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    „Einzigartige Zusammenschau von Exponaten aus aller Welt“

    „Der wichtigste Aspekt dieser Ausstellung ist die Rückführung der Sammlungsobjekte in den Kontext, in dem sie von Cook selbst aufgefunden und zusammengetragen wurden“, beschreibt die promovierte Maia Jessop, eine Maori-stämmige Anthropologin, die Schau „James Cook und die Entdeckung der Südsee“, die noch bis Ende Februar 2010 in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle gezeigt wird. Eine derart hochkarätige Zusammenstellung von heute in aller Welt verteilten Exponaten, die eine hohe Bedeutung für die kulturelle Identität der Südsee-Bewohner haben, sei bislang noch niemals zu sehen gewesen.

    „Der wichtigste Aspekt dieser Ausstellung ist die Rückführung der Sammlungsobjekte in den Kontext, in dem sie von Cook selbst aufgefunden und zusammengetragen wurden“, beschreibt die promovierte Maia Jessop, eine Maori-stämmige Anthropologin, die Schau „James Cook und die Entdeckung der Südsee“, die noch bis Ende Februar 2010 in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle gezeigt wird. Eine derart hochkarätige Zusammenstellung von heute in aller Welt verteilten Exponaten, die eine hohe Bedeutung für die kulturelle Identität der Südsee-Bewohner haben, sei bislang noch niemals zu sehen gewesen.

    Gemälde, Globen, kartographisches Material, ethnologische Exponate und vieles mehr lässt die Welt des britischen Seefahrers und Entdeckers James Cook (1728–1779) lebendig werden. Dem völlig unbekannten und unbedeutenden Sohn eines Tagelöhners war von der renommierten Royal Society der Auftrag gegeben worden, einen sagenumwobenen, riesigen Südkontinent zu entdecken. „Terra australis incognita“ wurde das Land von Gelehrten genannt. Cook gelang es, auf drei Expeditionsreisen (1768–1779/80) in die damals noch unbekannten Weiten des Pazifischen Ozeans erstmalig, Neuseeland, Australien und die Inselwelt der Südsee zu kartographieren. Damit vervollständigte er unser neuzeitliches Bild von der Erde und – widerlegte die Vorstellung von einem mythischen Südkontinent.

    Eine fast paradiesische Welt war es allerdings, die Cook und seine Mannschaft fanden. „Die Liebe ist ihre einzige Beschäftigung“, notierte etwa der Sammler und Botaniker Sir Joseph Banks, über die Frauen auf Tahiti. Banks begleitete Cook auf seiner ersten Reise auf dem Schiff „Endeavour“. Die Mannschaft genoss die Gastfreundschaft der Südseebewohner, die sich in der Tat auf alle Bereiche erstreckte. Die mitgereisten Wissenschaftler und Forscher fanden eine paradiesische Vielfalt von Flora und Fauna vor, an die sie nicht einmal in ihren kühnsten Träumen zu denken gewagt hätten.

    Forscher heute vergleichen die Seereisen Cooks und seine ersten Schritte auf dem australischen Festland gerne mit der ersten Mondlandung, für den Kapitän der „Endeavour“ war es nur ein kleiner Schritt auf das neue Land, für die Menschheit war es ein Quantensprung. So zeigt ein Globus der Ausstellung, 1764 in Österreich entstanden, auf der Südhalbkugel nur einen riesigen Phantasiekontinent. Nur 19 Jahre später stellt ein in London gefertigter Globus eine geographisch korrekte Ansicht der südlichen Hemisphäre dar. Mit Cooks Reisen hatte sich die Welt schlagartig verändert, das Wissen Europas fundamental erweitert.

