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    Entschieden gegen das System der Barbarei

    Immer wieder wird heute Kritik laut an Führungskräften der katholischen Kirche, besonders im Rückblick auf die unselige Zeit des Nationalsozialismus. „Da haben ihre Priester und Laien bitter versagt“, so heißt es vielfach. Dergleichen Vorwürfe, erwachsen aus Unkenntnis oder Böswilligkeit, entsprechen aber nicht den historischen Tatsachen. Keine deutsche Gruppierung hat sich so entschieden gegen Hitler und sein schreckliches System gestellt wie katholische Laien und Priester. Das bezeugt inzwischen eine kaum überschaubare Fülle von Veröffentlichungen.

    Pallotinerpater Richard Henkes
    Der Pallotinerpater Richard Henkes. Foto: IN

    Immer wieder wird heute Kritik laut an Führungskräften der katholischen Kirche, besonders im Rückblick auf die unselige Zeit des Nationalsozialismus. „Da haben ihre Priester und Laien bitter versagt“, so heißt es vielfach. Dergleichen Vorwürfe, erwachsen aus Unkenntnis oder Böswilligkeit, entsprechen aber nicht den historischen Tatsachen. Keine deutsche Gruppierung hat sich so entschieden gegen Hitler und sein schreckliches System gestellt wie katholische Laien und Priester. Das bezeugt inzwischen eine kaum überschaubare Fülle von Veröffentlichungen.

    In der Monatszeitschrift „Der Fels“ hat der Historiker und Redakteur Eduard Werner bereits viele von ihnen kurz und spannend vorgestellt, zum Beispiel den Kunstmaler Wilhelm Kempa und den Pallotinerpater Richard Henkes. In seinem neuesten Werk „Helden und Heilige in Diktaturen“ zeigt er an zwei Schaubildern, dass die überwiegende Mehrheit der deutschen Katholiken bei den Wahlen stets gegen Hitler gestimmt hat. Werner spricht von Kriegsdienstverweigerern, von Juden und Judenhelfern, von Opfern des Kommunismus sowie von Priestern und Laien im Widerstand, und weist hin auf über 100 Persönlichkeiten, die für Christus ihr Leben verloren haben. So nennt er unter anderen den bayerischen Innenminister Franz Xaver Schweyer, der schon 1922 den Ausländer Adolf Hitler aus Bayern ausweisen wollte, was aber scheiterte, weil SPD und DVP trotz grundsätzlicher Differenzen mit Hitler diesem die demokratischen Grundrechte zubilligten. Beim Hitler-Putsch am 8.11.1923 wurde Schweyer wie die meisten Minister der Bayerischen Staatsregierung von SA-Horden gefangen gesetzt und mit dem Tod bedroht, einen Tag später aber durch Mitarbeiter befreit. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wurde er erneut verhaftet und im Münchener Gefängnis Stadelheim sadistisch misshandelt. Todkrank wurde er 1935 nach Hause entlassen, wo er bald darauf starb.

    Werner schildert all das ungemein eindrucksvoll, ja faszinierend. Sein Werk kann bestens empfohlen werde.

    Eduard Werner: Helden und Heilige in Diktaturen. Media-Maria Verlag, Illertissen 2017, ISBN 978-3-9454013-0-9, EUR 17,95

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