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    Einst Hippie-Ikone, heute Langweiler

    Zeitzeugen sind im Fernsehen meistens ein Gewinn. Aber es gibt auch Ausnahmen, die zeigen, wie verkorkst es damals war. Rainer Langhans ist so einer, der jetzt im australischen „Dschungelcamp“ sitzt, dieser Karrierereanimationsklinik, wie sie ihre eigenen Moderatoren respektvoll nennen. Langhans war 1967 Mitbegründer der Kommune I und als Partner von Uschi Obermeier eine Symbolfigur der 68er. Doch wie ihn RTL auf seiner Internetseite einführt, ist schon für sich ein Skandal: „Die Kommune erfand das Leben neu – als Gegenmodell zu Mord und Gewalt der verstummten Täter-Eltern und ihrer bürgerlichen Kleinfamilie: Liebe und Gemeinschaft mit allen, kein Besitz an Menschen und Dingen.“ Aber weder wurde das Leben neu erfunden, noch trifft die Familie eine historische Schuld. Und wie hermetisch Langhans denkt und sich in Gesprächen verhält, wird dem Zuschauer bei jeder Sendung klarer.

    Hier wird jedem speiübel: Rainer Langhans (links) unter Kakerlaken, in der Mitte und rechts Sarah Knappik im Dschungelca... Foto: RTL

    Zeitzeugen sind im Fernsehen meistens ein Gewinn. Aber es gibt auch Ausnahmen, die zeigen, wie verkorkst es damals war. Rainer Langhans ist so einer, der jetzt im australischen „Dschungelcamp“ sitzt, dieser Karrierereanimationsklinik, wie sie ihre eigenen Moderatoren respektvoll nennen. Langhans war 1967 Mitbegründer der Kommune I und als Partner von Uschi Obermeier eine Symbolfigur der 68er. Doch wie ihn RTL auf seiner Internetseite einführt, ist schon für sich ein Skandal: „Die Kommune erfand das Leben neu – als Gegenmodell zu Mord und Gewalt der verstummten Täter-Eltern und ihrer bürgerlichen Kleinfamilie: Liebe und Gemeinschaft mit allen, kein Besitz an Menschen und Dingen.“ Aber weder wurde das Leben neu erfunden, noch trifft die Familie eine historische Schuld. Und wie hermetisch Langhans denkt und sich in Gesprächen verhält, wird dem Zuschauer bei jeder Sendung klarer.

    Schon vor der Anreise in Australien hat Langhans gegen die ehemalige „Bro'Sis“-Sängerin Indira Weis in einem Interview gezickt, die sich auch im Magazin „Playboy“ ablichten und ihren Körper dafür mit Silikon bearbeiten ließ. Natürlich hätte er das mit Recht ablehnen können mit der Begründung, dass jeder seinen Körper nehmen soll, wie er ihn bekommen hat. Das hat er aber nicht getan. Er sagte vielmehr, „die Form ist nicht so mein Ding, nein“. Das ist aber ganz aus dem Bauch heraus, worauf Indira mit einer ganzen Kanonade von Beschimpfungen zurückschoss, wie dass er 37 Jahre keinen Sex mehr gehabt habe und darum ein paar Gehirnzellen abgestorben seien. Auf diesem Niveau wird der Fernsehzuschauer unterhalten. Für Langhans aber muss offenbar alles so sein wie früher in seiner Kommune. Das wird bei jedem Gespräch klar, wenn er überhaupt spricht. Und dass kommt selten vor. Wenn die anderen Camp-Teilnehmer herumalbern und Pirouetten im Camp drehen, also ihre „exkrementalen Erfahrungen“ im „Rektal der Ahnungslosen“ machen, wie es Moderator Dirk Bach formuliert, dann bleibt Langhans auf seiner Pritsche liegen und schüttelt verständnislos den Kopf: „Das ist die Ausdifferenzierung der unguten Art, so geht das aber gar nicht“, ist sein Kommentar.

    Zentral für den „Dieter Bohlen der 68er“ (Dirk Bach) war bisher das Gespräch mit Sarah Knappik, ehemalige Teilnehmerin von „Germany's next Topmodel“. Auf sie haben es die Zuschauer wohl abgesehen, denn sie erhält die meisten Anrufe, die Sarah nun schon zum vierten Mal in Folge zur Dschungelprüfung verurteilten. Einige Male war sie schon am Ekel gescheitert, ging aber tapfer wieder in die nächste Runde. Aber Langhans gefällt das offenbar nicht. Er hält ihr im Gespräch unter vier Augen vor: „Du bist schwach“. Dabei will sie doch nur die Essensration für das Camp beschaffen. „Ich bin, ich bin, ich bin!“ – das zu denken wirft ihr Langhans vor. „Mit der Tour kannst Du Dein asoziales Verhalten nicht durchhalten. Du bist keine starke Frau.“ Damit liegt er nun völlig daneben, denn um einen Egotrip geht es ihr überhaupt nicht. Selbst Moderator Dirk Bach meinte über Sarah, keiner mache sich selbst so fertig wie sie. Und fügte nach ihrer gescheiterten Prüfung hinzu, dass sei nun der dritte Abbruch nach Realschule und Frisörausbildung. Langhans wirkt hermetisch, kann sich auf sein Gegenüber nicht einstellen, und als Sarah seine Kritik anzweifelt, nennt er sie beratungsresistent. Das sind billige psychologische Tricks, die Langhans mit vorgefertigter Meinung formuliert. Wo ist das große Gesprächsgenie, fragt man sich, als das er doch einst überzeugt haben muss. Davon ist zumindest nichts übriggeblieben, nur ein alter Mann in weißer Gurukleidung. Es sind Stereotypen, die man schon kennt, wenn Langhans Sarah vorhält, sie teile nur ein paar Gefühle, führe aber kein Gespräch. Am Ende sagt sie völlig verwirrt: „Ich verstehe das nicht so recht.“ Als sie dann in der Prüfung am Mittwochabend Schlangen in ein Boot heben muss und das auch souverän schafft, kommentiert Langhans: „Das war nicht ganz befriedigend für uns, dass sie mit einer so leichten Prüfung davonkommt.“ Mit solch kleingeistiger Nörgelei wird er, der mangels Koffer mit Pappkarton und Kopfstandbank angereist war, kaum der Dschungelkönig, als den ihn viele schon sehen wollten.

    Das Spaßbad zur Rettung von Pleitepromis, in dem ernsthaft darüber diskutiert wird, von wem nun der Spruch „Zack, die Bohne“ stammt, ist bei steigender Quote wie immer auf niedrigstem Niveau. Der Dschungel ist eben die Urszene der Kommune, um noch einmal Dirk Bach zu zitieren, der keine Gelegenheit auslässt, sich über Langhans zu amüsieren: „Langhans ist der mit den vier Frauen, wie Beckenbauer.“ Nur dass Langhans immer mehr zum Langweiler mutiert und keinen Anteil daran hat, wenn die Moderatoren des Dschungelcamps ihre Sendung mit den Worten verabschieden: „Das war Sodom und Gomorrah“. Die Ikone der 68er ist, wenn der Ruf jemals zu Recht bestand, zerbrochen.