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    Emanzipation durch Kunst in der Weimarer Republik

    Der Fernsehfilm „Lotte am Bauhaus“ schildert die Geschichte des Bauhauses auch aus Sicht der dort studierenden Frauen. Von José García

    Lotte am Bauhaus
    Höhepunkt einer Künstlerkarriere: Lotte Brendel (Alicia von Rittberg) gelingt es, dass Bauhaus-Direktor Walter Gropius (... Foto: ARD

    Weimar, 12. April 1919: Aus der Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst und der Kunstgewerbeschule entsteht unter der Leitung von Walter Gropius das Staatliche Bauhaus in Weimar. Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums stellt die ARD einen „Themenabend“ zusammen, zu dem der Spielfilm „Lotte am Bauhaus“ und eine anschließende Dokumentation „Die Bauhausfrauen“ gehören. Dass im Mittelpunkt Bauhaus-Frauen und nicht etwa die bekannten Bauhaus-Lehrer Gropius, Mies van der Rohe, Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer oder Lyonel Feiniger stehen, begründet MDR-Intendantin Karola Wille mit der Erklärung des Bauhaus-Direktors selbst, „keine Unterschiede zwischen dem schönen und starken Geschlecht“ machen zu wollen. Deshalb soll mit dem Film „Lotte am Bauhaus“ an „all die hochbegabten und mutigen Frauen“ erinnert werden, die sich „in der von Männern dominierten Kunstwelt behaupteten“.

    Auch wenn zu den Bauhaus-Schülern etwa auch der spätere Benediktiner in der Abtei Maria Laach Theodor Bogler (DT vom 02. Januar) gehörte, wurde das Bauhaus vielfach als eine Domäne der Linken angesehen. Was sagten die Menschen über das Bauhaus, fragt Paul Seligmann (Noah Saavedra) die zwanzigjährige Lotte Brendel (Alicia von Rittberg), als die junge Frau Interesse bekundet, sich in die berühmte Kunstschule einschreiben lassen zu wollen: „Dass ihr Kommunisten seid, und es nicht so genau mit den Sitten nehmt.“ Vom letzteren liefert der Film von Jan Braren (Drehbuch), Lena Kammermeier (Dramaturgie) und Gregor Schnitzler (Regie) bereits in der Anfangssequenz eine Kostprobe: Lotte fährt auf dem Fahrrad zusammen mit ihrer Schwester nach Hause, als sie eine Gruppe nackter junger Menschen entdecken, die durch den Wald laufen und dann schwimmen gehen.

    Von der eher sozialistisch inspirierten Haltung des Bauhauses zeugt im Film eine Szene, in der ein deutschnational gesinnter Student seinen Austritt aus der Schule erklärt, und „jeden aufrechten deutschen Studenten“ auffordert, es ihm gleichzutun. Nachdem lediglich drei oder vier mit ihm den Raum verlassen, bemerkt Walter Gropius (Jörg Hartmann) höhnisch: „Ich hatte schon Angst, dass keiner übrig bleibt“, womit er das Gelächter seiner Studenten erntet. „Lotte am Bauhaus“ schildert den Werdegang von Lotte Brendel am Bauhaus sowie ihre nicht ohne Hindernisse verlaufende Ehe mit Paul Seligmann. Eine „gleichberechtigte Partnerschaft“ stößt im Deutschland der beginnenden 1920er Jahre immer wieder auf gesellschaftliches Unverständnis. Der Fernsehfilm erzählt von den politischen Umwälzungen der Weimarer Republik, die sich im Bauhaus widerspiegeln – von den Anfängen der Kunsthochschule in Weimar über den Umzug nach Dessau bis zur Schließung 1932, als bei den Gemeindewahlen die NSDAP die Mehrheit errang. Laut den Produzenten Benjamin Benedict und Nico Hofmann soll der Film aber insbesondere auch „die Emanzipationsbestrebungen einer neuen Generation von Frauen“ zeigen, „die versuchten, ihr Recht auf künstlerische Selbstverwirklichung zu erstreiten“. Auf vergessene Künstlerinnen hinzuweisen, ist ein löbliches Ziel. Dennoch: Durch die Engführung werden viele interessante, ja die entscheidenden Gestalten der Kunstrichtung an den Rand gedrängt.

    „Lotte am Bauhaus“. Spielfilm von Jan Braren, Lena Kammermeier und Gregor Schnitzler, 106 Minuten. Mittwoch, 13. Februar, 20.15 Uhr, ARD. Mit anschließender Dokumentation.

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