    „Der Akzent der Ausstellung liegt auf der europäischen Perspektive auf die außereuropäischen Welten. Es ist ein zentrales Anliegen, Ergebnisse aus den Forschungen zur Naturgeschichte, Seefahrtsgeschichte, Kunstgeschichte und der frühen Ethnologie miteinander im Geiste der Aufklärung des 18. Jahrhunderts zu verknüpfen und erstmals interdisziplinär zu präsentieren“, erläutern die Ausstellungsmacher. Wichtig sei deutlich zu machen, dass sich mit Cooks Vordringen in die Weiten der Südsee im Zeichen aufklärerischer Fortschrittsgläubigkeit ein Aufbruch in die europäische Moderne angebahnt habe. Cook und den Naturforschern, Gelehrten und Zeichnern, die an seinen drei Reisen teilnahmen, verdanken die Europäer die ersten systematischen und verlässlichen Kartenwerke, die frühesten umfassenden Studien zum geologischen Aufbau der pazifischen Inseln und zu ihrer Flora und Fauna. Ferner wurden in einer vorher nicht gekannten Weise die Begegnungen mit den Menschen „am anderen Ende der Welt“ minutiös beschrieben und bildlich dokumentiert.

    Mehr als 550 Exponate aus aller Welt lassen Cooks Reisen lebendig werden. Er hatte begabte Maler an Bord, wie etwa den Briten William Hodges, der in einer idyllischen Szene die „Ankunft auf Tahiti“ festhielt. Das in Bonn ausgestellte anmutige Gemälde von 1776 zeigt gleich zwei von Cooks Schiffen, wie sie in der malerischen Matavai Bay vor Anker liegen. Unter den Wissenschaftlern und Forschern befanden sich auch zwei Deutsche, Johann Reinhold und Georg Foster, Vater und Sohn. Die Naturforscher brachten reiche Erkenntnisse in Botanik und Zoologie zurück nach Europa und darüber hinaus eine umfangreiche Sammlung von „Kuriositäten“, die unter anderem die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen begründeten. Viele weitere Exponate stammen aus Australien, Österreich, der Schweiz und natürlich Großbritannien, darunter kostbare Federornamente und Holzskulpturen sowie Schiffsmodelle, Seekarten und Navigationsinstrumente. Dem Besucher ist so das selbstständige Entdecken der ozeanischen Kulturen des 18. Jahrhunderts entlang der drei Reiserouten Cooks möglich.

    Fast nur am Rande wird die Problematik der Reisen auf die Bewohner der Südseeinseln gestreift. Zum einen waren nicht alle Polynesier den Fremden wohlgesonnen, es gab Fälle von extremer Gewalt bis hin zum Kannibalismus. Auch der Tod von James Cook selbst, der 1779 mit einigen seiner Männer auf Hawai ums Leben kam, ist immer noch ungeklärt. Zum anderen veränderten die Europäer das Leben der Südseebewohner allein durch ihre Anwesenheit für immer. Sie schleppten bislang unbekannte Krankheiten ein wie etwa Masern, Grippe, Geschlechtskrankheiten und vieles mehr. Allein die Bevölkerung Tahitis schrumpfte nach der „Entdeckung“ durch die Europäer von rund 200 000 auf 72 000 Menschen. Seit der Inbesitznahme Australiens durch die Briten erlitten die dortigen Ureinwohner ein ähnliches Schicksal.

    Neben dem Einschleppen von bislang unbekannten Krankheiten zerstörten die Entdecker und die nachfolgenden Einwanderer aber auch die sozialen, politischen, wirtschaftlichen und religiösen Strukturen der Ureinwohner. Intakte Kulturen brachen zusammen, auch die gut gemeinte Missionierung trug Schuld. Georg Forster musste es wohl geahnt haben, als er damals schrieb: „Es ist Unglücks genug, dass alle unsre Entdeckungen so viel unschuldigen Menschen haben das Leben kosten müssen. So hart das für die kleinen, ungesitteten Völkerschaften seyn mag, welche von Europäern aufgesucht worden sind, so ists doch warlich nur eine Kleinigkeit im Vergleich mit dem unersetzlichen Schaden, den ihnen diese durch den Umsturz ihrer sittlichen Grundsätze zugefügt haben.“

    Daran dürfte sicherlich Frederika, Prinzessin von Tonga auch gedacht haben, als sie die Bonner Ausstellung eröffnete. Gleichzeitig könnte die Schau jedoch vielen Südseebewohnern helfen, in einer modernen globalisierten Welt zu ihren Wurzeln, zu ihrer indigenen Geschichte zurückzufinden. Viele der Exponate sind von Art oder Qualität, wie es sie heute in der südlichen Hemisphäre nicht mehr gibt.

    Von Monika Prangemeier