• aktualisiert:

    Ein Zufall verändert das Leben

    Im Jahre 2007 wurde John Carney mit seinem Spielfilmdebüt „Once“ (DT vom 19.1.2008) weltbekannt. Der Film erhielt zahlreiche Preise, etwa den Oscar 2008 für den „Besten Song“ (für „Falling Slowly“) oder auch den Publikumspreis beim renommierten Sundance Filmfestival. „Once“ verdankte seinen Erfolg einerseits der Kraft der Musik, die vollkommen in die Handlung integriert war, und dem natürlichen Spiel von Markéta Irglová und Glen Hansard, die eigentlich Musiker und keine Schauspieler sind, andererseits aber auch der Weigerung, sich den üblichen Klischees von „romantischen Komödien“ zu beugen. Für seinen zweiten Spielfilm mit dem umständlichen deutschen Verleihtitel „Can A Song Save Your Life?“ („Begin Again“) folgt John Carney, der vor seinem Einstieg ins Filmgeschäft Bassist in derselben irischen Rockband war, in der Glen Hansard mitspielte, einer ähnlichen Grundstruktur wie in „Once“. Allerdings besetzte er die Rollen seines aktuellen Filmes mit Ausnahme von Hip-Hopper Cee Lo Green und Adam Levine, Frontsänger und Gitarrist von Maroon 5, mit ausgewiesenen Filmschauspielern.

    Weil ihm kein Aufnahmestudio zur Verfügung steht und er unbedingt mit Gretta (Keira Knightley, links) ein Musikalbum mac... Foto: Studiocanal

    Im Jahre 2007 wurde John Carney mit seinem Spielfilmdebüt „Once“ (DT vom 19.1.2008) weltbekannt. Der Film erhielt zahlreiche Preise, etwa den Oscar 2008 für den „Besten Song“ (für „Falling Slowly“) oder auch den Publikumspreis beim renommierten Sundance Filmfestival. „Once“ verdankte seinen Erfolg einerseits der Kraft der Musik, die vollkommen in die Handlung integriert war, und dem natürlichen Spiel von Markéta Irglová und Glen Hansard, die eigentlich Musiker und keine Schauspieler sind, andererseits aber auch der Weigerung, sich den üblichen Klischees von „romantischen Komödien“ zu beugen. Für seinen zweiten Spielfilm mit dem umständlichen deutschen Verleihtitel „Can A Song Save Your Life?“ („Begin Again“) folgt John Carney, der vor seinem Einstieg ins Filmgeschäft Bassist in derselben irischen Rockband war, in der Glen Hansard mitspielte, einer ähnlichen Grundstruktur wie in „Once“. Allerdings besetzte er die Rollen seines aktuellen Filmes mit Ausnahme von Hip-Hopper Cee Lo Green und Adam Levine, Frontsänger und Gitarrist von Maroon 5, mit ausgewiesenen Filmschauspielern.

    Alles perfekt inszeniert, kein Platz für Improvisation

    Die Karriere des ehemals erfolgreichen Musikproduzenten Dan (Mark Ruffalo), der jahrzehntelang neue Talente entdeckte, befindet sich auf dem absoluten Nullpunkt. Er hat gerade seinen Job in der New Yorker Musikproduktionsfirma verloren, die er einst mitgegründet hatte. Von seiner Frau Miriam (Catherine Keener) lebt er getrennt, obwohl er noch an die Rettung seiner Ehe glaubt. Seine Tochter Violet (Hailee Steinfeld) scheint auch wenig Interesse an ihrem Vater zu haben, dem wiederum der eine Spur zu freizügige Kleidungsstil seiner Tochter missfällt. An einem ziemlich verkorksten Tag landet er leicht angetrunken in einer Bar, als eine junge Frau auf die Bühne gebeten wird. Gretta (Keira Knightley) fühlt sich nicht in besonderer Stimmung. Dementsprechend fällt auch ihr Song aus. Während sie noch singt, beginnen die Anwesenden sich zu unterhalten. Dan hört aber etwas ganz anderes: In seinem Kopf spielt sich der Song mit fertigem Arrangement ab. Er weiß: Diese junge Engländerin ist das Talent, das er so lange vergeblich gesucht hatte. Er will unbedingt mit ihr ein Album aufnehmen.

