden ist, auf und wird mit der Forderung konfrontiert: „Stürze Dich jetzt in ein gefährliches Abenteuer und finde im Kampf gegen die Black Templars heraus, was geschehen ist!“ Wer oder was die Black Templars eigentlich sind, erfährt der Held des Adventures nicht wirklich, denn vermutlich dürfte das Spiel ein „To be continued – wird fortgesetzt“ erfahren.

    Die Handlungen, in denen sich der Spieler tummeln muss, sind ausnahmslos pseudoreligiös. Den Stoff für ihre Geschichten haben die Entwickler vor allem in heidnischen Quellen, der Esoterik und apokryphen Randthemen des Christentums gefunden. Miteinander vermischt ergeben diese Ingredienzien eine ebenso skurille, lächerliche wie auch beängstigende Vorstellung von Religion. Der Kampf engelhafter und dämonischer Kräfte um die Menschheit lässt den Glauben an und zu einem persönlichen Gott als sekundär erscheinen oder erst gar nicht aufkommen. Erschreckend ist es, das Abgründige als alles beherrschendes Grundthema sich religiös ausgebender Games zu nehmen; und bedenklich erscheint es, dass auch das übrige Gros der so harmlos daherkommenden Wimmelbild-Spiele das Dunkle und explizit Dämonische als Spielewelt erkoren hat.

    Titel wie „Nightmares from the Deep: Das verfluchte Herz“, „Grabgeflüster“, „Written Legends: Die verlorenen Seelen“ und „Der Fluch der Werwölfe“ geben nur einige wenige Beispiele wieder. Ähnliche Titel sind Legion. Lohnt es sich, für solche Spiele Geld auszugeben? Auch wenn der Preis für Wimmelbild-Spiele meist unter 10,– Euro liegt, scheint es geraten, auf die erwähnte Frage der „Where Angels cry“-Produzenten, ob man Lust auf eine Runde „Mönch ärgere dich nicht?“ habe, mit einem klaren „Nein, danke!“ zu antworten.