    Gretta wollte eigentlich am nächsten Tag nach England zurückfliegen. Denn sie war nach New York gezogen, weil ihr Freund Dave (Adam Levine) in den Vereinigten Staaten eine richtige Musikkarriere anfangen sollte. Diese war jedoch so erfolgreich, dass er auf einmal in einer anderen Welt lebt. Als Dave eine Affäre beginnt, verlässt ihn Gretta wutentbrannt. Doch Dan gelingt es, sie umzustimmen. Sie lässt sich auf das Abenteuer ein, obwohl Dan über kein Aufnahmestudio mehr verfügt. Statt dessen beginnen Dan und Gretta, zu denen nach und nach weitere Musiker dazustoßen, Grettas Musik ganz ungeschminkt buchstäblich auf den Straßen von New York aufzunehmen.

    Nach der entsprechenden Einführung der Hauptfiguren folgt die Dramaturgie den Aufnahmearbeiten in der Stadt. Ganz chronologisch vor geht aber John Carney etwa in der Vorstellung der Bandmitglieder glücklicherweise nicht. Der Regisseur findet vielmehr einen Weg, um sie einzuführen, ohne monoton zu wirken. Deshalb sieht der Zuschauer die Band in unterschiedlichen Besetzungen, wenn sie etwa unter einer Brücke, im Central Park, in einer engen Gasse oder auf der Terrasse eines Hochhauses die Songs fürs Album aufnimmt. Die Songs werden tatsächlich von Schauspielerin Keira Knightley gesungen. Aber auch der „richtige“ Sänger Adam Levine kommt zu einem eigenständigen Konzertauftritt. Dennoch: Die Kraft der Songs, die „Once“ auszeichnete (neben dem erwähnten, Oscar-gekrönten „Falling Slowly“ insbesondere „When your mind's made up“), besitzt Carneys neuer Film nicht.

    Ähnlich in „Once“ gelingt es Regisseur und Drehbuchautor John Carney dennoch, die Musik in den Film derart sinnvoll zu integrieren, dass sie Teil der Handlung wird. Trotzdem ist „Can A Song Save Your Lief“ nicht einfach eine Aneinanderreihung von Musikstücken. Der Film handelt von der besonderen musikalischen Partnerschaft der ungleichen Dan und Gretta, die sich nach und nach zu einer tiefen Freundschaft entwickelt und dafür sorgt, dass ihr Leben eine unerwartete Wendung nimmt. Die Handlung hat sogar einen Nebenerzählstrang in der Figur von Dans Tochter Violet, der nicht nur die Beziehung zu ihrem Vater, sondern auch die entstehende Freundschaft zu Gretta behandelt. Von ihr erhält Violet gute Tipps: Sie solle beispielsweise durch ihre Kleidung nicht den Eindruck erwecken, sie sei leicht zu haben.

    Wurde „Once“ mit einfachen Mitteln, ja sogar mit Hilfe von Amateuraufnahmen fotografiert, was dem Film eine gewisse „Independent“-Anmutung verlieh, so ist die Kameraarbeit von Yaron Orbach in „Can A Song Save Your Life?“ genauso professionell wie das bis in die Details durchdachte Szenenbild. Ähnliches gilt für die Inszenierung: In Carneys neuem Film ist kein Platz für Improvisation.

    Gemeinsam mit „Once“ hat „Can A Song Save Your Life?“ allerdings den Grundgedanken, dass Gretta und Dan vom gemeinsamen Musikprojekt den Mut erhalten, die erlittenen Verletzungen zu heilen. Der neue Film von John Carney gewährt ebenfalls einen wahrhaftigen Blick auf allgemein menschliche Fragen, die in sogenannten romantischen Komödien allzu oft banalisiert werden: Freundschaft und eheliche Treue, die Verantwortung für übernommene Verpflichtungen.